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Niedersachsen KVN will 50 Euro Eintritt für Notaufnahme
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen KVN will 50 Euro Eintritt für Notaufnahme
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20:28 10.07.2018
Gibt es bald eine Gebühr für den Besuch einer Notfallambulanz? Quelle: dpa
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Hannover

Um die Notfallambulanzen der Krankenhäuser zu entlasten, fordert die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) eine Eintrittsgebühr von 50 Euro pro Patient. „Das ist im Augenblick die Achillesferse der Versorgung“, sagte KVN-Vorstandschef Mark Barjenbruch im Interview mit der HAZ. „Wir müssen die Ströme der Patienten besser organisieren und leiten.“ Auch die Verbände in Hessen und Bremen sprechen sich für eine solche Gebühr aus. Ausnahmen soll es laut Barjenbruch für echte Notfälle geben, die von Ärzten bescheinigt werden.

Immer mehr Bagatellfälle in Ambulanzen

Die Notaufnahmen der Kliniken klagen über die Zunahme von Bagatellfällen. Insbesondere am Wochenende – aber auch, wenn unter der Woche die Arztpraxen geschlossen haben – kommen Patienten auch mit weniger akuten Beschwerden in die Notfallambulanzen. Nach einer Studie der Ersatzkassen steigen die Zahlen Jahr für Jahr – die Schätzungen belaufen sich inzwischen auf mehr als 20 Millionen Besuche bundesweit. Oft gehe es nur um Fieber, Husten und Heiserkeit, hieß es jüngst in der Notfallambulanz des Kinderkrankenhauses auf der Bult in Hannover: „90 Prozent der Kinder gehören hier nicht her.“

Kritik von Sozialministerin Reimann

Politiker und Kliniken lehnen ein Eintrittsgeld für Ambulanzen ab. „Ich halte nichts davon, dass Patienten vor Betreten der Notaufnahme künftig ein Eintrittsticket lösen müssen“, sagte die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann (SPD). Sinnvoller sei es, die Bevölkerung besser über den Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte zu informieren. Die niedersächsische Krankenhausgesellschaft setzt ebenfalls auf Aufklärung statt Abschreckung: „Für viele Bürger ist das Krankenhaus nun einmal die erste Idee“, sagte der stellvertretende Verbandsdirektor Marten Bielefeld.

Außerhalb der Öffnungszeiten von Praxen sollen sich Patienten mit akuten Beschwerden eigentlich zunächst an den Bereitschaftsdienst der KVN wenden. Doch die kostenlose Rufnummer 116 117 sei noch zu wenig bekannt, räumte KVN-Chef Barjenbruch ein. „Unser Anliegen ist es deshalb, die Nummer stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen.“ Für nächstes Jahr sei von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auch eine Notfall-App für Smartphones geplant.

Droht soziale Schieflage?

Patientenvertreter wenden sich generell gegen einen Eintritt für Notfallambulanzen. „Mit einer solchen Zwangsgebühr werden lediglich die Symptome bekämpft und nicht die Ursachen“, hieß es beim Sozialverband Deutschland. Während die ambulante Versorgung in einer Großstadt wie Hannover gut ausgestattet sei, bleibe Patienten in ländlichen Gegenden bei akuten Schmerzen oft keine andere Möglichkeit als in die Notaufnahme zu gehen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt mit Blick auf die Eintrittsgebühr vor einer sozialen Schieflage. „Niemand setzt sich freiwillig stundenlang in eine Notfallaufnahme, wenn er kein ernsthaftes Problem hat“, sagte der stellvertretende Abteilungsleiter für Sozialpolitik, Joachim Rock. Für einkommensschwache Patienten bedeute ein Betrag von 50 Euro eine hohe Hürde.

Von Jens Heitmann

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