Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Der Tempomacher
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Der Tempomacher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 13.02.2016
Von Lars Ruzic
Ex-FDP-Chef Philipp Rösler. Quelle: Maurizio Gambarini
Anzeige
Hannover

Philipp Rösler ist ein Mann der Schnelligkeit. Er denkt schnell, redet schnell, handelt schnell. Gerade hat er auf dem Weltwirtschaftsforum im Davos wieder davon profitiert - als es darum ging, fast 50 Staats- und Regierungschefs zu "steuern", ohne dass sie es merken. Die Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen, koste "unheimlich viel Zeit", räumt er ein. Die kann schnell vergeudet sein, wenn man auf dem Podium in den Schweizer Alpen die Betreffenden dann falsch positioniert oder ihnen die Abfolge der Redebeiträge missfällt.

Schnelligkeit ist derzeit auch Röslers wichtigstes Thema, wenn es um die Entwicklung der Wirtschaft geht. Und es bestimmte auch seinen Auftritt vor giut 200 Gästen bei den "Niedersächsischen Wirtschaftsgesprächen" der Unternehmerverbände am Mittwoch in Hannover. Das Davoser Forum, das der frühere niedersächsische Wirtschaftsminister und Vizekanzler mit organisiert, hat sich zu großen Teilen damit beschäftigt. "Früher haben sich Anpassungen in der Wirtschaft immer in Generationen abgespielt", sagt der einstige FDP-Chef. "Inzwischen erleben die Menschen innerhalb eines Berufslebens gleich mehrere einschneidende Änderungen."

Die Digitalisierung aller Branchen habe die Veränderungsgeschwindigkeit dramatisch steigen lassen, sagt Rösler. Noch stritten sich Taxiunternehmer weltweit mit dem Fahrtenvermittler Uber über die Zukunft des Gewerbes, da mache sich schon die Technologie selbstfahrender Autos daran, sowohl Uber als auch die Taxis überflüssig zu machen. Sowohl wirtschaftliche als auch politische Entscheidungsprozesse hätten sich dem digitalen Tempo jedoch noch nicht angepasst.

Rösler gehört seit 2014 zum Vorstand des "World Economic Forum", jener von Klaus Schwab 1971 gegründeten Luxus-Organisation, bei der Unternehmen nur ab einem Jahresumsatz von 5 Milliarden Euro Mitglied werden können. Erst vor gut drei Wochen hatte das WEF, das wie das Olympische Komitee und das Rote Kreuz in der Schweiz den Status einer internationalen Organisation genießt, wieder nach Davos geladen - und neben vielen Politikern auch 900 Vorstandschefs angezogen.

Das dominierende Thema neben der Digitalisierung waren die Flüchtlingsströme, mit deren Bewältigung Europa und vor allem Deutschland derzeit kämpft. In Davos sei jedoch auch deutlich geworden, wie groß gerade die Lasten seien, die direkte Nachbarn des vom Bürgerkrieg geplagten Syrien zu tragen hätten, sagt der 42-Jährige. "Die Türkei, der Libanon oder Jordanien stehen vor viel größeren Herausforderungen." Dort seien Millionen Menschen gestrandet, ohne eine Perspektive zu haben.

Auch deshalb unterstützt der Hannoveraner, der inzwischen in Genf lebt, eine Initiative Jordaniens, das für Sonderwirtschaftszonen in den syrischen Nachbarländern plädiert. Damit könnten vom Krieg vergraulte Unternehmen wieder in die Region zurückgeholt und den Menschen Arbeit gegeben werden. Der frühere britische Premier Gordon Brown präsentierte zudem die Idee eines Bildungsfonds, der Unterricht für eine Million Kinder finanzieren soll, die in den Regionen derzeit ohne Schule sind. Das alles seien kluge Ansätze, vor Ort zu helfen, so Rösler. Sie brauchten aber die nötigen Finanzhilfen aus dem Westen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Continental-Konzern plant ein neues Milliardenprojekt in den USA. In der Nähe von Mississippis Hauptstadt Jackson haben die Hannoveraner ein 400 Hektar großes Grundstück erworben, auf dem eine Reifenfabrik entstehen soll. Das Gelände ist achtmal so groß wie der Standort in Hannover-Stöcken.

Lars Ruzic 13.02.2016

Landesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften sorgen sich um die Zukunft der 10.000 Arbeitsplätze in der niedersächsischen Stahlindustrie. In einer gemeinsamen Erklärung, die am Montag in Hannover unterzeichnet wurde, ruft das Bündnis die Europäische Union gegen Billigimporte aus China zu Hilfe.

Carola Böse-Fischer 11.02.2016
Niedersachsen Anleihenkurse abgestürzt - Holzpellet-Imperium in der Krise

Am Markt der erneuerbaren Energien zeichnet sich erneut ein Krisenfall ab, der viele Geldanleger treffen kann. Die German Pellets GmbH steckt in ernsten Finanznöten - die Anleihenkurse an der Börse sind abgestürzt.

Albrecht Scheuermann 09.02.2016
Anzeige