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So funktioniert das VW-Sammeltaxi Moia

HAZ-Test So funktioniert das VW-Sammeltaxi Moia

Erfindet Volkswagens Sammeltaxi wirklich die Mobilität neu? Die HAZ hat es ausprobiert. So schneidet Moia im Test ab. 

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HAZ-Redakteur Christian Wölbert macht den Moia-Test.

Quelle: Philipp Von Ditfurth

Hannover.  Verdammt. Der Tag war anstrengend, es ist kalt und dunkel, und jetzt fängt es auch noch an zu schütten, gerade als ich vollgepackt den Supermarkt am Schwarzen Bär verlasse. Ich wohne nur 900 Meter entfernt, aber ich habe wirklich keine Lust, meine Einkäufe durch den Regen zu schleppen. Und die nächste 9 kommt erst in zwölf Minuten. 

Zum Glück habe ich noch eine andere Option: Ich zücke mein Handy, starte die Moia-App und tippe meine Adresse ein. Nur zwei Minuten später hält ein schwarzer Moia-Van vor dem Supermarkt. Ich steige ein, lasse mich auf einen der Ledersitze fallen – und los gehts. 

Ich habe zwar ein schlechtes Gewissen, dass ich mich die kurze Strecke fahren lasse. Aber der Fahrer beruhigt mich: "Keine Sorge, ich war sowieso gerade am Goetheplatz und hatte keinen anderen Auftrag.“ Zwei Minuten später setzt er mich in meiner Straße ab. Auf meinem Handy-Display steht der Fahrpreis: 0,05 Euro. 

Durch die Stadt für 20 Cent

Es ist unfassbar, aber wahr: Seit ein paar Wochen chauffiert der neue Mobilitätsdienst von Volkswagen, Moia, mich (fast) gratis durch meine Stadt. Ich komme mir vor wie ein Minister. Wenn ich irgendwohin will, taucht spätestens nach zehn Minuten ein Van mit abgedunkelten Scheiben auf und bringt mich ans Ziel.

Von Linden bis zum Kröpcke zahle ich nur 20 Cent. Kleingeld muss ich aber nicht dabeihaben, denn Moia bucht bequem von der Kreditkarte ab. Die App lässt sich supereinfach bedienen, die Fahrer sind nett und steuern sicher. 

Moia macht das Leben angenehm. Nach dem Vorglühen bei Freunden in der List zu viert noch auf einen Drink an den Küchengarten? Eine Viertelstunde später sind wir da. Die Freunde wollen wieder nach Hause? Ich bestelle ihnen einfach ein Moia auf meinen Namen, die Fahrer interessiert nicht, ob ich selbst mitfahre. 

Kein Gedrängel, kein Umsteigen, keine langen Laufwege. Moia hat ein dichtes Netz aus "virtuellen Haltestellen" über die Stadt gelegt. Schlimmstenfalls muss ich vor dem Ein- oder nach dem Aussteigen 300 Meter laufen, meistens weniger. 

Bald wird Moia teurer als Bus & Bahn

Zugegeben, die Sache hat ein paar Haken. Erstens wird Moia nicht immer so billig bleiben. VW hat zwar viel Geld, aber auf Dauer nichts zu verschenken. Mir und den 1500 weiteren hannoverschen Testkunden berechnet Moia aktuell nur 6 Cent pro Kilometer, weniger als die Betriebskosten, weil der Dienst dadurch laut Gesetz nicht von der Stadt genehmigt werden muss.

Nach der Testphase wird der Spaß allerdings deutlich teurer werden. Laut Moia sollen die Kosten irgendwo zwischen denen von öffentlichen Verkehrsmitteln und Taxis liegen. Dann werde ich mir vor jeder Buchung drei Mal überlegen, ob ich nicht doch lieber die Bahn oder mein Rad nehme. 

 Zweitens funktioniert Moia nicht rund um die Uhr perfekt. Morgens um neun meldet die App ziemlich oft: "Sorry! Aktuell sind keine Moia Shuttles für deine Fahrt verfügbar. Versuch es später noch einmal." In der Rush Hour ist der Andrang so groß, dass die 20 Busse schlicht nicht hinterherkommen.

Hilft Moia gegen Staus?

Außerdem frage ich mich, ob Moia in der aktuellen Form wirklich sein selbstgestecktes Ziel erreichen kann, "die Mobilität neu zu erfinden und das Leben in der Stadt zu verbessern". Man wolle „für Verkehrsprobleme wie Staus, Luftverschmutzung, Lärm und Platzmangel eine Lösung anbieten“, sagt Moia-Sprecher Michael Fischer. 

Theoretisch hat der Dienst zwar das Zeug dazu: Die Software kombiniert Fahrtenwünsche mehrerer Nutzer, die ungefähr in dieselbe Richtung wollen. Bis zu fünf Passagiere passen in die Busse. Im Idealfall ersetzt eine Moia-Fahrt also fünf Fahrten mit dem Taxi oder Privatauto. 

Doch auf meinen bisher 27 Testfahrten war ich fast immer allein. Nur drei Mal fuhr noch jemand anders mit. Das ist aus meiner Sicht kontraproduktiv: Für Umwelt und Mitmenschen wäre es besser, wenn ich dann Bus oder Rad fahre, oder zumindest mit einem sparsamen Kleinwagen. Und für VW wären Sammelfahrten ebenfalls besser – nur so kann Moia Geld verdienen. 

Morgens zu wenige Busse, abends zu viele

 Im Moment setzt der Dienst also offenbar in der Rush Hour zu wenige Busse ein, in den ruhigen Stunden mittags und abends aber zu viele. Auf Nachfrage räumt Moia ein, dass „aktuell noch viele Fahrten mit nur einem Fahrgast an Bord stattfinden“. 

Das sei aber keine Überraschung, sondern liege daran, dass 1500 Nutzer und 20 Fahrzeuge noch nicht ausreichen, um die erforderliche „kritische Masse“ zu bilden. Man werde mit den Erfahrungen aus Hannover die Software optimieren und künftig „zu jeder Tageszeit ein optimales Verhältnis zwischen Kundenanfragen und verfügbaren Fahrzeugen bieten“.

Wie genau das funktionieren soll, verrät Moia nicht. Denkbar wäre, dass VW die Fahrer einfach nach Hause schickt, sobald die Nachfrage abnimmt. Allerdings lohnen sich kurze Schichten für die Fahrer weniger, Moia könnte dann also ein Personalproblem bekommen. Helfen würde auch ein System, das die Fahrpreise bei hoher Nachfrage steigen und bei geringer Nachfrage fallen lässt – das könnte allerdings wiederum Kunden verärgern. Einfach ist die Sache also nicht.

Trotzdem sehe ich in Moia viel Potenzial: Wenn VW es schafft, die Zahl der Fahrzeuge schnell an die schwankende Nachfrage anzupassen, könnte das Konzept aufgehen. 

Und wenn die Autos irgendwann autonom fahren, könnte Moia tatsächlich die Mobilität neu erfinden. Denn das Personal ist im Taxigewerbe mit Abstand der größte Kostenblock. Steuert Kollege Computer, könnten Fahrten irgendwann wieder ähnlich billig werden wie in der aktuellen Testphase. Und jeder kann sich wie ein Minister fühlen.

So funktioniert Moia

Moia ist eine moderne Form des Sammeltaxis. Man bestellt es nicht telefonisch, sondern per Smartphone-App. Mit der App wählt man Einstiegsort und Ziel auf einer Karte aus. Sekunden später erfährt man, wann man abgeholt werden kann. Danach kann man die Anfahrt des Vans in Echtzeit verfolgen. 

Wollen zufällig mehrere Fahrgäste zur gleichen Zeit in ungefähr in dieselbe Richtung, berechnet Moia eine Route, auf der alle Fahrgäste der Reihe nach eingesammelt werden und in der Nähe ihres Ziels wieder abgesetzt werden. Dadurch soll Moia „die Nische zwischen Taxi und öffentlichem Personennahverkehr besetzen“, erklärt Sprecher Michael Fischer.

Hannover ist die weltweit erste Stadt, in der Volkswagen dieses Angebot testet. Aktuell sind hier 20 Moia-Vans unterwegs, und 1500 ausgewählte Tester können mit ihnen fahren. Anfang nächsten Jahres will VW die Zahl der Fahrzeuge auf 35 erhöhen und mehr Nutzer freischalten. Wie lang der Test dauert, ist offen. 

Von Ende 2018 an will Moia seinen Dienst erstmals kommerziell anbieten – in Hamburg. Ob die Sammeltaxis auch in Hannover aktiv bleiben, verrät Moia noch nicht. „Allerdings können wir schon jetzt sagen, dass die ersten Monate unsere Erwartungen übertroffen haben. Der Test ist auf eine unglaublich hohe Nachfrage gestoßen. Die Hannoveraner scheinen auf einen derartigen Service gewartet zu haben“, sagt Michael Fischer von Moia.

In Hannover ist Moia zurzeit mit normalen VW-Bussen (T6) unterwegs. In Hamburg sollen allerdings spezielle Busse mit Elektro-Antrieb zum Einsatz kommen. Das neue Modell hat Moia am Montag in Berlin vorgestellt: Es bietet Platz für bis zu sechs Passagiere und Handgepäck, bietet WLAN und USB-Schnittstellen. Moia verspricht eine Reichweite von 300 Kilometern. Ob dieser Bus auch in Hannover zum Einsatz kommen wird, kann Moia noch nicht sagen.

 

Von Christian Wölbert

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