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Rübenpreise richten sich künftig nach Weltmarkt

Letzte Ernte mit Quote Rübenpreise richten sich künftig nach Weltmarkt

Ein letztes Mal können die Landwirte genau kalkulieren, wie viel ihre Zuckerrübenernte ihnen einbringen wird. Seit 1968 regelt eine Quote den Preis. Ab 2017 ist das anders. Dann bestimmt der Weltmarkt, wie viel die Ernte der Landwirte wert ist. 

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Ein Radlader schiebt am 01.10.2015 auf dem Rübenhof vom Werk der Nordzucker AG in Clauen im Landkreis Peine Zuckerrüben zusammen.

Quelle: Julian Stratenschulte

Braunschweig. Schon seit einigen Tagen steigt wieder weißer Rauch aus der Zuckerfabrik in Nordstemmen. Derzeit verarbeitet das im Jahr 1865 erbaute Werk im Landkreis Hildesheim noch übrig gebliebenen Dicksaft aus der vergangenen Rübenkampagne – von Mittwoch an liefern die Landwirte frische Ladungen. Nordstemmen ist im Nordzucker-Konzern unter anderem auf die Produktion von Raffinade und Puderzucker spezialisiert.

Für viele Autofahrer in der Region wird der Herbst wieder zu einer Geduldsprobe, wenn sie die vielen Trecker mit voll beladenen Anhängern nicht überholen können. Mancher Landwirt macht sich dieses Mal aber mit einem mulmigen Gefühl auf den Weg – es ist die letzte Saison, in der die europäische Zuckermarktordnung die Produktion über Mengenquoten und einen Mindestpreis für die Rüben regelt. Danach ist Schluss. Nach der Milchquote kippt mit der Quote für den Zucker die letzte Bastion der alten, in die Märkte unmittelbar eingreifenden EU-Agrarpolitik.

Im nächsten Jahr öffnet sich die Zuckerbranche für den Weltmarkt. „Wir sehen Chancen, aber machen uns auch Sorgen“, sagt Fred Zeller, Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Zuckerrübenanbauer. „Bislang haben wir
Sicherheit, aber die fällt bald weg.“

Seit 1968 ist vorgegeben, wie viele Rüben die Bauern produzieren dürfen und wie viel Geld sie dafür von den Herstellern mindestens bekommen. Derzeit seien dies mit Zulagen rund 30 Euro je Tonne, sagt Zeller. Für ein Kilogramm Zucker braucht man etwa sechs bis acht Rüben.

Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Anbaufläche in Deutschland um 7 Prozent auf 335 000 Hektar ausgeweitet – in Niedersachsen liegt sie bei etwa 120 000 Hektar. Nach aktueller Einschätzung des Dachverbandes Norddeutscher Zuckerrübenanbauer wird der durchschnittliche Zuckerertrag mit 13 bis 14 Tonnen je Hektar etwas höher ausfallen als im vergangenen Jahr und über dem Fünf-Jahre-Durchschnitt liegen.

Mit dem Ende der Quote dürfte die Konkurrenz bei den Rübenanbauern zunehmen. Es werde sowohl in Deutschland als auch im Rest von Europa zu einem Verdrängungswettbewerb kommen, heißt es in der Branche. Nordzucker rechnet damit, dass die höhere Kapazitätsauslastung einen direkten Einfluss auf Preise und den Wettbewerb haben wird.

Mehr Konkurrenz durch Produzenten außerhalb der Europäischen Union erwartet man beim europäischen Branchenprimus Südzucker hingegen nicht. Da die Zuckerpreise in Europa derzeit unter dem Weltmarktniveau liegen, sei es für Konkurrenten von anderen Kontinenten nicht attraktiv, nach Europa zu kommen, erklärt der Südzucker-Konzern. Für die Bauern beginnt gleichwohl eine neue Zeitrechnung: Die meisten Rüben werden künftig abhängig vom Zuckererlös bezahlt. Nordzucker & Co. beteiligen die Landwirte damit am Marktrisiko. Gleichwohl gelten die vereinbarten Konditionen als lukrativ – gerade im Vergleich zu den aktuell niedrigen Preisen für Weizen und Raps, die die größten „Konkurrenten“ der Rübe sind.

Von Rebecca Krizak

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