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Firmen hoffen auf neue Geschäfte im Iran

Niedersachsen Firmen hoffen auf neue Geschäfte im Iran

Traditionell sind Deutschland und der Iran gute Handelspartner. Nach dem Atomdeal und der bevorstehenden Lockerung von Sanktionen hoffen niedersächsische Firmen auf neue Geschäfte. Mit einer 100-köpfigen Delegation reist Minister Lies Anfang Oktober nach Teheran.

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Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies.

Quelle: dpa

Hannover. Die Erwartungen der niedersächsischen Unternehmen und von Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) an ihre Reise in den Iran Anfang Oktober sind hochgesteckt: Nach dem Atomdeal und der in Aussicht stehenden Lockerung der Sanktionen hofft die 100-köpfige Delegation mit dem traditionsreichen Handelspartner neu ins Geschäft zu kommen. "Für niedersächsische Firmen ist der Iran ein sehr interessantes Land. Deshalb wollten wir auch die ersten sein, die dort mit einer großen Wirtschaftsdelegation hinfahren", so Lies.

Inzwischen hat ein regelrechter Wettlauf europäischer Firmen und Politiker Richtung Iran eingesetzt. Einen geplanten Abstecher nach Isfahan muss die Delegation fallen lassen - die Hotels in der Wirtschaftsmetropole sind bereits ausgebucht.

Wirtschaftskrise wegen Sanktionen

Große Hoffnungen in die plötzlich in sein Land pilgernden Europäer hat auch Präsident Hassan Ruhani. Bei seinem Amtsantritt im August 2013 stand er vor einem Scherbenhaufen. "Keiner kann sich vorstellen, was wir von der Vorgängerregierung geerbt haben", sagte er. Die Außen- und besonders Atompolitk seines Vorgängers Mahmud Ahmadinedschad hatte das Land total isoliert. Hinzu kam eine Wirtschaftskrise wegen der verhängten Sanktionen im Zusammenhang mit dem Atomstreit.

Zwischen 2011 und 2013 konnte der Iran nur noch die Hälfte seines Öls exportieren. Das führte zu einer hohen Inflation. Zwischenzeitlich war die nationale Währung Rial nur noch die Hälfte wert. Das ölreiche Land befand sich in einer seiner schlimmsten Krisen. Ruhani war bewusst, dass er das Dilemma nicht ökonomisch, sondern außenpolitisch lösen musste.

Abkommen nach zwölf Jahren Konflikt

Daher setzte er alle seine Karten auf die Atomverhandlungen mit dem Westen. Mit Erfolg. 20 Monaten nach seinem Amtsantritt kam es in dem zwölfjährigen Konflikt zu einem Abkommen. Besonders die EU freute sich über die Einigung. Neben einer neuen geopolitischen Partnerschaft im Nahen Osten, witterte sie nun auch erneute Millionengeschäfte mit dem Gottesstaat. Nach dem Abkommen reisten unter anderem der deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens sowie Österreichs Präsident Heinz Fischer in den Iran. Alle wollten den Beginn einer neuen politischen Ära und natürlich auch lukrative Verträge. Auch der Iran freute sich nach über zehn Jahren wieder auf hohen Besuch aus der EU.

In den Krisenjahren waren Russland und China die einzigen Alternativen zu dem Westen für Handel und Technologie. Aber sowohl die Regierung als auch der private Sektor waren alles andere als glücklich mit den beiden Ländern. Sie wollten wieder mit Partnern aus Deutschland, Frankreich und Japan zusammenarbeiten. Nach dem Atomabkommen wären auch erneute Wirtschaftsbeziehungen mit Erzfeind USA nicht mehr undenkbar.

Beide sollen von Zusammenarbeit porfitieren

Der Iran braucht nach der langjährigen Krise in fast allen Bereichen Erneuerungen. Die Industrie braucht neue Maschinen, genauso wie die zivile Luftfahrt neue Flugzeuge. Für die Ölförderung, die immer noch das Haupteinkommen des Landes ist, braucht man besseres technisches Know-How. Genauso für die Autoindustrie. Viele neue Autos müssen gleich nach dem Kauf zum Mechaniker, sagen die enttäuschten Käufer.

Ruhani aber will mehr als nur den klassischen Handel. "Ich habe den Europäern klar gemacht, dass wir auch technologisches Know-How wollen", sagte er. Laut Ruhani sollten beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren. Der Iran wolle kein "Exportparadies" für den Westen werden, sondern ein gleichberechtigter Partner. "Man muss ganz klar sagen, das ist eine Chance, einen Fuß in der Tür zu haben in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern", sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller.

Modernisierungsbedarf in vielen Bereichen

Durch die jahrelangen Handelseinschränkungen gebe es im Iran einen Modernisierungsbedarf in vielen Sektoren. Vor Ort müsse sich erweisen, wie die Möglichkeiten für die Unternehmen seien. Ein Bedarf wird gesehen etwa im Bereich Infrastruktur, Elektroindustrie oder dem Maschinenbau und der Fahrzeugindustrie.

Aber noch ist alles nur Zukunftsmusik. Das Wiener Atomabkommen vom 14. Juli muss erst vom UN-Sicherheitsrat ratifiziert werden. Danach muss der Iran noch auf einen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) warten. Erst nach dem IAEA-Segen werden die UN-Resolutionen - und damit auch die Sanktionen - aufgehoben. Bis dahin gibt es nicht mal Bankverbindungen. Erste Verträge könnten daher frühestens erst ab 2016 unterzeichnet werden. Aber sondiert wird von allen Seiten jetzt schon.

dpa

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