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Niedersachsen Siemens-Werk in Görlitz bleibt erhalten
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Siemens-Werk in Görlitz bleibt erhalten
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00:28 11.05.2018
Der Protest der Siemens Mitarbeiter in Görlitz hatte Erfolg: Das dortige Siemens-Werk bleibt erhalten. Quelle: dpa
München

 Nach zähem Ringen hat sich Siemens mit Arbeitnehmervertretern auf Eckpunkte für die geplanten Einschnitte in der Kraftwerkssparte geeinigt. Die umstrittene Schließung des Standortes im sächsischen Görlitz ist endgültig vom Tisch. Dagegen soll der Standort in Offenbach „perspektivisch“ aufgegeben werden, die Mitarbeiter sollen aber zum Teil im Rhein-Main-Gebiet verbleiben, wie Siemens am Dienstag mitteilte. Für den Standort Leipzig, der wie Görlitz und Offenbach von der Schließung bedroht war, werde nun auch ein Verkauf geprüft. 

 Nach der Einigung auf die Eckpunkte will der Konzern jetzt die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan beginnen, die bis Ende September abgeschlossen werden sollen. Siemens hat angekündigt, in der Kraftwerkssparte und der Antriebstechnik weltweit rund 6900 Jobs zu streichen, davon rund 3400 in Deutschland. Die massiven Einschnitte begründet der Konzern mit dem schrumpfenden Markt für konventionelle Kraftwerkstechnik. Vor allem die geplanten Werksschließungen waren bei Arbeitnehmervertretern und auch in der Politik auf heftige Kritik gestoßen. 

 Nun erklärte Siemens, Görlitz mit zuletzt rund 700 Beschäftigten solle zur weltweiten Zentrale für das Industriedampfturbinengeschäft ausgebaut werden. Allerdings seien dort – wie auch an den Standorten Berlin, Duisburg, Erfurt und Mülheim – Restrukturierungen zwingend nötig, um die Kosten zu drücken. Das Geschäft in Offenbach, wo bisher rund 700 Beschäftigte Kraftwerke planen und bauen, solle mit Erlangen gebündelt werden. Für Leipzig prüfe man den Verkauf des kompletten Standortes, werde diesen aber nur umsetzen, wenn sich ein Käufer mit nachhaltigem Konzept finde, sagte Siemens-Personalchefin Janina Kugel.

Der Jobabbau solle möglichst freiwillig und sozialverträglich umgesetzt werden. Sollte dies jedoch nicht ausreichen, kämen etwa Weiterqualifizierungen sowie ein Einsatz der Beschäftigten an anderen Standorten in Frage. Insgesamt will Siemens nach den Worten Kugels in der Kraftwerks- und der Antriebssparte einen „großen“ dreistelligen Millionen-Euro-Betrag sparen. Ob es bei der Streichung von 6900 Jobs bleibe, werde sich in den Verhandlungen zeigen. Man sei offen für kreative Lösungen – das noch konkret zu definierende Sparziel müsse aber erreicht werden. 

 Arbeitnehmervertreter zeigten sich zufrieden mit dem Kompromiss – damit sei gewährleistet werde, dass Siemens in den Regionen präsent bleibe. IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner sprach von einem „für beide Seiten akzeptablen Ergebnis“. Bei den nun anstehenden Verhandlungen werde es darauf ankommen, dass möglichst viele Jobs erhalten bleiben und Mitarbeiter gegebenenfalls umgeschult und versetzt werden könnten,  sagte Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn

 Parallel zu den Eckpunkten für die Verhandlungen beschlossen Siemens und Arbeitnehmervertreter auch einen Zukunftspakt. Dahinter stehe die Überzeugung, dass bestimmte Märkte und Arbeitsplätze durch den industriellen Strukturwandel wegfallen, zugleich aber neue Jobs durch die Digitalisierung entstehen, erklärte Siemens. Diesen Wandel gelte es aktiv zu gestalten, hieß es. Zusätzlich zu den rund 500 Millionen Euro, die das Unternehmen bereits jährlich in die Aus- und Weiterbildung investiere, würden über die kommenden vier Jahre bis zu 100 Millionen Euro in einem Zukunftsfonds bereitgestellt. „Es kommt darauf an, dass wir denjenigen eine Perspektive geben, deren Arbeitsplatz es möglicherweise in der Zukunft nicht mehr geben wird“, sagte Kugel.

Von Christine Schultze

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