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„Wir sind bei der Sanierung noch nicht am Ziel“

Talanx-Chef im Interview „Wir sind bei der Sanierung noch nicht am Ziel“

Seit 2006 leitet Herbert K. Haas den Vorstand hannoverschen Versicherungskonzerns Talanx. Im Interview spricht er über die Fortschritte bei der Sanierung des Deutschland-Geschäfts.

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Quelle: Samantha Franson

Herr Haas, der Börsengang der Talanx-Aktie liegt jetzt fünf Jahre zurück. Sind Sie mit der Kursentwicklung zufrieden?

Ja, ich bin sehr zufrieden. Immerhin hat der Kurs um 120 Prozent zugelegt - und damit auch den entsprechenden europäischen Branchenindex überholt.

Vor einigen Jahren beklagten Sie, dass die Börse den Wert der Erstversicherungsaktivitäten von Talanx nicht angemessen bewerte. Hat sich das gebessert?

Ja, eindeutig. Ende 2015 wurde unser gesamtes weltweites Erstversicherungsgeschäft nur noch mit 800 Millionen bewertet. Das lag vor allem an den Problemen im Geschäft mit deutschen Privatkunden und in der deutschen Industrieversicherung. Der Markt honoriert inzwischen die Maßnahmen, die wir dagegen ergriffen haben. Der Anteil der Erstversicherung am gesamten Talanx-Börsenwert hat sich wieder auf 2,6 Milliarden Euro erhöht.

Ist das angemessen?

Die Bewertung ist deutlich niedriger als für andere vergleichbare Versicherer. Deshalb sehe ich immer noch Aufholpotenzial.

Die Börsennotierung und alles, was damit zusammenhängt, kosten viel Geld. Zudem stehen Sie jetzt viel stärker unter Beobachtung. Lohnt sich der Aufwand?

Klares Ja. Es ist richtig, dass die Anforderungen anspruchsvoll sind und auch allerhand Kosten verursachen. Dennoch würden wir den Börsengang sofort wieder machen. Er hat uns zu einer deutlichen Professionalisierung unseres Geschäfts verholfen. Ich bin mir sicher, dass wir uns ohne den Druck des Kapitalmarktes mehr Zeit gelassen hätten bei der Sanierung der Industrieversicherung und der inländischen Schadenversicherung. Wir müssen uns jetzt ständig am Markt beweisen, das ist gut.

Was haben Sie mit dem Geld aus dem Börsengang gemacht?

Mit den rund 820 Millionen Euro haben wir den Kaufpreis der polnischen Warta-Gruppe bezahlt. Das war ein gutes Investment.

Hat sich die Talanx-Aktie auch für die Aktionäre gelohnt?

Die Gesamtrendite aus Kursanstieg und Dividende beträgt 18 Prozent pro Jahr. Damit stehen wir nicht so schlecht da. Allerdings ist unsere Tochter Hannover Rück noch etwas besser.

Haben auch die Vorstände etwas davon?

Wir bekommen einen kleinen Teil unserer Vergütung in Aktienansprüchen ausbezahlt. Ich will nicht verhehlen, dass wir damit zufrieden sind. Ich habe aber auch privat im vergangenen Frühjahr Talanx-Aktien gekauft. Ich wollte ein Zeichen setzen, dass ich an die Aktie glaube.

Sie haben seit Jahren Probleme im Geschäft mit deutschen Privatkunden. Was läuft in dieser Sparte schief?

Zunächst ärgere ich mich immer, wenn gesagt wird, wir als traditionsreicher Industrieversicherer können das Geschäft mit Privatkunden einfach nicht. Die Schwierigkeiten betreffen nur den Bereich Schadenversicherung deutsche Privatkunden. Wir machen aber große Fortschritte bei der Sanierung.

Was bedeutet das?

Die Kosten sinken, die Sparte machte inzwischen wieder Gewinn. Allerdings sind wir noch nicht am Ziel.

Auch die Industrieversicherung machte Ihnen zeitweise keine Freude. Ist das vorbei?

Ja. Die Sanierung der Feuerindustrieversicherung trägt Früchte. Wir hatten zu viele hochexponierte Risiken in unserem Bestand, an vielen Risiken haben wir Anteile reduziert oder den Preis erhöht. Von einigen haben wir uns getrennt. Die Prämieneinbußen konnten wir durch mehr Geschäft im Ausland kompensieren.

Und wie sieht es auf den Auslandsmärkten aus?

Das Geschäft mit Privatkunden im Ausland wächst stark, im ersten Halbjahr 2017 stiegen die Prämien währungsbereinigt um 26 Prozent. Am besten geht es heute unseren polnischen Töchtern. In Brasilien bessert sich die Lage, dagegen verschlechtert sie sich in der Türkei.

Hat das etwas mit der politischen Situation zu tun?

Nein, davon merken wir derzeit nichts. Allerdings hat die Regierung dort nach einem starken Preisanstieg der Autoversicherung einen Prämiendeckel eingeführt. Das bringt die Ergebnisse unserer türkischen Tochter stark unter Druck.

Sie werden demnächst 63 Jahre alt. Denken Sie schon an den Ruhestand, und wann könnte es so weit sein?

An den Ruhestand denke ich nicht. Solange ich gesund und geistig fit bin, möchte ich weiter arbeiten.

Interview: Albrecht Scheuermann

Zur Person

Herbert K. Haas begann seine Karriere nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Berlin beim damals noch dort angesiedelten Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen. 1982 kam er zur Hannover Rück, einer Tochter des hannoverschen Versicherungskonzerns HDI, aus dem Talanx hervorgegangen ist. Dort rückte Haas 1994 in den Vorstand auf. 2002 wechselte er in den Talanx-Vorstand, den er seit 2006 leitet. Haas, geboren am 17.?Dezember 1954, stammt aus dem schwäbischen Bad Urach. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

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