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Tennet will Windkraft-Insel bauen

Nordsee Tennet will Windkraft-Insel bauen

Mit dem Bau einer künstlichen Insel mitten in der Nordsee will der niederländische Netzbetreiber Tennet die Energieversorgung der Anrainerstaaten erleichtern. Auf der Doggerbank, die 100 Kilometer von der britischen Ostküste und 150 Kilometer von der dänischen Westküste entfernt liegt, plant das Unternehmen eine Verteilerstation auf sechs Quadratkilometern Fläche. 

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„Die einzelnen Märkte miteinander verbinden“: Die Insel in der Nordsee könnte helfen.

Quelle: Tennet (Simulation)

Hannover. Sie soll den Strom von Windparks auf dem Meer nach Deutschland, Dänemark, Norwegen, Großbritannien, Belgien und Holland schicken. „Eine europäische Infrastruktur kann die Kosten für Windstrom deutlich senken“, sagte Tennet-Chef Mel Kroon am Freitag.

Der Konzern ist hierzulande einer der vier großen Netzbetreiber und hat in der Nordsee bereits einige Windparks angeschlossen. Ende vergangenen Jahres waren vor den Küsten der Europäischen Union Windkraftanlagen mit einer Kapazität von insgesamt elf Gigawatt installiert. Allerdings hat die Bundesregierung den Ausbau auf See begrenzt: Bis 2030 werden dort Anlagen mit maximal 15 000 Megawatt gefördert, das entspricht der Leistung von 15 Kohlekraftwerken.

Bei Tennet rechnet man dennoch mit einem gewaltigen Schub für die Windkraft in der Nordsee. Auf der künstlichen Insel sind Konverter mit einer doppelt so großen Kapazität vorgesehen: Sie sollen den von Windmühlen erzeugten Wechselstrom in Gleitstrom umwandeln, um ihn möglichst verlustarm ans Festland transportieren zu können. Zurzeit übernehmen diese Aufgaben spezielle Plattformen auf dem Meer. Eine eigene Insel böte jedoch ganz andere Möglichkeiten, heißt es bei Tennet: Der Strom müsste hier nicht nur in eine Richtung fließen – das Eiland könnte als eine Art Makler dienen und beispielsweise auch Energie aus Großbritannien nach Deutschland liefern oder umgekehrt.

Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die sechs beteiligten Länder überein kämen, dass der in den nationalen Windparks erzeugte Strom nicht unbedingt in die Heimatländer fließe, sagte Vorstandschef Kroon. Hoffnung schöpft man bei Tennet aus der Anfang der Woche veröffentlichten Erklärung der Nordseeanrainerstaaten, die eine engere Kooperation in der Energieversorgung anstreben. „Die einzelnen Märkte sollten gut miteinander verbunden werden und die Elektrizität dahin fließen, wo sie gebraucht wird“, heißt es darin.

Ein Knackpunkt bei den Tennet-Plänen sind jedoch die Kosten. Der Bau des sogenannten Nordlink, der den Austausch von Ökostrom zwischen Norwegen und Deutschland vereinfachen soll, wird auf knapp 2 Milliarden Euro veranschlagt. Die Kapazität dieser Leitung ist auf 1400 Megawatt ausgelegt – die Insel auf der Doggerbank zielt hingegen auf mehr als das Zwanzigfache. Ob das auch für die Kosten gilt, wollte ein Tennet-Sprecher nicht sagen: „Dafür ist es noch zu früh.“ Bei den Plänen handele es sich um eine Vision für den Zeitraum 2030 bis 2050. Es zeichne sich aber ab, dass ein Insel-Drehkreuz kostengünstiger sei als die individuelle Anbindung der einzelnen Parks an die jeweils nationalen Netze.

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