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Niedersachsen Was das Ende von Dawanda für die Händler bedeutet
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12:15 11.07.2018
Die hannoversche Modedesignerin Maria Nickel setzt nach dem Dawanda-Aus auf ihren eigenen Online-Shop und ein Ladengeschäft Quelle: NoniNo-Kids
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Hannover

Die Nachricht vom Aus von Dawanda schlug hohe Wellen: Der Online-Marktplatz für handgemachte Produkte schließt schon Ende August, die Webseite geht offline, über 100 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Der Umsatz sei nicht mehr im erforderlichen Maß gewachsen, begründete Gründerin und Chefin Claudia Helming ihre Entscheidung.

Betroffen sind aber auch über 70.000 Kreative und Designer, die auf Dawanda verkaufen. Sie müssen sich nun überlegen, wo und sie sie ihre Produkte künftig vertreiben. Für viele war Dawanda der wichtigste oder gar der einzige Absatzkanal. Die HAZ hat drei Verkäuferinnen aus Hannover gefragt, was das Aus der Plattform für sie bedeutet und wie sie darauf reagieren:

Die Designerin Maria Nickel entwirft und produziert mit ihrem Label NoniNo-Kids Kleidung für Kinder:

„Auf Dawanda habe ich meine Umsätze Jahr für Jahr verdoppelt. Seit Herbst 2017 ging es allerdings wieder bergab. Man hat gemerkt, dass Dawanda nicht mehr so viele Nutzer auf seine Webseite zieht. Trotzdem war ich schockiert, als ich die Nachricht erhalten habe, dass die Plattform schließt.

Das Ende von Dawanda bedroht meine Selbständigkeit. Ich habe zwar schon seit April einen eigenen Online-Shop und verkaufe meine Kinderkleidung auch in einem Ladengeschäft. Aber mit Dawanda verliere ich verlässliche Umsätze und einen wichtigen Werbekanal. Ich muss jetzt wieder extrem viel ins Marketing investieren.

Der Wechsel zur Plattform Etsy, die aus den USA stammt, ist für viele ein Hoffnungsschimmer, aber ich glaube nicht, dass das funktioniert. Etsy ist so groß und so international, dass man kaum noch zufällig gefunden wird. Die Entscheidung von Dawanda kommt mir vor wie ein Kurzschlussreaktion. Wären Sie an die Öffentlichkeit gegangen, hätten sie vielleicht einen neuen Investor gefunden. Aus meiner Sicht sind die Existenzen der Verkäufer zu stark in den Hintergrund gerückt.“

Katharina Pasternak-Schwarzer gestaltet Schmuck:

„Ich finde es sehr schade, dass Dawanda nun geschlossen wird. Am Anfang lief das Portal sehr gut, ich habe dort viele Kunden gewonnen. Nachdem Dawanda auch Händler aus Nicht-EU-Ländern aufgenommen hat, gingen die Verkäufe aber wieder zurück. Seit Bekanntwerden der Schließung bekomme ich fast täglich Anfragen für mein Ladengeschäft. Viele möchten jetzt bei „Fach an Fach“ in Hannover ihre Ware verkaufen.“

Die Kommunikationsdesignerin Vanessa Lekkos bietet mit ihrer Marke Lilalaunedesign Papeterie, zum Beispiel für Hochzeiten:

„Ich habe seit sechs Jahren sehr erfolgreich auf Dawanda verkauft. In den letzten zwei Jahren gingen die Umsätze aber zurück, die Gebühren stiegen an, so dass der Gewinn nicht mehr derselbe war wie früher.

Daher hatte ich bereits meinen eigenen Shop erstellt und auch einen bei Etsy eingerichtet. Dieser lief bis jetzt nicht so gut wie der bei Dawanda – aber das kann ja jetzt werden, wenn auch alle oder zumindest viele Käufer zu Etsy wechseln. Ich sehe aber keine Zukunft darin, auch außerhalb von Deutschland zu verkaufen, da die Versandkosten für die meisten Kunden zu hoch sind.

Dawanda bietet den Wechsel zu Etsy an, sodass ich meine 476 positiven Bewertungen mit hinüber nehmen konnte. Die Anzahl der bei Dawanda verkauften Produkte wird bei Etsy allerdings nicht angezeigt.“

Von Christian Wölbert

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