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Niedersachsen Otto Group wandelt sich zur Start-up-Schmiede
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Otto Group wandelt sich zur Start-up-Schmiede
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00:46 19.05.2018
„Wir sind Trendsetter“: Otto-Chef Alexander Birken. Quelle: dpa
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Hamburg

Nach einem Jahr mit starkem Gewinn will die Otto Group mit Hilfe von Start-ups ihre gute Position im Online-Handel weiter stärken. „Das Thema Digitalisierung wird in Deutschland unterschätzt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Alexander Birken am Mittwoch in Hamburg. 

Otto sei bereits an rund 250 Startup-Unternehmen beteiligt und erhalte so Zugang zu neuen Ideen und Technologien. Beispielhaft für ein erfolgreiches Projekt sei die Tochtergesellschaft About You, die im vergangenen Geschäftsjahr ihren Umsatz auf 283 Millionen Euro mehr als verdoppelt hat. Der Online-Händler für Mode hat sich über Deutschland hinaus nach Österreich, in die Schweiz und den Benelux-Raum ausgebreitet und nimmt Osteuropa ins Visier. 

„Wir wollen aus About You ein Milliardenunternehmen machen und es in drei oder vier Jahren an die Börse bringen“, sagte Finanzchefin Petra Scharner-Wolff – eine Kampfansage an Konkurrenten wie Zalando und Amazon.

André Schürrle modelt

About You richtet sich an junge Kunden und setzt im Vergleich zu anderen Händlern stärker auf Personalisierung: Nutzer geben ihre Stilrichtung an und erhalten dazu passende Angebote. Außerdem spielen „Influencer“ eine große Rolle. Prominente wie der Fußballer André Schürrle präsentieren im Online-Shop ihre Outfits. Otto öffnet About You auch als Verkaufsplattform für andere Händler: „Die Öffnung des Öko-Systems für Partner lässt sich monetarisieren“, sagte Birken.

Zu den weiteren Start-ups im Otto-Universum gehört zum Beispiel „Risk Ident“. Die Firma decke durch künstliche Intelligenz betrügerische Aktivitäten bei Bestellprozessen auf, wirbt Otto. 2017 habe sie „Transaktionen im zweistelligen Milliardenbereich“ abgesichert. Das Start-up „Border Guru“ bietet Firmen Logistik-Lösungen für den grenzüberschreitenden Handel.

Programmierer gesucht

 Das Wachstum der Gruppe macht sich auch bei der Beschäftigung bemerkbar: Die Zahl der Vollzeit-Stellen nahm weltweit um rund 2000 auf 51 800 zu, davon 1500 auf 28 100 in Deutschland. Diese Entwicklung sei ebenfalls stark technologiegetrieben; eingestellt würden vor allem Programmierer, Web-Designer, Data-Experten und andere IT-Berufe. Allein für die Webseite der deutschen Tochter Otto.de arbeiten 300 Spezialisten. 

 Die Otto Group ist nach Amazon der größte Online-Händler in Deutschland und gehört auch international zur Spitzengruppe. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte sich das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um knapp elf Prozent auf 405 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss stieg von 41 Millionen auf 519 Millionen Euro. „Damit haben wir eine gute Grundlage für weitere Investitionen sowie ein langfristig profitables Wachstum geschaffen“, sagte Birken. Im laufenden Jahr sei mit einem Umsatzwachstum von rund fünf Prozent zu rechnen. Bis 2022 will die Otto Group einen Umsatz von 17 Milliarden Euro erreichen. 

Dickes Umsatzplus

 Otto hatte zuvor bereits veröffentlicht, dass der Konzern seine Umsätze auf vergleichbarer Basis um annähernd sieben Prozent auf fast 13,7 Milliarden Euro gesteigert hat. Besonders stark wuchs der digitale Handel mit einem Umsatzplus von knapp elf Prozent auf 7,9 Milliarden Euro.

Ein absoluter Schlüsselfaktor für die digitale Transformation sei die Kultur eines Unternehmens. „Wir werden da als eine Art Trendsetter gesehen“, sagte Birken. Allein 50 Unternehmen hätten Otto um Rat gebeten, wie ein Kulturwandel umgesetzt werden könne. 

Von Eckart Gienke und Christian Wölbert

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