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„Ihr Diesel ist jetzt sauber“

VW-Rückrufaktion „Ihr Diesel ist jetzt sauber“

Der Rückruf bei VW soll für Kunden möglichst schnell und unkompliziert vonstattengehen. Alles hängt nun an den Autohäusern. Die ersten Amarok sind in Werkstätten eingetroffen und werden umgerüstet, nächste Woche rollen die ersten Passat an. Eine Reportage aus der Werkstatt.

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Jeder Handgriff muss sitzen: Waldemar Labisch und seine Kollegen haben nicht mehr als 30 Minuten Zeit für das Aufspielen der neuen Software. Fotos: Surrey (9)

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. „Nehmen Sie sich gern einen Kaffee“, sagt Mano Thies. „Oder auch drei oder vier.“ – „So lange wird es ja wohl hoffentlich nicht dauern“, entgegnet Holger Jakobs. Soll es nicht. Darf es nicht. Wird es nicht.

Und schon sind wir mitten drin im Diesel-Rückruf von Volkswagen. Unterschwellig sagt der Amarok-Fahrer, der an diesem Nachmittag seinen 2,0-Liter-Diesel ins hannoversche Autohaus Kahle bringt, dem Serviceberater damit, dass er diesen Termin ungefähr so dringend braucht wie sein Pick-up einen Heckspoiler. Und dass er vor allem eines will: schnell wieder weg.

Der Abgasskandal um VW trifft auch die Autobesitzer. Vor allem beim Warten in der Werkstatt.

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Hier treffen sich die Interessen. Allen Beteiligten ist daran gelegen, dass der Rückruf der bundesweit 2,5 Millionen mit Manipulationssoftware ausgestatteten VW-Diesel so schnell und schmerzfrei vonstattengeht wie möglich. Volkswagen, weil man den Kunden keinen Anlass für weiteren Ärger bieten und die Kosten für den Rückruf so klein wie möglich halten will. Und den Autohäusern, weil sie sich mit flinkem Service profilieren und die mit VW ausgehandelten Pauschalen einhalten wollen. 
30 Minuten – mehr Zeit darf das Aufspielen einer neuen Software für die Motorsteuerung nicht kosten. Der Konzern zahlt den Vertragswerkstätten dafür 
60 Euro, den üblichen Gewährleistungs-Verrechnungssatz.

„Je besser wir organisiert sind, desto mehr rechnet es sich“, sagt Torsten Pottratz, Serviceleiter bei Kahle. Für das Unternehmen ist das Zusatzgeschäft und logistische Herausforderung zugleich – vor allem, wenn der Rückruf erst richtig Fahrt aufnimmt. „Die paar Amarok waren nur ein Vorgeplänkel“, sagt Pottratz. Mit der ersten Welle von 2,0-Liter-Passat in der kommenden Woche beginnt die Bewährungsprobe erst.

Bei Kahle haben sie sich akribisch vorbereitet. Eine eigene Hotline soll schon die Terminfindung vereinfachen. Serviceberater Thies ist allein für die Betreuung von Rückruf-Kunden abgestellt. Wo eigentlich Neuwagen ausgeliefert werden, haben sie zwei Werkstattplätze eingerichtet, an denen nur „geflasht“, also die Software runderneuert werden soll. Anstelle der üblichen zwei übernimmt Kahle in diesem Jahr vier Auszubildende, um des Mehraufwands Herr zu werden. Den Rest der Mannschaft hat Pottratz vorsorglich auf Überstunden und Sonnabendschichten eingeschworen. Schließlich rechnet allein Kahle in diesem Jahr mit 3000 Rückruf-Kunden.

Damit die schon beim Parken keine Zeit verlieren, will das Autohaus im Nordwesten der Stadt stets Flächen freihalten. Selbst an einen Hofeinweiser habe man schon gedacht, berichtet der Servicechef. Kunden, die ihre Fahrzeuge nicht selbst bringen wollen, können einen Abhol- und Bringdienst buchen. Wer seinen Wagen lieber morgens abgeben und am Abend wieder mitnehmen will, kann auch einen Mietwagen buchen. Beide Angebote sind für alle vom Rückruf betroffenen Kunden kostenlos. VW zahlt den Händlern den Mehraufwand. Pottratz rechnet damit, dass das Mietwagen-Angebot rege angenommen wird. Den Fuhrpark hat er schon entsprechend aufstocken lassen. Auf die bei einer Wagenmiete üblichen Formalitäten werde man allerdings nicht verzichten können, gibt der Serviceleiter zu bedenken. Und die kosteten schließlich auch Zeit.

Der Amarok steht inzwischen bei Waldemar Labisch in der Werkstatt. Der Servicetechniker hat gerade ein Datenkabel an die Schnittstelle im Fußraum des Fahrers angeschlossen. Der Rest hat mit Mechanik nichts mehr zu tun. Labischs Laptop verbindet sich mit der Wolfsburger Zentrale. Erst durchläuft er einen Diagnosezyklus, anschließend wird die neue Software aufgespielt – alles mit diversen Sicherheitsabfragen, damit nichts schiefgeht. „Es ist nicht so, dass das nur mit einem Klick gehen würde“, sagt der Techniker. Nach wenigen Minuten meldet der Rechner: „Der Datenstand im Fahrzeug ist aktuell.“

Schnell noch den Fußraum ausgesaugt, Serviceberater Thies übernimmt Formulare und Schlüssel. Er meldet den erfolgreichen Rückruf an die Wolfsburger Zentrale, wo sie den Vollzug dem Kraftfahrt-Bundesamt gegenüber dokumentieren müssen.

Thies wiederum beeilt sich, zu seinem Amarok-Fahrer Jakobs zurückzukommen. Die Zeitvorgabe haben sie halbwegs eingehalten an diesem Nachmittag. „Ihr Diesel ist jetzt sauber“, sagt Thies bei der Schlüsselübergabe – und wirkt dabei fast erleichterter als der Kunde selbst.

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