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Stellenabbau bei Talanx fällt noch größer aus

Umbau von Privatkundengeschäft Stellenabbau bei Talanx fällt noch größer aus

Der geplante Jobabbau beim Talanx-Konzern wird größer ausfallen als bisher bekannt. Zusätzlich zu den rund 600 Arbeitsplätzen im deutschen Privatkundengeschäft wolle der Versicherer auch im Vertrieb Stellen streichen.

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Quelle: dpa

Hannover . So berichtete Vorstandsmitglied Jan Wicke am Montag bei der Bilanzvorlage in Hannover. Wie viele Mitarbeiter davon betroffen sein werden, wollte der Manager unter Verweis auf laufende Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern nicht verraten.

Für den Vertrieb wäre das bereits das zweite Sparprogramm in kurzer Zeit. Seit 2011 hatte der Konzern im Rahmen des Projektes „Wir“ insgesamt 600 Stellen abgebaut – einen Teil davon im Vertrieb. Beim jetzt angelaufenen Programm „Kurs“ standen die Mitarbeiter dieses Bereichs bisher nicht im Fokus. „Wir fordern den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und den Erhalt aller Standorte“, sagte Markus Westermann, Fachbereichsleiter Finanzdienstleistungen bei der Gewerkschaft Verdi.

Talanx will das Privatkundengeschäft umbauen. Die Sparte mit der Hauptmarke HDI leide unter zu hohen Kosten und müsse die Digitalisierung und Automatisierung ihres Geschäfts vorantreiben, teilte der Konzern mit. Bis 2020 will der Konzern dafür insgesamt 330 Millionen Euro investieren, die Kosten sollen um 240 Millionen Euro jährlich sinken – das bedeutet einen Rückgang von fast 30 Prozent. Was das Sparprogramm für den Standort Hannover bedeute, sei noch offen, hieß es. Hier beschäftigt Talanx aktuell rund 4700 Mitarbeiter.

Unterdessen kommt der Konzern mit dem Ausstieg aus dem Geschäft mit Lebensversicherungen klassischer Machart voran. Vom nächsten Jahr an will Talanx nur noch Produkte ohne Garantiezinsen anbieten. Der Verkauf in den letzten Monaten sei gut angelaufen, sagte Wicke: „Die Kunden haben verstanden, dass bei Niedrigzinsen die Bäume nicht in den Himmel wachsen.“

Das Stammgeschäft mit der Industrie ist 2015 besser gelaufen als im Vorjahr. Man habe Verträge mit Kunden nachverhandelt und so die Haftungsrisiken deutlich verringert, sagte Vorstandsmitglied Christian Hinsch. Außerhalb Europas konnte Talanx die Bruttoprämien um fast ein Viertel steigern, in Deutschland hingegen stagnierten sie – insgesamt reichte es für ein Plus von knapp 7 Prozent.

Das vergangene Jahr hat Talanx trotz der Probleme deutlich besser abgeschlossen als noch im Sommer erwartet. Operativ konnte Talanx das Ergebnis um 15 Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro steigern, unter dem Strich blieben 734 Millionen Euro übrig. Geholfen hat dabei unter anderem der Rekordgewinn des Rückversicherers Hannover Rück, an dem der Konzern rund die Hälfte der Anteile hält. Im August hatte sich Konzernchef Herbert Haas höchstens 650 Millionen Euro Gewinn zugetraut.

Für das laufende Jahr peilt der Vorstand einen Überschuss von 750 Millionen Euro an. Die von 1,25 Euro auf 1,30 Euro erhöhte Dividende solle mindestens so hoch ausfallen wie im Vorjahr, sagte Haas. „Das Jahr 2015 haben wir genutzt, um die notwendigen strategischen Weichenstellungen vorzunehmen.“ Der Konzern sei „auf Kurs, aber noch nicht am Ziel“.

Von Jens Heitmann

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