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Niedersachsen Nord/LB weist 2018 Rekordverlust aus
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Nord/LB weist 2018 Rekordverlust aus
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00:19 06.02.2019
Die Norddeutsche Landesbank in der Morgendämmerung. Quelle: dpa
Hannover

Die Norddeutsche Landesbank forciert den Abbau ihrer faulen Schiffskredite und nimmt dafür einen Rekordverlust in Kauf. Die Nord/LB will ihre Altlasten von zuletzt 7,3 Milliarden Euro im Schiffsbereich bis Ende dieses Jahres nahezu komplett abbauen. Da sich die Kredite nur mit Verlusten verkaufen lassen, hat die Bank für das Geschäftsjahr 2018 die Risikovorsorge auf insgesamt bis zu 2,5 Milliarden Euro erhöht. Dadurch werde sich der bereits angekündigte Bilanzverlust auf 2,7 Milliarden Euro erhöhen, teilte die Nord/LB am Sonnabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

In einem ersten Schritt hat die Bank ein Kreditportfolio von 263 Schiffen an einen Investor verkauft – nach HAZ-Informationen handelt es sich dabei um den Finanzinvestor Cerberus, der zusammen mit der Private-Equity-Gesellschaft Centerbridge auch ein Angebot für eine Beteiligung an der Nord/LB vorgelegt hatte. Die Ausfallquote dieser Kredite im Volumen von rund 2,7 Milliarden Euro liege bei rund 90 Prozent, teilte die Bank mit. Über die Konditionen des Verkaufs sei Stillschweigen vereinbart.

Aufgrund des für 2018 ausgewiesenen Rekordverlustes schrumpft die harte Kernkapitalquote der Nord/LB auf 6 bis 6,5 Prozent – das ist vereinfacht gesagt das prozentuale Verhältnis zwischen dem Eigenkapital einer Bank und den Kreditrisiken, also eine Art Risikopuffer. Beim letzten Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht hatte die Landesbank unter den deutschen Instituten in diesem Punkt bereits am schlechtesten abgeschnitten. Die Nord/LB werde die von der Aufsicht geforderte Kernkapitalquote von mindestens 8 Prozent zeitweise unterschreiten, teilte die Bank mit. Die Behörde werde in den nächsten Wochen einen „konkreten Kapitalplan“ anfordern.

Um die Lücke zu stopfen, wollen die Träger der Nord/LB frisches Geld zur Verfügung stellen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband bringt dafür insgesamt 1,2 Milliarden Euro auf , das Land Niedersachsen hat 1,5 Milliarden Euro „cash“ zugesagt, das direkt an die Bank gehen soll – darüber hinaus ist noch eine Milliarde Euro für nicht näher bezifferte Garantien vorgesehen. Es gehe hier allgemein um die Absicherung des Kreditportfolios, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Das Land will das Geld für die Nord/LB über die Beteiligungsgesellschaft HannBG aufbringen, es soll kein Steuergeld fließen.

Die Bank und ihre Träger streben für die Nord/LB eine harte Kernkapitalquote von 14 Prozent an. Die Bilanzsumme der Bank von zuletzt 155 Milliarden Euro soll mindestens um ein Drittel sinken, auch eine Halbierung sei denkbar, hieß es. Das hängt auch von den Auflagen der EU-Kommission ab, die die Kapitalzufuhr mit Blick auf die Beihilferichtlinien prüfen wird.

Unklar ist, auf welchen Weg die noch im Portfolio der Nord/LB befindlichen faulen Schiffskredite abgebaut werden sollen. Ursprünglich wollte die Bank die Altlasten in zwei Tranchen verkaufen, nun soll das zweite Paket im Volumen von 3,9 Milliarden Euro vorerst bei der Bank verbleiben. Die Käufer der Schiffskredite setzen darauf, dass die mit einem Rabatt erworbenen Darlehen bei einer Erholung der Schifffahrtsbranche wieder bedient werden und somit eine gute Rendite abwerfen. Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU), der auch der Aufsichtsratschef der Nord/LB ist, hat für die Abwicklung der verbliebenen Schiffskredite die Gründung einer „Abbaubank“ als Option genannt. Eine schonendere Abwicklung als der Verkauf im Paket mit hohen Abschlägen könnte den Abschreibungsbedarf verringern, hieß es.

Dem Vernehmen nach erwartet die Bankenaufsicht bis Ende März belastbare Aussagen zur Neuausrichtung der Nord/LB. Vorstandschef Thomas Bürkle sieht die Bank auf einem guten Weg: „Mit der konsequenten Befreiung von Belastungen aus dem Altgeschäft und einer nachhaltigen Stärkung der Kapitalbasis werden wir die Nord/LB als eine fest in ihrer Heimatregion und in der Sparkassen-Organisation verwurzelte Bank (…) erhalten und stärken“.

Von Jens Heitmann

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