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Niedersachsen Niedersächsische Apotheker sehen jede dritte Filiale bedroht
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Niedersächsische Apotheker sehen jede dritte Filiale bedroht
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00:42 11.06.2018
Bei einer Honorarkürzung wie von den Krankenkassen gefordert, sei ein Drittel der Apotheken von der Schließung bedroht, meint die Apothekerkammer Niedersachsen. Quelle: dpa
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Hannover

Die von den Krankenkassen geforderte Honorarkürzung für Apotheken um eine Milliarde Euro gefährdet nach Einschätzung der Branche die Versorgung der Bevölkerung. „Wenn das so käme, wäre mindestens jede dritte Apotheke in ihrem Bestand bedroht“, sagte die Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Magdalene Linz. Durch die von den Kassen propagierte Neuordnung der Vergütungen dürften die Apotheken durchschnittlich Einnahmen von 40.000 Euro im Jahr verlieren: „Das würde insbesondere die Kollegen in kleineren Orten und in prekären Lagen in den Großstädten treffen.“

Die Forderungen der Kassen basieren auf einem vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten zur wirtschaftlichen Situation der Apotheken. Darin kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Apotheker künftig anders bezahlt werden sollen, um die Kosten zu senken. Im Kern laufen die Vorschläge darauf hinaus, die festen Zuschläge für die Ausgabe verschreibungspflichtiger Medikamente deutlich zu senken – für bestimmte Dienstleistungen sollen die Apotheker im Gegenzug etwas mehr Geld bekommen. Die Pharmazeuten könnten ihre Lage zudem auch selbst verbessern, in dem sie die hohen Rabatten auf frei verkäufliche Arzneien reduzieren, meinen die Gutachter.

Die geforderten Einschnitte könnten viele Kollegen nicht verkraften, sagte Linz. Eine durchschnittliche Apotheke erreiche einen Umsatz von 2,3 Millionen Euro im Jahr und erziele ein Betriebsergebnis von 143.000 Eur: „Schon hier wäre ein Abschlag von 40.000 Euro ein heftiger Schlag ins Kontor." Doch zwei Drittel aller Apotheken würden weniger erwirtschaften als der Durchschnitt, 60 Prozent der Pharmazeuten kämen auf weniger als 100.000 Euro Ertrag.

Die Kluft ist zuletzt größer geworden: Der Vergleich der Netto-Umsätze der Jahre 2013 und 2017 zeigt, dass vor allem kleine Filialen an Geschäft verloren haben – zwei von drei Apotheken verzeichneten ein Umsatz-Minus. Unter dem Strich sank die Zahl der Betriebe im vergangenen Jahr um 275 auf 19.748 – das ist der niedrigste Stand seit 1987. „Marktaustritte sind der wesentliche Faktor für Gewinnsteigerungen der verbleibenden Apotheken“, heißt es beim Branchenverband.

Die Krankenkassen sehen darin kein Problem, sondern eine Chance zur Kostensenkung: Die Apotheken-Dichte sei hierzulande ohnehin zu hoch, lautet ihr Befund. Die niedersächsische Apothekerkammer sieht das anders. „Im Harz, in der Heide und in Ostfriesland müssen die Menschen schon heute mehrere Kilometer fahren, um ihre Rezepte einzulösen“, sagte Linz.

Nach Einschätzung der Apotheker fußen die Forderungen der Kassen ohnehin auf gravierenden Fehlern in der Anlalyse der Geschäftszahlen der Branche. Angesichts „einer stark mangelbehafteten Datengrundlage“ sei das Gutachten des Ministeriums inhaltlich „nicht der Rede wert“, schreibt der Geschäftsführer des Treuhand-Verbandes Deutscher Apotheker, Frank Diener. Eine entsprechende Änderung der Arzneimittelpreisverordnung durch die Behörde verbiete sich daher von selbst, sagte Kammerpräsidentin Linz.

Von Jens Heitmann

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