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Niedersachsen Rossmann will weiblicher werden
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Rossmann will weiblicher werden
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00:15 22.12.2015
Von Lars Ruzic
„Die Märkte wurden als zu nüchtern, kalt und männlich wahrgenommen“: Geschäftsführer Raoul Roßmann. Quelle: dpa
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Burgwedel

„Die Vergleichbarkeit im Handel hat zugenommen“, sagte Geschäftsführer Raoul Roßmann der HAZ. „Wir müssen die Kunden deshalb emotionaler ansprechen.“ Nach und nach will der zweitgrößte deutsche Drogeriekonzern nach DM seine Filialen aufhübschen – ein gewaltiges Projekt angesichts von fast 2000 Läden allein in Deutschland. Bereits für das kommende Jahr seien gut 360 Projekte in Planung, sagte Vertriebschefin Monika Burzan. Es sei die „aufwendigste Modernisierung“, die das Unternehmen jemals in Angriff genommen habe. Für 2016 dürfte dies die Investitionen im Konzern über die Marke von 200 Millionen Euro heben. In Burgwedel rechnen sie damit, dass sich das Projekt fünf Jahre hinziehen könnte.

Dabei dürfte Rossmann längst nicht alle Läden auf das neue Konzept umstellen. Viele sind dafür zu klein. Die neue Ladeneinrichtung sieht unter anderem bis zu 50 Prozent breitere Wege, niedrigere, aber tiefere Regale, eine übersichtlichere Raumgestaltung mit klaren Rubriken sowie Entspannungsbereiche wie Spielecken oder Sofas vor. Rossmann-Eigenheiten wie der abgeschlossene Parfümerie-Tresen wurden abgeschafft. „Wir bieten mehr Ordnung und Orientierung“, betonte Burzan. Die neuen Regale müssten seltener nachgefüllt werden. „Davon profitieren sowohl unsere Mitarbeiter als auch unsere Kunden.“

Gleichzeitig will der Konzern in den Läden durch die Zusatzfarbe Taupe – eine Art Graubraun – wegkommen vom Zahnklinik-Charme. „Die Märkte wurden als zu nüchtern, kalt und männlich wahrgenommen“, räumte Roßmann ein. Wohl auch deshalb liegen die Burgwedeler bei Erhebungen zur Kundenzufriedenheit regelmäßig hinter DM. Beim jüngsten „Kundenmonitor“ landete der Marktführer auch bei der „Globalzufriedenheit“ auf Platz eins, während Rossmann sich mit Rang vier zufriedengeben musste. Regelmäßig haben die Kunden bei DM das „Einkaufserlebnis“ hervor. Rossmann stand über Jahrzehnte für niedrige Preise und konkurrenzlose Aktionsangebote – für behagliche Einkaufsatmosphäre jedoch weniger. Dass das Unternehmen seinen Filialen nun mehr Rouge auflegt, ist deshalb für Raoul Roßmann „eine wesentliche strategische Weichenstellung“.

Dazu gehört, dass sich der Erfinder des Drogerie-Discounters in den Läden wieder auf seine Wurzeln besinnen will. „Wir legen bei der Präsentation den Schwerpunkt wieder stärker auf das rein drogistische Sortiment“, sagte Roßmann, der seit etwa einem Jahr in der Geschäftsleitung für Einkauf und Marketing verantwortlich ist. „Zu viele Produktwelten lenken von dem ab, was wir eigentlich sind.“ Rossmann hatte zuletzt durch diverse Übernahmen Produkte ins Sortiment aufgenommen, die mit dem Kerngeschäft bestenfalls verwandt sind – etwa Büroartikel oder Spielzeug.

So trugen die Burgwedeler ihren Teil dazu bei, dass sich Super- und Drogeriemärkte immer weiter annähern. Edeka, Aldi und Co. verbreiterten im Gegenzug ihr Drogeriesortiment. Dies führte im Sommer zu einem heftigen Preiskampf.  Rossmann und DM wollen sich bei Drogerieartikeln von der Konkurrenz nichts vormachen lassen. Diesen Kompetenzschwerpunkt hebt Rossmann auch in der Ladengestaltung hervor. Die anderen Sortimente finden sich weiterhin in den Märkten – jedoch eher am Rand.

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