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Wirtschaft blickt besorgt in die Türkei

Unsicherheit Wirtschaft blickt besorgt in die Türkei

Nach der Verhängung des Ausnahmezustandes in der Türkei fürchtet Niedersachsens Wirtschaft das Wegbrechen eines ihrer wichtigsten Wachstumsmärkte. Bei Rossmann und Co herrscht große Unsicherheit und geplante Investitionen und Kooperationen werden bis auf Weiteres auf Eis gelegt.

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Schwierige Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und Deutschland.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. „Es herrscht eine Riesenunsicherheit“, sagte der Leiter der Internationalen Abteilung der IHK Hannover, Tilman Brunner. Die Unternehmen würden ihr Vorgehen in der Türkei bereits überdenken, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller. „Geplante Investitionen und Kooperationen werden vielfach bis auf Weiteres auf Eis gelegt.“

Die Türkei zählt zu den wichtigsten Handelspartnern Niedersachsens außerhalb der Europäischen Union – und zu den wachstumsträchtigsten. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Ausfuhren in Richtung Bosporus um fast 30 Prozent. Innerhalb von fünf Jahren haben sich die Exporte auf 1,9 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Nach der Flüchtlingskrise und den Anschlagsserien in der Türkei waren die Geschäfte aber bereits rückläufig. So berichtete das Landesamt für Statistik zuletzt von einem 14-prozentigen Exportrückgang im März.

Der Putschversuch und die Verhängung des Ausnahmezustandes haben die Lage nun weiter verschärft. Die türkische Regierung will jetzt auch die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) zeitweise aussetzen. Müller sagte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit hätten der Türkei auch wirtschaftlich Erfolg gebracht. „Dieser Kurs muss beibehalten werden.“ Für die Unternehmen würden Länder mit positiver Prognose langsam Mangelware, sagte Brunner. Die Geschäfte mit Russland und südamerikanischen Staaten liegen weitgehend brach, der EU-Ausstieg der Briten schlägt ebenfalls auf die Stimmung. „Die Unternehmen jammern, weil ein Land nach dem anderen Sorgen macht.“

Die Türkei ist für niedersächsische Unternehmen sowohl als Exportmarkt, im Tourismus als auch als Region für Wachstumsinvestitionen interessant. Für Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover beispielsweise gehört die Türkei zu den wichtigsten Auslandsmärkten, nimmt mehr Transporter ab als Spanien und Italien zusammen. Bislang laufen die Geschäfte noch gut, bis einschließlich Mai verzeichnete VWN in der Türkei ein gut 8-prozentiges Absatzplus.

Bei der Tui zeigt man sich hingegen noch gelassen. Zuletzt hatte der Reisekonzern zwei Millionen Urlauber an die türkische Riviera gebracht – in diesem Jahr werde sich die Zahl wohl halbieren, sagte ein Unternehmenssprecher. Aber den operativen Gewinn will die Tui dennoch um ein Zehntel steigern. Ein Grund für diesen Optimismus: Da zu den Ausweichquartieren der Touristen in Spanien viele konzerneigene Hotels mit deutlich höheren Preisen gehören, steigt für die Tui die Marge.

Angespannt verfolgt man auch beim Burgwedeler Drogeriekonzern Rossmann die Vorgänge in der Türkei. Das Unternehmen hatte sich 2010 als Pionier auf den Markt gewagt und zählt inzwischen immerhin 55 Filialen in dem Land. Da das Konzept des Drogeriemarktes dort zuvor jedoch gänzlich unbekannt war und die Menschen in erster Linie Waren in großen Mengen in Supermärkten kaufen, hat Rossmann bislang den Durchbruch nicht geschafft. Zuletzt soll das Türkei-Geschäft zwei Millionen Euro Verlust gemacht haben. Ob die weitere Expansion angesichts der politischen Instabilität auf den Prüfstand gestellt wird, konnte ein Sprecher noch nicht sagen. Man sei noch dabei, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen.

Von Lars Ruzic und Jens Heitmann

Brandbrief der Hochschulen

Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic sieht in der Türkei die Freiheit der Wissenschaft bedroht. „Das Ausreiseverbot ist erschreckend und kommt einem Ende der Wissenschaftsfreiheit gleich“, sagte die Politikerin. Nach letzter Zählung seien 46 türkische Wissenschaftler an niedersächsischen Hochschulen tätig.
Auch die Landeshochschulkonferenz ist nach Worten ihres Präsidenten Wolfgang-Uwe Friedrich entsetzt über die Vorgänge in der Türkei. Die „Säuberung“ an den Hochschulen seien „schlimmste Begleiterscheinungen der Machterergreifung eines Diktators“, sagte der Professor der HAZ. Präsident Erdogan sei dabei, die über Generationen aufgebauten Partnerschaften zwischen niedersächsischen und türkischen Hochschulen zu zerstören. Die Hochschulkonferenz hat ihre Besorgnis in einem Brief an den türkischen Generalkonsul ausgedrückt.

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