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Stahlbauer Eiffel aus Hannover baut größte Stahlbrücke Deutschlands

Rekordauftrag Stahlbauer Eiffel aus Hannover baut größte Stahlbrücke Deutschlands

Der hannoversche Stahlbauer Eiffel sichert sich einen Rekordauftrag, der nach einer Umstrukturierung gerade recht kommt: Eine der größten Stahlbrücken Deutschlands soll sich über das weltberühmte Moseltal spannen.

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Megaprojekte made in Hannover: Die geplante Brücke über das Moseltal

Quelle: v-kon/Eiffel

Es ist eines dieser Großprojekte, an denen sich die Geister scheiden. Eine der größten Stahlbrücken Deutschlands soll sich über das weltberühmte Moseltal spannen – 1,7 Kilometer lang und 160 Meter hoch. Zu ihren Füßen: bester Riesling in Steillagen, dreistellige Preise für die Flasche keine Seltenheit. Winzer und Sommeliers sind in Aufruhr, fürchten um das Mikroklima in der Region nahe Bernkastel-Kues. Selbst die „New York Times“ warnte unlängst: „Der deutsche Riesling ist in Gefahr.“

Was Weinkenner in Rage bringt, scheinen die Menschen in Rheinland-Pfalz herbeizusehnen. Ist die Brücke doch Teil eines 50 Kilometer langen Neubaus der Bundesstraße 50, der für eine bessere Verbindung von Rhein-Main-Gebiet und Benelux-Staaten sorgen wird. „Mindestens 80, wenn nicht 90 Prozent der Menschen an der Mosel wollen die Brücke“, sagte unlängst Landeschef Kurt Beck.

Nun bekommen sie sie. Und ein Traditionsbetrieb aus Hannover wird sie bauen – Eiffel Deutschland Stahltechnologie, die ehemalige Krupp Stahlbau Hannover. Auch für die gut 220 Mitarbeiter des Unternehmens am Brinker Hafen ist der Hochmoselübergang, so der offizielle Name, ein Projekt der Superlative: 25 000 Tonnen Stahl werden sie zwischen Ürzig und Rachtig verbauen – das entspricht dem 50-Fachen einer durchschnittlichen Kanalbrücke.

Der Auftragswert, von dem die Hannoveraner als Führer des Baukonsortiums den Löwenanteil bekommen, liegt bei 130 Millionen Euro. Da die Stahlteile zunächst am Brinker Hafen vorgefertigt werden, ist die Werkstattauslastung gesichert. „Für die nächsten drei, vier Jahre sind gut 50 Prozent der Ressourcen schon fest verplant“, sagt Firmenchef Uwe Heiland.

Der größte Brückenbauauftrag der mehr als 200-jährigen Firmengeschichte steht in einer Reihe von Großprojekten, die das Tochterunternehmen des französischen Bauriesen Eiffage in den vergangenen Jahren gestemmt hat. Dazu gehören die Dächer der hannoverschen AWD-Arena und des Stadions in Gelsenkirchen genauso wie das Klimahaus in Bremerhaven oder die Störbrücke bei Itzehoe.

Besonders gefordert war die Eiffel-Mannschaft allerdings beim Flughafen Berlin-Brandenburg International. Dessen Dachkonstruktion stammt ebenfalls aus Hannover. „Anfang 2009 bekamen wir den Auftrag, Mitte dieses Jahres war unsere Aufgabe erledigt“, berichtet Heiland. Das 10 000-Tonnen-Projekt sorgte dafür, dass der Umsatz 2009 um fast 50 Prozent auf 120 Millionen Euro in die Höhe schnellte.

Selbst diese Sonderkonjunktur reichte jedoch nicht aus, um aus den roten Zahlen zu kommen. Drei Jahre hintereinander hat Eiffel Verluste geschrieben. „Wir haben eine komplizierte Zeit hinter uns“, umschreibt es der Firmenchef. Der Grund liege in einem „gefährlichen Ausflug in ein neues Geschäftsfeld“, den noch Heilands Vorgänger unternommen hatten – den Kraftwerksbau. Für derart hochkomplexe Projekte habe dem Unternehmen die Erfahrung gefehlt. Fehler schlichen sich ein, Kosten liefen aus dem Ruder.

Symptomatisch für die Malaise war das weltgrößte Braunkohlekraftwerk in Neurath, bei dem die Hannoveraner die Stahlkonstruktion für zwei Blöcke lieferten. Das Projekt im Auftrag von RWE geriet 2007 bundesweit in die Schlagzeilen, weil bei einem Unglück auf der Baustelle drei Menschen getötet und fünf schwer verletzt wurden.

Für Eiffel entwickelte sich das Projekt zu einem Fass ohne Boden. Kostensteigerungen konnten an den Auftraggeber nicht weitergegeben werden. Allein in der Bilanz 2008 verursachte Neurath eine Ergebnisbelastung von 9 Millionen Euro und brachte die Firma an den Rand des Abgrunds. Der Mutterkonzern musste einspringen und das Eigenkapital um 7 Millionen Euro aufstocken – und das kurz, nachdem Eiffage die Hannoveraner übernommen hatte.

Die Franzosen zogen die Notbremse. Das Management wurde ausgetauscht, und Heiland rückte an die Spitze. Die Kraftwerksprojekte werden noch abgewickelt, spielen aber praktisch keine Rolle mehr. „Wir konzentrieren uns wieder auf das, was wir können“, sagt der 49-jährige Bauingenieur – Stahlbau, Brückenbau, Fördertechnik. „Die Verluste sind in den Büchern verarbeitet und werden uns nicht mehr beanspruchen.“ Obwohl der Umsatz 2010 mit rund 80 Millionen Euro wieder auf Normalmaß geschrumpft ist und in der Werkstatt häufig Kurzarbeit gefahren werden musste, erwartet Heiland, der seit Anfang 2009 Geschäftsführer ist, nun wieder schwarze Zahlen.

Der Blick nach vorn verheißt Gutes: Neben der Moselbrücke werden die Hannoveraner auch an Sanierungs- und Neubauprojekten in den Hauptbahnhöfen in Hamburg und Wiesbaden mitarbeiten. Die Störbrücke auf der Autobahn 23 soll einen weiteren Arm bekommen. Insgesamt liegt der Auftragsbestand bei 45 Millionen Euro. Weitere Orders erhofft sich Heiland in der Fördertechnik. Die Sparte arbeitet vor allem für die Automobilhersteller. Die großen Investitionsprojekte von Volkswagen in Wolfsburg und Hannover hat Heiland sehr genau zur Kenntnis genommen.

Dass etwa der neue VW-Pick-up Amarok im Stöckener Werk von Eiffel-Förderanlagen von A nach B transportiert wird, kann er sich gut vorstellen. Es wäre eines von wenigen Projekten für Eiffel in Hannover. Denn prestigeträchtige Bauten direkt vor der Haustür hat das Unternehmen, das einst den Großteil des heutigen Messegeländes, den Bertelsmann-Pavillon und die Parkhäuser am Flughafen hochgezogen hat, schon lange nicht mehr planen können.

Das ist Eiffel Deutschland ...

Seit 2007 gehört die frühere Krupp Stahlbau Hannover zum französischen Eiffage-Konzern, der auf den Erbauer des Eiffelturms zurückgeht. So erklärt sich auch der neue Name der Hannoveraner. Eiffage hat das Unternehmen von der Certina-Gruppe übernommen. Die Finanzinvestoren hatten nur zwei Jahre das Sagen in Hannover. Zuvor hatte sich das 1808 als Eisenhandlung gegründete Unternehmen fast hundert Jahre im Schoß des Krupp- und später ThyssenKrupp-Konzerns befunden.

Die Stahlspezialisten waren einer der Treiber des Wiederaufbaus in Deutschland. An Werksanlagen von VW und Conti waren sie ebenso beteiligt wie am Bau des hannoverschen Messegeländes. Aber auch Bauwerke wie das Centre Pompidou in Paris oder das Olympiastadion in München gehen auf das Konto von Krupp Stahlbau. Aus neuerer Zeit stammen etwa die Türme der Autostadt in Wolfsburg, die Svinesund-Brücke zwischen Norwegen und Schweden oder die Transrapid-Strecke in Schanghai. Eiffel beschäftigt heute in Deutschland 220 Mitarbeiter, 180 davon in Hannover.

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