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Niedersachsen Safthersteller Voelkel sammelt bei Kleinanlegern
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Safthersteller Voelkel sammelt bei Kleinanlegern
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18:00 01.01.2017
Von Albrecht Scheuermann
Das Familienunternehmens Voelkel produziert zahlreiche Säfte aus Früchten oder Gemüsen. Nun geht es bei der Finanzierung neue Wege. Fotos: Voelkel Quelle: FRANK STIELDORF
Peverstorf

Im Pevestorf wird seit 1934 aus Obst Saft gemacht. Die kleine Mosterei im Wendland hat sich inzwischen zu einem Unternehmen mit 58 Millionen Euro Umsatz und 170 Arbeitsplätzen gemausert. Und wo anfangs vor allem Äpfel aus den umliegenden Bauerngärten in flüssige Nahrung verwandelt wurden, wird heute eine Vielzahl von Frucht- und Gemüsesäften gepresst, gemischt und abgefüllt.

„Wir wirtschaften auch weiterhin nachhaltig und biologisch“, verspricht der Safthersteller trotz allen Wachstums - doch ohne moderne Technik geht es nicht. So braucht das Unternehmen jetzt Geld für eine neue Abfüllanlage. Statt einfach zur Bank zu gehen, probiert Voelkel einen neuen Weg aus: Deutschlands Marktführer bei Biosäften wendet sich direkt an private Anleger, die über eine Internet-Plattform Kreditangebote machen können. Ab 1000 Euro geht es los.

Alternative zum Bankkredit

Viele kleine Kredite ergeben zusammen eine große Summe - das ist das Prinzip der Schwarmfinanzierung, auch „Crowd-Investing“ beziehungsweise „Crowd-Lending“ genannt. Zahlreiche Mittelständler haben diese moderne Geldbeschaffungsmethode schon für sich entdeckt.

Schließlich haben sie damit eine Alternative zum Bankkredit. Und von den Banken etwas unabhängiger zu sein ist für Unternehmer meist ein erstrebenswertes Ziel. Manche Firmen indes sind mangels Sicherheiten oder schlechter Bilanzzahlen ganz vom Bankkredit abgeschnitten.

Bei Voelkel spielte dieser Aspekt freilich keine Rolle. „Wir bekommen problemlos Geld von der Bank“, sagt Jurek Voelkel, der zusammen mit seinen drei Brüdern die Firma leitet. „Wir finden es einfach spannend, mit den Kunden oder Freunden der Marke Voelkel auf diese Weise in Verbindung zu treten.“ Voelkel hat dabei den typischen Bioladen-Kunden im Auge, „der mit seinem Geld etwas Sinnvolles tun will“.

Der Weg zum Schwarmkredit führt stets über eine Internetplattform, die Geldanleger und Kreditnehmer zusammenführt. Davon gibt es schon eine ganze Menge, zum Beispiel Deutsche Mikroinvest, Die Beteiligungsplattform, Fundsters, Seedmatch oder Startkapital Online. Voelkel hat sich mit der österreichischen Finnest zusammengetan, die sich nach eigenen Angaben nur mit Projekten „der profitabelsten und bonitätsstarken Mittelständler mit langjährig etabliertem Geschäftsmodell“ befasst.

Zinsen zwischen 3 und 5 Prozent

Wer sein Geld ins Saftgeschäft von Voelkel investieren will, kann im Internet sein Angebot abgeben und den gewünschten Zinssatz zwischen 3 und 5 Prozent nennen. Voelkel wählt dann selbst die attraktivsten Offerten aus. Finnest bekommt eine Provision von einem Prozent der Anlagesumme - zahlbar vom Anleger. Spätester Rückzahltermin ist der 30. Juni 2022.

Geldanlager müssen bei solchen Investitionen immer eine Portion Wagemut mitbringen. Es handelt sich schließlich um sogenannte Nachrangdarlehen. Kommt der Schuldner ins Straucheln, steht der Gläubiger in der Schlange ganz hinten. Im Pleitefall ist daher ein Totalverlust ziemlich sicher.

Bei Voelkel ist dies jedoch eher unwahrscheinlich. Das Unternehmen ist kerngesund, da die Nachfrage nach biologisch erzeugten Frucht- oder Gemüsesäften boomt. Geschäftsführer Jurek Voelkel betont jedoch, dass der Gewinn vollständig im Unternehmen bleibt - oder für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet wird. „Unser Erfolg soll nicht privaten Zwecken dienen.“

Nur wenige Vorgaben bei Schwarmkrediten

Die Geldbeschaffung mittels Schwarmfinanzierung hat einen großen Vorteil: Es gibt relativ wenige Regeln. Der Gesetzgeber hat im Sommer 2015 die Bedingungen eigens gelockert, um dem jungen Markt bessere Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. Zum Beispiel müssen Anbieter keinen aufwendigen Wertpapierprospekt erstellen. Es reicht ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) mit einigen Pflichtangaben, das bei der Aufsichtsbehörde Bafin hinterlegt wird.Derzeit flattern der Bafin jeden Monat etwa 20 neue Vermögensanlagen-Informationsblätter ins Haus. Bis Juli sind laut Bafin mehr als 220 Anträge auf Befreiung von der Prospektpflicht von 30 Internet-Dienstleistungsplattformen eingegangen. Das angestrebte Finanzierungsvolumen betrage im Schnitt rund 650 000 Euro. Es liegt damit weit unter der Höchstgrenze von 2,5 Millionen Euro.

Die Strombewegung GmbH ist eine IT-Tochter des Energieriesen Eon und bringt Ökostromerzeuger und Kunden zusammen. Der Stromanbieter fördert rund 40 Start-ups mit einem dreimonatigen Programm - davon kommen etwa die Hälfte aus dem eigenen Haus.

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