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Niedersachsen Testprobleme: VW muss Autos in Hannover zwischenparken
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Testprobleme: VW muss Autos in Hannover zwischenparken
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00:18 25.07.2018
„Die Mannschaft arbeitet schon länger unter Hochdruck“: Der Autobauer – hier ein Archivbild vom Autoterminal neben dem Emder VW-Werk – kommt mit den neuen Messverfahren nicht hinterher. Quelle: Foto: dpa
Wolfsburg/Hannover

Der genaue Zeitpunkt könne je nach Produktionsstandort unterschiedlich ausfallen, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Für die Zwischenlagerung seien sowohl offene Flächen als auch Parkhäuser angemietet worden.

Bereits entschieden sei, produzierte, aber noch nicht nach dem WLTP-Standard zugelassene Fahrzeuge auf dem konzerneigenen Testgelände in Ehra-Lessien bei Wolfsburg vorübergehend zu parken. Außerdem gebe es zusätzliche Flächen im VW-Werk Emden und im Emdener Gewerbepark Frisia. Darüber hinaus stellt Volkswagen auf dem Gelände des Flughafens und der Deutschen Messe in Hannover Autos ab. Weitere Flächen gebe es im Werk Ingolstadt und in Frankfurt Höchst.

Zuvor war bekanntgeworden, dass Volkswagen auch den noch nicht eröffneten Berliner Pannenflughafen BER nutzen will. Dies sei aber nur einer von mehreren möglichen Standorten, sagte der Sprecher. Derzeit liefen Gespräche, eine Entscheidung stehe noch aus. Allerdings sollten die Autos nicht auf dem Flugfeld zwischengelagert werden, vielmehr gehe es um reguläre Flächen in den Parkhäusern, sagte ein Flughafensprecher. Ein Parkhaus sei bereits in Betrieb, von insgesamt 12 000 Stellplätzen seien etwa 10 000 frei. Der BER soll erst 2020 in Betrieb gehen - mit neun Jahren Verspätung.

Der neue europaweite WLTP-Standard („Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure“) ist ein Messverfahren für Abgastests bei Autos, das für realistischere Werte sorgen soll. Die Untersuchungen sind gründlicher und dauern länger als im bisherigen Verfahren NEFZ. Vom 1. September an dürfen nur noch Neuwagen zugelassen werden, die das WLTP-Verfahren durchlaufen haben. Für die Hersteller bedeutet das, dass sie selbst Modelle, die schon auf dem Markt sind, nochmals unter verschärften Bedingungen zertifizieren lassen müssen. Das gilt auch für die in manchen Fällen zahlreichen Varianten eines Modells.

Konzernweit könne es durch die Umstellung zu Lieferverzögerungen bei 200 000 bis 250 000 Fahrzeugen kommen, sagte der VW-Sprecher. Die mögliche Folge: Nach einem Rekordabsatz in den ersten sechs Monaten erwartet der Konzern im zweiten Halbjahr eine Durststrecke und Auswirkungen auf die Auslieferungen. „Einige Fahrzeuge werden wir vermutlich später als geplant an Kunden übergeben“, erklärte Konzern-Vertriebschef Fred Kappler.

Damit nicht genug: Am VW-Stammsitz Wolfsburg hält der Konzern nach den Werksferien tageweise die Bänder an - geplant ist, dass die Produktion bis Ende September wöchentlich ein bis zwei Tage stillstehen soll. Im Werk Zwickau sind für das dritte Quartal teils vereinzelte Schließtage angesetzt, teils entfallen Schichten. Die VW-Tochter Porsche hatte angekündigt, dass es zu Einschränkungen beim Neuwagen-Angebot kommen wird. Daimler hatte die Gewinnprognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert.

Die Hersteller hatten immer wieder zu kurze Übergangsfristen bei der WLTP-Umstellung beklagt. Volkswagen hat außerdem Software-Updates der vom Abgasskandal betroffenen Autos vorantreiben müssen.

„Volkswagen musste wegen „Dieselgate“ in den vergangenen zweieinhalb Jahren eine unfassbar hohe Zahl von Überprüfungen vorhandener Dieselmotoren vornehmen“, erklärte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt. Dabei gehe es um hochspezielle Tätigkeiten, für die nicht unbegrenzt viele Fachkräfte zur Verfügung stünden. „Die VW-Mannschaft arbeitet also schon längere Zeit unter Höchstdruck. Und das sind exakt dieselben Menschen, die auch die Voraussetzungen dafür schaffen müssen, dass man bei den WLTP-Tests alle Anforderungen erfüllt“, betonte der SPD-Politiker.

Weit mehr als 200 000 Kunden haben inzwischen die Umweltprämien der deutschen Autobauer zum Umstieg von einem alten Diesel auf ein saubereres Fahrzeug in Anspruch genommen.

Der VW-Konzern teilte mit, mittlerweile hätten in der Firmengruppe mehr als 210 000 alte Dieselwagen aus dem Verkehr gezogen werden können, weil Kunden von der Prämie Gebrauch machten. Voraussetzung war, dass das alte Auto verschrottet oder anderweitig „verwertet“ wurde.

Bei Daimler wurde die Umtauschprämie nach Konzernangaben bisher von etwa 25 000 Kunden der Kernmarke Mercedes-Benz und der Kleinwagentochter Smart angenommen. BMW, Ford Deutschland und Opel nannten keine detaillierten Zahlen.

Während das Angebot bei VW Ende Juni ausgelaufen ist, haben BMW und Daimler die Dieselprämie bis Ende Dezember verlängert.

Von Thomas Strünkelnberg und Heiko Randermann

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