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Niedersachsen Soltauer Firma verliert 1,5 Millionen Euro
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Soltauer Firma verliert 1,5 Millionen Euro
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07:37 21.07.2017
Von Jens Heitmann
Zwei Tage später gemerkt: Die Überweisung ging an Betrüger. Foto: dpa Quelle: Marijan Murat
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Soltau

Seit Jahren warnen Unternehmen, Banken und das Bundeskriminalamt vor dem sogenannten Chef-Trick - und doch fallen Mitarbeiter immer wieder darauf herein. Meist verliert die Firma viel Geld und der Buchhalter seinen Job. Die Banken hingegen, die das Geld letztlich überweisen, werden in der Regel nicht in Regress genommen.

Das will die Hamburger Kanzlei Hahn jetzt ändern: Sie hat beim Landgericht Düsseldorf eine Klage gegen die HSBC Trinkhaus & Burkhardt eingereicht, weil sie der Bank eine Mitschuld in einem Betrugsfall bei einer Einzelhandelskette in Soltau gibt - nach HAZ-Informationen handelt es sich um den Discounter J.A. Woll. Dort hatte eine Buchhalterin im Februar knapp 1,5 Millionen Euro nach China überwiesen, nachdem sie per E-Mail von einem vermeintlichen Geschäftsführer dazu aufgefordert worden war.

Vorwürfe gegen HSBC

„Der Fall ist in seinen Details extrem ungewöhnlich“, sagte Anwalt Kai-Axel Faulmüller. Seiner Einschätzung nach hätte die Bank bei der Überweisung aus mehreren Gründen stutzig werden müssen: Obwohl es zwischen HSBC und dem Unternehmen keine entsprechende Vereinbarung gegeben habe, wurde die Überweisung per Fax angewiesen. Zudem sei das dafür gewählte Konto zum ersten Mal für eine Transaktion ins Ausland genutzt worden - und auch die gefälschte Unterschrift hätte bei der Bank auffallen können. „Da sollte man hellhörig werden und nachfragen“, sagte Faulmüller. „Aber es hat niemand den Telefonhörer in die Hand genommen.“ Die HSBC wollte dazu gestern keine Stellung nehmen. Im Soltauer Fall hat eine Buchhalterin eine E-Mail erhalten, die angeblich von einem Mitglied der Geschäftsführung stammte, das nicht für Finanzen zuständig war. Nach einem Bericht des Magazins „Capital“ wusste sie jedoch, dass ihre Chefs an diesem Tag in der Zentrale des Mutterkonzerns B&M in Liverpool waren. Dass dort angeblich die Übernahme eines anderen Unternehmens vorbereitet werden sollte, wie in der E-Mail angedeutet, schien deshalb nicht abwegig. Selbst dass im Zeitalter elektronischen Bankverkehrs die Zahlung per Fax erfolgen sollte, machte die Buchhalterin nicht skeptisch. Sie überprüfte via Google, dass es die Empfänger-Firma wirklich gibt - und drang bei HSBC auf eine schnelle Überweisung.

Dass sie einem Betrüger aufgesessen war, bemerkte die Buchhalterin erst zwei Tage später - als neue Überweisungsforderungen in Millionenhöhe vom angeblichen Chef eingingen und sie nicht auf die Funktion „Antworten“ in ihrem Mailprogramm klickte, sondern eine neue Nachricht direkt an ihren Geschäftsführer schrieb. Als der Irrtum auffiel, war es für eine Stornierung zu spät. Als Schuldige wurde die Buchhalterin ausgemacht: Sie ist ihren Job los.

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