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Niedersachsen Tschechen kaufen Enercity-Kraftwerk Mehrum
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Tschechen kaufen Enercity-Kraftwerk Mehrum
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00:15 04.09.2017
Von Albrecht Scheuermann
Das Kraftwerk Mehrum wurde verkauft. Quelle: Stratenschulte/Archiv
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Hannover

Die Stadtwerke Hannover (Enercity) verkaufen das Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine an einen tschechischen Energiekonzern. Zugleich erwerben sie einen großen Projektierer und Betreiber von Windparks. Dadurch baut das hannoversche Unternehmen den Anteil der erneuerbaren Energien bei seiner Stromerzeugung stark aus. Dies ist wichtiger Teil der neuen Unternehmensstrategie.

Enercity-Chefin Susanna Zapreva gab gestern eine Einigung mit der tschechischen Holding EPH bekannt. Mitte September sollen die Verträge über den Verkauf des Kraftwerks Mehrum unterschrieben werden. Über die Konditionen sei Stillschweigen vereinbart worden. Die 120 Mitarbeiter hätten durch den Eigentümerwechsel bei dem Kraftwerk nichts zu befürchten, hieß es. Ihre Interessen seien weiterhin geschützt.

Verkauf sinnvollste Variante

Das Steinkohlekraftwerk schreibt seit Längerem rote Zahlen. Deshalb dachte man bei Enercity schon einige Zeit über einen Verkauf oder sogar eine Stilllegung nach. Diese Optionen sowie den Weiterbetrieb in eigener Regie habe man in den vergangenen Monaten gründlich geprüft. Der Verkauf habe sich als die sinnvollste Variante herausgestellt, sagte Zapreva.

EPH ist ein großer tschechischer Energiekonzern, der schon länger auch in Deutschland aktiv ist. Ihm gehören hier Kohlekraftwerke und Braunkohle-Reviere vor allem in Ostdeutschland. Auch der inzwischen stillgelegte Braunkohleabbau bei Helmstedt sowie das dortige, nur noch als stille Reserve dienende Kraftwerk Buschhaus zählen dazu.

Die Stadtwerke Hannover besitzen 83 Prozent von Mehrum - die restlichen Anteile liegen bei der Braunschweiger Versorgungs-AG. Nach Angaben von Enercity-Finanzvorstand Marc Hansmann steht das Kraftwerk noch mit über 40 Millionen Euro in der Stadtwerke-Bilanz. Die entsprechende Abschreibung könne das Unternehmen aber gut verarbeiten, wobei auch das „ausgezeichnete“ Ergebnis des ersten Halbjahrs helfe. Der Nettogewinn kletterte von 58 auf 90 Millionen Euro.

"Zweistelliger Millionenbetrag"

Mit dem ebenfalls gestern verkündeten Kauf der Ventotec-Gruppe in Leer wird das hannoversche Unternehmen laut Zapreva zu einem der führenden Akteure des Onshore-Windmarktes - also bei der Stromerzeugung mit Windrädern, die auf dem Festland errichtet sind. Durch den Erwerb steigere Enercity den Windkraftanteil an der Stromerzeugung von 200 Gigawattstunden pro Jahr auf über 560 Gigawattstunden. Einschließlich der noch zu realisierenden Projekte klettere die Strommenge auf deutlich mehr als 1000 Gigawattstunden jährlich. Wie viel das hannoversche Unternehmen für Ventotec zahlen muss, wollte Zapreva nicht sagen. Der Kauf werde jedoch schon im nächsten Jahr den Konzerngewinn um einen „zweistelligen Millionenbetrag“ erhöhen.

Anteil erneuerbarer Energien erhöhen

Das Energieunternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2035 auf 53 Prozent zu erhöhen. Durch die Veräußerung von Mehrum und den Kauf von Ventotec werde der Anteil schon in wenigen Jahren über 30 Prozent erreichen, hieß es. Derzeit sind es rund 16 Prozent. „Wir haben unsere Erzeugung noch nie so stark umgebaut“, sagte Hansmann.

Ventotec wurde im Jahr 1998 gegründet. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bisher 425 Windenergieanlagen mit einem Investitionsvolumen von über einer Milliarde Euro errichtet. Es bezeichnet sich als einen der größten Projektierer und Betriebsführer im Bereich erneuerbare Energien in Deutschland. Die von Ventotec errichten Windparks liegen überwiegend in Ostdeutschland.

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