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Pflegedienste fordern mehr Geld

Ambulante Pflege Pflegedienste fordern mehr Geld

Nach Angaben der Pflegedienste reichen die Zahlungen der Pflegekassen nicht aus, um die Kosten für die Betreuung der Patienten zu decken. Die Folge sei auch die Verdichtung der Arbeit, die den Beruf zunehmend unattraktiv mache. Mit einem neuen Kalkulationsschema wollen die Pflegedienste jetzt nachweisen, dass sie besser bezahlt werden müssen.

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Quelle: Foto: epd

Hannover. Die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, die Diakonie und gemeindliche Sozialstationen in Niedersachsen dringen auf eine bessere Bezahlung der ambulanten Pflege. Die Anpassung der derzeit nicht auskömmlichen Vergütung an die realen Kosten sei die Voraussetzung für eine angemessene Bezahlung der Mitarbeiter, erklärten die Verbände am Donnerstag in Hannover. „Wir möchten endlich den Teufelskreis der Unterfinanzierung der ambulanten Pflege durchbrechen“, sagte der Vorstandssprecher der Diakonie Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke.

Beruf hat schlechtes Image

Erst vor Kurzem hatte Sozialministerin Carola Reimann vor Engpässen in der Pflege gewarnt. Laut den aktuellsten Daten von 2013 arbeiten in Niedersachsen rund 112 000 Menschen in Pflegeberufen, sie betreuen 288 000 Patienten. Wegen der Alterung der Gesellschaft wird diese Zahl Prognosen zufolge bis 2030 um knapp ein Drittel auf 380 000 steigen. In der Pflege könnten dann bis zu 52 000 Fachkräfte fehlen, befürchtet die Ministerin.

Verantwortlich dafür seien auch das schlechte Image des Berufs und die unzureichende Bezahlung, sagte Volker Wagner, Geschäftsführer der Diakoniestation Harz-Heide aus Braunschweig. Wer in der Pflege arbeiten wolle, habe die Wahl zwischen Kliniken, Altenheimen und ambulanten Diensten – die ersten beiden Einrichtungen seien inzwischen auch wegen der besseren Bezahlung für viele attraktiver. „Wir sind die Letzten, die Personal bekommen“, sagte Wagner.

Die vier Verbände vertreten die Überzeugung, dass Pflegekräfte nach einem Flächentarifvertrag zu bezahlen sind. Eine solche Entlohnung sei aber nur möglich, wenn die Dienste ihre Kosten decken könnten, sagte der Vorstandschef des AWO-Bezirksverbands Braunschweig, Rifat Fersahoglu-Weber. Das sei aber oft nicht der Fall: Die durchschnittliche Fahrtdauer zwischen zwei Pflegebedürftigen betrage beispielsweise sechs Minuten – bei einem Stundensatz von 48 Euro müsste man dafür also 4,80 Euro fordern. Als Wegepauschale abrechenbar seien aktuell aber nur 3,90 Euro. Bei den Pflegeleistungen liege das Defizit im Schnitt bei 10 Prozent, hieß es.

Auf der Basis eines neuen, gemeinsamen Kalkulationsmodells wollen die Verbände jetzt Druck auf  die Kostenträger, also die zuständigen Pflege- und Krankenkassen, ausüben. Man sei endlich  in der Lage, die eigenen Kosten konkret nachzuweisen, sagte Caritas-Sprecher Achim Eng: „Uns geht es um einen Paradigmenwechsel.“ Nach Änderungen in der Gesetzgebung dürfe die tarifliche Bezahlung der Mitarbeiter in der Pflege nicht mehr als unwirtschaftlich abgelehnt werden. Bei der privaten Konkurrenz beobachtet man den Vorstoß der Verbände in Niedersachsen wohlwollend. Die Forderungen könnten ein „Türöffner“ sein, hieß es beim Bundesverband privater Anbieter (BPA), der rund 60 Prozent der Pflegedienste vertritt. 

,,Attraktive Angebote nötig“

Die AOK Niedersachsen als größte Pflegekasse im Land begrüßt die Initiative grundsätzlich. Eine fundierte Darstellung der tatsächlich entstehenden Kosten könne eine Basis für Vergütungsverhandlungen sein, sagte Vorstandschef Jürgen Peter: „Mehr Geld allein wird das Problem aber nicht lösen.“ Es gehe auch um attraktivere Rahmenbedingungen wie attraktive Arbeitszeitmodelle, verlässliche Dienstpläne und Qualifizierungsangebote.

Von Jens Heitmann

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