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Droht bei VW auch in Wolfsburg Kurzarbeit?

Rechtsstreit mit Zulieferer Droht bei VW auch in Wolfsburg Kurzarbeit?

Für das Werk in Emden musste VW schon Kurzarbeit beantragen, dies droht nun auch im Stammwerk in Wolfsburg sowie im Getriebewerk Kassel: Hintergrund ist ein Rechtsstreit mit einem Zulieferer, der keine Teile mehr liefert. Es geht um Textilstoffe und Leder für das Fahrzeuginnere.

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Quelle: Peter Endig/dpa (Symbolbild)

Wolfsburg. Beim Autobauer Volkswagen sorgen fehlende Teile eines Zulieferers für immer mehr Engpässe in der Produktion. Betroffen sind nach der VW-Fabrik in Emden nun auch das Stammwerk Wolfsburg sowie das Getriebewerk in Kassel. Hintergrund ist ein Rechtsstreit mit einem Zulieferer-Konzern. Worum es dabei genau geht, ist aber unklar.

In Kassel versorgt der Zulieferer das Werk nicht mehr mit benötigten Getriebeteilen für Automatikgetriebe, wie ein VW-Sprecher am Mittwoch sagte. Er bestätigte damit einen NDR-Bericht. In Kassel werde eine "Flexibilisierung der Arbeitszeit" geprüft. Die fehlenden Teile könnten Auswirkungen auf viele Modellfamilien sowie Standorte haben, die mit Automatikgetrieben aus Kassel beliefert werden. Kassel ist das größte Getriebewerk des Konzerns.

Im Emder Passat-Werk sollen 7200 Werker in Kurzarbeit gehen, wie VW bereits angekündigt hatte. Nun prüft VW auch "für Teilbereiche der Produktion am Standort Wolfsburg Flexibilisierungen der Arbeitszeit". Dies ist auch für Kassel der Fall. Damit ist in der Regel das Nutzen von Zeitkonten gemeint oder aber - wie in Emden - möglicherweise auch das Beantragen von Kurzarbeit.

Details zu diesen anstehenden "Flexibilisierungen" waren am Mittwoch zunächst ebenso unklar wie Angaben zur betroffenen Mitarbeiterzahl, den Automodellen oder zur vermuteten Dauer der Engpässe. Da aber nur von "Teilbereichen" die Rede war, scheint das Problem in Wolfsburg auf einzelne Montagelinien begrenzt - anders als das in Emden der Fall ist. Wolfsburg produziert den Golf, den Tiguan und den Touran.

Lieferanten aus Sachsen

Der Autobauer erklärte zur Lage: "Ein Lieferant von Volkswagen hat die vertraglich vereinbarte Belieferung mit Bauteilen ausgesetzt. Dies führt zu einem Engpass in der Produktion." VW habe zwar eine einstweilige Verfügung erwirkt, die den Lieferanten zum Neustart der Belieferung verpflichte. "Dieser Verpflichtung ist er [aber] bisher nicht nachgekommen. Da die weitere Entwicklung derzeit nicht absehbar ist, prüfen wir für Teilbereiche der Produktion am Standort Wolfsburg Flexibilisierungen der Arbeitszeit", teilte der Sprecher mit.

Hintergrund der Querelen, die Europas größten Autobauer empfindlich beeinflussen, ist ein Rechtsstreit mit einem Zulieferer. Dabei geht es einerseits um eine GmbH aus Plauen in Sachsen, die Textil und Leder fürs Fahrzeuginnere zuliefert - etwa Sitzbezüge. Andererseits geht es auch um einen Gussexperten, ebenfalls aus Sachsen, der für Autogetriebe zuliefert. Auch diese zweite GmbH steht unter dem Dach einer Unternehmensgruppe mit Zentrale in Wolfsburg. Vonseiten dieser Zulieferer war am Mittwoch zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Für VW ist es kein Machtpoker

Die Probleme mit den Sitzbezügen trafen und lähmten schließlich die Fabrik in Emden. Nun fehlen die gegossenen Teile für die Getriebe desjenigen Zulieferers, der unter demselben Mutterkonzern zählt.

Ein Sprecher des Landgerichts Braunschweig erläuterte am Mittwoch auf Anfrage, dass die einstweilige Verfügung gegen den Zulieferer als Ergebnis einer mündlichen Verhandlung zustande kam. Damit sei eine Berufung vor dem Oberlandesgericht möglich, die Frist dafür liege bei einem Monat. VW habe vor Gericht glaubhaft gemacht, dass der Autobauer die Ansprüche habe. Daran hätten auch die Ausführungen des Zulieferers für dessen Gegenforderungen nichts zu ändern vermocht.

Welche Mittel wie etwa Vertragsstrafen VW nun noch in der Hand hat, war am Mittwoch nicht zu erfahren. Klar scheint, dass es sich seitens VW nicht um einen Machtpoker handeln dürfte - denn ein ganzes Werk oder womöglich bald weitere Teilbereiche in anderen Fabriken ruhen zu lassen, ist für den Autobauer eine kleine Katastrophe.

Auch der Betriebsrat ist verärgert

Andererseits zeigt die Situation, wie verletzlich die Autohersteller sind. VW hat eine im Branchenvergleich hohe eigene Fertigungstiefe, macht also relativ viel in Eigenregie. Dennoch: Ohne eine gut geölte Kette mit externen Partnern kommt das ganze Gebilde Autobau schnell in massive Schwierigkeiten. Das zeigt sich auch bei anderen Gelegenheiten, etwa wenn der Schienengüterverkehr streikt oder zentrale Zulieferer wie der Airbaghersteller Takata Qualitätsprobleme hat und sich Rückrufe von Autos so rasch in die Hunderttausende multiplizieren.

Die VW-Arbeitsnehmervertreter fanden deutliche Worte für die Lage. Betriebsrat Guido Mehlhop sagte: "Der Engpass beim Material ist mehr als ärgerlich. Vor allem, wenn man weiß, dass das Landgericht Braunschweig den Zulieferer bereits in der vergangenen Woche mit einer einstweiligen Verfügung dazu verpflichtet hat, die Teile vertragsgemäß zu liefern. Aus Sicht des Betriebsrates ist es völlig unverständlich, dass sich ein Unternehmen dem einfach widersetzt. Offenbar wird so versucht, auf dem Rücken der Belegschaft einen Wirtschaftskrimi zu inszenieren." Es müsse "schnellstmöglich" eine Lösung her. "Das wäre übrigens auch im Interesse der Beschäftigten des Zulieferers. Die sind letztlich ebenso von dem fragwürdigen Geschäftsgebaren der Firma betroffen wie die Kolleginnen und Kollegen bei Volkswagen", sagte Mehlhop.

dpa

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Streit mit Zulieferer

Der Konflikt mit einem Zulieferer zwingt Volkswagen dazu, die Golf-Produktion in Wolfsburg vorübergehend zu stoppen. Von Sonnabend an stehen die Bänder im Stammwerk voraussichtlich neun Tage lang still. In einer internen Mitteilung hat der Konzern die Mitarbeiter bereits darüber informiert, wie ein VW-Sprecher am Donnerstagabend bestätigte.

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