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Überkreuzbeteiligung

TUI und Air Berlin rücken zusammen

Von Jens Heitmann

Die TUI und Air Berlin rücken näher zusamme: Beide Unternehmen streben eine Überkreuzbeteiligung an. Der Verkauf von TUIfly ist vom Tisch.
© Michael Thomas

Der Reisekonzern wolle direkt bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft einsteigen, die Berliner sollen im Gegenzug Anteile an der Fluggesellschaft TUIfly übernehmen, verlautete aus Unternehmenskreisen. Sprecher beider Gesellschaften wollten sich dazu am Montag nicht äußern: „Wir kommentieren das nicht“, hieß es übereinstimmend.

Dem Vernehmen nach soll die Höhe der wechselseitigen Beteiligung einen zweistelligen Prozentsatz erreichen, sie werde jedoch unterhalb der Sperrminorität von 25 Prozent bleiben. Die Gremien der beiden Unternehmen müssten der Vereinbarung aber erst noch zustimmen, hieß es.

Mit ihrer Vereinbarung wollen die beiden Unternehmen die Konsolidierung auf dem deutschen Flugmarkt weiter vorantreiben. Nachdem Air Berlin bereits die Konkurrenten dba und LTU übernommen hatte, war eine Fusion mit dem Ferienflieger Condor am Einspruch des Kartellamtes gescheitert. Die Hannoveraner ihrerseits suchen seit Längerem nach einem Partner für TUIfly. Die aus der Fusion der Chartergesellschaft Hapagfly mit dem Billigflieger HLX hervorgegangene Marke war deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Den Angaben zufolge soll sich TUIfly künftig ausschließlich auf das Chartergeschäft konzentrieren. Nur eine knappe Mehrheit ihrer aktuell 38 eigenen Maschinen werde die hannoversche Gesellschaft künftig noch unter der Marke TUIfly betreiben. Die übrigen Flugzeuge soll Air Berlin im eigenen Namen vermarkten – die Besatzungen blieben aber Beschäftigte von TUIfly, hieß es. Auch künftige Tarifverhandlungen würden damit zwischen der TUI-Tochter und den dortigen Arbeitnehmervertretern geführt. Dem Vernehmen nach haben sich die TUI und Air Berlin auf eine langjährige Beschäftigungsgarantie für die TUIfly-Maschinen verständigt.

Die beiden Unternehmen versprechen sich von ihrer Allianz eine bessere Auslastung ihrer Maschinen. Während TUIfly auf etlichen HLX-Routen Verluste einfliege, könne Air Berlin diese Strecken gewinnbringend in das eigene Netz integrieren, lautet die Erwartung. Entsprechende Berechnungen hätten Synergien in zweistelliger Millionenhöhe ergeben, hieß es.

Zuvor hatte die TUI über Monate mit den Arbeitnehmervertretern über Zugeständnisse bei einer internen Lösung verhandelt. Für einen hundertprozentigen Verbleib der Fluggesellschaft im TUI-Verbund verlangte die Geschäftsführung tarifliche Zugeständnisse in Höhe von 10 Millionen Euro. Für den Fall eines Scheiterns der Gespräche hatte TUI-Chef Michael Frenzel mit dem Komplettverkauf an Air Berlin gedroht. Angeblich hat ein Kaufangebot in dreistelliger Millionenhöhe vorgelegen.

Die Mitarbeitervertreter haben sich für die interne Variante stark gemacht. Die Unterhändler von ver.di, die für das Kabinen- und Bodenpersonal am Tisch sitzen, favorisieren ein Modell mit 36 Maschinen. Auf diese Linie soll zuletzt auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit eingeschwenkt sein, die sich lange – auch wegen interner Querelen – gegen Zugeständnisse gewehrt hatte. Vor allem wegen der fehlenden Kompromissbereitschaft der Piloten sei TUI-Chef Frenzel wieder auf Air Berlin zugegangen, hieß es. Ein Komplettverkauf sei jetzt aber endgültig vom Tisch.

Bei dem jetzt geplanten Modell werde sich der Stellenabbau in vergleichsweise engen Grenzen halten, hieß es bei der TUI. Nachdem vor Monaten noch „mehrere Hundert Arbeitsplätze“ zur Disposition gestanden haben sollen, seien jetzt höchstens noch 70 der insgesamt rund 2000 Stellen gefährdet. Während für die 730 Mitarbeiter in der Kabine, die 520 Piloten und die 350 Beschäftigten in der Wartung alles beim Alten bleiben werde, könnten die 420 Stellen in der Zentrale voraussichtlich nicht alle gehalten werden, hieß es.

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