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Niedersachsen Bundesrat unterstützt Handwerk
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16:53 15.02.2019
Fliesenleger benötigen seit 2004 keinen Meisterbrief mehr. Quelle: dpa-tmn
Berlin/Hannover

Der Bundesrat macht sich für eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen stark. Die Länderkammer hat am Freitag einem entsprechenden Antrag Bayerns zugestimmt – auch die niedersächsische Landesregierung ist dafür. Darin wird die Bundesregierung gebeten, den verpflichtenden Meisterbrief in allen Handwerken wieder einzuführen, bei denen es fachlich geboten und europarechtlich möglich sei. Die Forderungen werden auch vom Wirtschaftsflügel der Union und auch von Teilen der SPD unterstützt. Auch im Koalitionsvertrag hatte man sich auf eine Überprüfung der Auswirkungen geeinigt.

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Handwerksberufen die Meisterpflicht weggefallen – darunter Fliesenleger, Parkettleger, Rollladen- und Jalousienbauer, Gold- und Silberschmiede sowie Orgelbauer. Der Zentralverband des Handwerks drängt seit langem auf eine Änderung. Eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in bisher zulassungsfreien Gewerken werde zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und fairen Marktbedingungen führen, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Im Handwerk gebe es eine zunehmende Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu großen Problemen. So habe sich etwa seit der Abschaffung der Meisterpflicht die Zahl der Fliesenleger und Raumausstatter mehr als verdoppelt.

In punkto Ausbildung und Qualifizierung geht der Trend hingegen in die andere Richtung: So hat in der Handwerkskammer Hannover seit 2007 kein Meisterkurs für Fliesenleger mehr stattgefunden. Das sei „ein deutliches Zeichen für die Dequalizierungsspirale“, erklärte Kammerpräsident Karl-Wilhelm Steinmann kürzlich. Zudem habe die Ausbildungsleistung in den entpflichteten Berufen deutlich nachgelassen; auch die Kompetenz der Betriebsinhaber und der handwerklichen Fachkräfte falle heute schlechter aus als früher. Eine positive Beschäftigungsentwicklung sei nicht zu erkennen – im Gegenteil: Firmengründer ohne Meisterbrief seien meist wirtschaftlich weniger erfolgreich als Vollhandwerke.

In Niedersachsen können Handwerker, die ihre Meisterprüfung bestehen, seit Mai vergangenen Jahres eine Prämie in Höhe von 4000 Euro beantragen. Die Einmalzahlung richtet sich an Handwerker aus sogenannten zulassungspflichtigen Gewerben. Dazu zählen Maurer, Zimmerer, Installateure, Bäcker und Friseure. Für Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) ist die Prämie aber nur eine Übergangslösung bis Ende dieses Jahres – Ziel müsse es sein, die gesamte Ausbildung zum Meister gebührenfrei zu stellen. Eine entsprechende Initiative habe man in der Länderkammer bereits auf den Weg gebracht, sagte ein Behördensprecher.

Das Baugewerbe hält die Wiedereinführung der Meisterpflicht auch deshalb für „überfällig“, weil sie einheimische Handwerksbetriebe vor billigerer ausländischer Konkurrenz schützt. „Es besteht kein Zweifel daran, dass die Novellierung der Handwerksordnung 2004 in einigen Berufen zu dramatischen Fehlentwicklungen geführt hat", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Felix Pakleppa. Für die Verbraucher sei der Meisterbrief eine Art Gütesiegel, der ein bestimmtes Maß an Qualität garantiere.

Es gibt jedoch auch Widerstand gegen die Rückkehr zum alten Modus. Aus Sicht der Monopolkommission würde eine Ausweitung des „Meisterzwanges“ zu einem deutlichen Rückgang der Betriebsgründungen in zulassungsfreien Gewerken führen. Die Kunden profitierten derzeit von der „stärkeren qualitativen Differenzierung“ handwerklicher Leistungen, erklärte das Beratergremium der Bundesregieruung: Heute könnten die Auftraggeber selbst entscheiden, für welche Arbeit sie einen teureren Meisterbetrieb engagierten oder einen günstigeren Anbieter.

 

Von Andreas Hoenig und Jens Heitmann

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