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Niedersachsen Projekt macht Flüchtlinge fit für Azubi-Stelle
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Projekt macht Flüchtlinge fit für Azubi-Stelle
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14:40 19.10.2015
Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) mit dem Karosseriebau-Auszubildenden Mohsen Rezaie. Quelle: dpa
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Garbsen

In einem bundesweit einmaligen Projekt wollen die niedersächsischen Handwerkskammern im kommenden Jahr 555 Flüchtlinge und Asylbewerber in Ausbildung bringen. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) gab am Montag in Garbsen bei Hannover den Startschuss dafür. „Das ist am Ende eine Win-Win-Situation, so ist unsere Hoffnung“, betonte er. „Um Wohlstand und Wachstum in unserem Land zu halten, brauchen wir diese Menschen.“ Sie könnten dazu beitragen, den Nachwuchs im Handwerk zu sichern. Die Gesamtkosten für das Modellprojekt liegen bei rund zwei Millionen Euro.

Das Wirtschaftsministerium in Hannover steuert davon rund 1,1 Millionen Euro bei. Den Rest teilen sich die Bundesagentur für Arbeit, die sechs Handwerkskammern und die Landkreise. Um Bewerber zu finden, wollen die Kammern eng mit den Organisationen der Flüchtlingsbetreuung zusammenarbeiten - mit Anbietern von Sprachkursen und Selbsthilfe-Organisationen ebenso wie mit Kirchen, Sozialverbänden oder Moschee-Gemeinden.

Angesichts des demografischen Wandel stehe Deutschland vor einer enormen Herausforderung, erläuterte Lies. 2013 gab es nach seinen Angaben noch 49 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter - 2035 seien es nur noch 42 Millionen. Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, erfordere allerdings große Anstrengungen. „Nicht alle, die kommen, sind schon morgen qualifiziert, um in eine Ausbildung zu gehen.“ In ersten Erhebungen hätten weniger als 15 Prozent einen formalen Berufsabschluss angegeben. Viele brächten aber Talente und Motivation mit. „Wir brauchen einen langen Atem.“

Projekt läuft bis 2017

Die Kompetenzen der Flüchtlinge sollen in einem mehrwöchigen Verfahren festgestellt werden, zu dem auch Praktika gehören, sagte Niedersachsens Handwerkspräsident Peter Voss. Dann müssten geeignete Betriebe gefunden werden, die sich zu einem Netzwerk zusammenschließen sollen. Voss verwies darauf, dass viele Betriebe bereits gute Erfahrungen mit motivierten Flüchtlingen gemacht hätten. Es gelte jetzt, die Chancen zu nutzen, die mit der Zuwanderung verbunden seien.

Das Modellprojekt ist zunächst bis Januar 2017 befristet. Es soll nach Möglichkeit fortgeführt und ausgebaut werden. Klaus Stietenroth von der Bundesagentur für Arbeit sagte, 75 Prozent der Asylsuchenden seien jünger als 35 Jahre. „Es geht nicht um die Fachkräfte von morgen, sondern von übermorgen.“ Besondere Chance bestehen in der Sanitär- und Heizungsbranche sowie im Bäckerei- und im Friseur-Handwerk, erläuterte Isabella Wolter von der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, die das Projekt landesweit koordiniert. „In erster Linie wollen wir jedoch schauen, was die Menschen von sich aus mitbringen.“

dpa/epd

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