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Schuhmaschinen für die ganze Welt

Firmenportät: Desma aus Achim Schuhmaschinen für die ganze Welt

Die kleine Firma Desma aus Achim setzt Maßstäbe: Automatisierung der Schuhproduktion ist das Geschäft des Unternehmens mit seinen 225 Mitarbeitern.

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Mit ihren Direktansohlungsmaschinen sind die Desma-Geschäftsführer Klaus Freese (links) und Christian Decker weltweit so gut wie konkurrenzlos.

Quelle: Desma

Achim. b Pumps, Kinderschuhe, Herrenschuhe oder Sandalen – die Herstellung von Schuhen beginnt beim Leisten. Bereits die alten Römer fertigten ihre Schuhe so. Leisten stellen ein Abbild des Fußes dar. Um den Leisten wird der Schuh konstruiert. Je besser das Fußmodell gestaltet ist, desto besser ist später die Passform des Schuhs.

Schon lange werden Leisten aus Holz, Kunststoff oder Metall industriell hergestellt. Viel weiter ist die Automatisierung in der Schuhproduktion jedoch nicht vorangeschritten – obwohl jedes Jahr weltweit rund 20 Milliarden Paar Schuhe produziert werden. Mehr als 90 Prozent davon werden immer noch manuell „zusammengeklebt“, wie Klaus Freese sagt.

Freese muss es wissen. Der 55-Jährige ist Geschäftsführer der Klöckner Desma Schuhmaschinen GmbH. Automatisierung der Schuhproduktion ist das Geschäft des Achimer Unternehmens mit seinen 225 Mitarbeitern. Es stellt vollautomatische Anlagen her, mit denen die Sohle direkt an den Schaft gepresst wird – in unterschiedlichen Größen, Materialien und Farben. Ein komplettes Schuhsortiment könne auf so einer Direktansohlungsmaschine produziert werden, sagt Freese. Klingt einfach, ist aber ein komplexer Vorgang. Herzstück der Anlage ist ein Rundtisch aus Stahl, der mit Schließmodulen, bestehend aus Leisten und Sohlenform, ausgestattet ist. Die Anzahl der Stationen reicht, je nach Kundenwunsch, von 18 bis zu 36 Modulen. Das Material für die Sohle wird „mit höchster Präzision“ eingespritzt – und automatisch mit dem Schaft verbunden.

Desma-Maschinen verarbeiten vor allem Polyurethan. Dieser Kunststoff hat sich laut Freese wegen seiner guten Eigenschaften als „Allrounder“ für das Sohlenmaterial durchgesetzt. Weder große Temperaturschwankungen noch Streusalz vermögen ihm etwas anzuhaben. Rutschfest ist er auch. „Bedient“ werden die Maschinen von Robotern, die die Desma vom Schweizer Technikkonzern ABB zukauft. „Aber unsere Ingenieure geben dem Roboter mittels Software die Intelligenz, damit er die notwendigen Funktionen ausüben kann“, sagt Freese. Ein Chip im Leisten signalisiert dem Roboter, welcher Artikel gefertigt werden soll und welche Arbeitsschritte am Rundtisch nötig sind. Das alles läuft mit hoher Taktfrequenz ab. Alle 20 Sekunden ist ein Paar Schuhe fertig.

Damit ist der Spezialmaschinenbauer so gut wie konkurrenzlos. Man habe zwar Wettbewerber, vor allem in Italien, aber es gebe weltweit „keinen vergleichbaren Komplettanbieter“ wie die Desma, sagt Freese. Er kennt das Unternehmen wie seine Westentasche. Vor fast 40 Jahren hat der Ingenieur hier seine Karriere als Schlosserlehrling begonnen, seit 2009 ist er einer von zwei Geschäftsführern. Über mangelnde Nachfrage kann die Desma, die 2007 mit der Übernahme der Klöckner-Werke zum Stahlhersteller Salzgitter kam, nicht klagen. Rund 70 Prozent der Auftraggeber sind laut Freese Stammkunden. Mehr als 95 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet die Desma im Export. Die größten Schuhhersteller produzieren in Asien, allen voran der taiwanesische Konzern Pou Chen, der wegen des niedrigen Lohnniveaus vor allem in China fertigen lässt. Bekannt ist Pou Chen kaum: Denn das Unternehmen mit der weltweit größten Schuhproduktion arbeitet nicht unter eigenem Label, sondern im Auftrag zahlreicher Markenanbieter, die die Fertigung wegen zu hoher Kosten aufgegeben haben.

Seit ein paar Jahren gibt es jedoch ein „Reshoring“, wie Freese sagt. Schuhe würden zum Teil wieder dort hergestellt, wo der Markt sei. Etwa in Portugal und Italien. Vor allem Anbieter von Luxusmarken wollten sich aus der Abhängigkeit der Lohnfertiger befreien, weil sie mit dem Verlust des Know-hows in der Produktion zugleich die Kontrolle über die Qualität abgegeben hätten. Qualität aber ist ein wichtiges Kriterium im Konkurrenzkampf um die Kunden.
Für die Desma sei das eine gute Entwicklung, sagt der Firmenchef. Denn wegen höherer Lohnkosten wachse im Westen der Druck zur Automatisierung. Im Vergleich zu manueller Schuhfertigung könne dadurch immerhin die Hälfte der Kosten eingespart werden. Die Niedersachsen erwarten daher auch künftig gute Geschäfte.

Derzeit können acht Maschinen, die bis zu 30 Tonnen wiegen und aus über 30 000 Teilen bestehen, gleichzeitig in der Produktionshalle montiert werden. Trotzdem ist keine Anlage wie die andere und jede Maschine ein Einzelstück. Sechs bis zwölf Monate dauert der Bau einer Schuhmaschine. Je nach Größe und Ausstattung kann sie zwischen 500 000 und 3 Millionen Euro kosten. Nach dem Probelauf wird sie zerlegt, verpackt, per Schiff an ihren Bestimmungsort transportiert, von Desma-Technikern erneut zusammengebaut und in Betrieb genommen. Jährlich verlassen 40 Schuhmaschinen das Werk in Achim. Rund 40 Millionen Euro fährt die Desma damit an Erlösen ein. Gemessen am Umsatz von 10 Milliarden Euro der Salzgitter-Mutter ist das nur eine Kleinigkeit, trotzdem nicht zu verachten – solange jedenfalls, wie die eigenständig agierende Tochter eine „Renditeperle“ bleibt.

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