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Niedersachsen Konzern verkraftet heißen Sommer gut
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Konzern verkraftet heißen Sommer gut
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00:20 16.12.2018
Tui-Chef Friedrich Joussen ist auch für 2019 optimistisch. Quelle: dpa
Hannover

Weder der heiße Sommer in Nord- und Mitteleuropa noch die Schwäche des britischen Pfundes haben die Tui von ihrem Wachstumskurs abbringen können: Während der Umsatz im Ende September beendeten Geschäftsjahr 2017/18 um rund 5 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro zulegte, stieg der Gewinn um knapp 14 Prozent auf 733 Millionen Euro. „Wir sind in der Spur“, sagte Vorstandschef Friedrich Joussen am Donnerstag bei der Bilanzvorlage. „Wir gewinnen mehr Kunden, erhöhen unseren Marktanteil und werden profitabler.“ Die Dividende soll von 65 auf 72 Cent je Aktie steigen.

Ohne das warme Wetter in den Ferienmonaten hätte der Konzern noch mehr Geld verdienen können: In Skandinavien, Großbritannien und Deutschland verzichteten wegen der ungewöhnlich hohen Temperaturen mehr Menschen auf eine Reise in den Süden als sonst – andere buchten ihren Urlaub erst vergleichsweise spät. Das beförderte den Preiskampf bei Last-Minute-Reisen und drückte auf die Margen der Veranstalter. Auch zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen wegen Lotsenstreiks und Engpässen bei den Sicherheitskontrollen wirkten sich negativ auf die Marge aus. So schrumpfte das operative Ergebnis im Bereich „Märkte und Airlines“ um 14 Prozent auf 453 Millionen Euro.

Auch der geplante Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union macht dem Konzern zu schaffen, der etwa ein Drittel seines Geschäfts im Vereinigten Königreich erwirtschaftet. Obwohl die Zahl der Gäste in der Region Nord, zu der auch Skandinavien zählt, um 2,4 Prozent nach oben ging, fiel der bereinigte operative Gewinn um mehr als ein Viertel auf 254 Millionen Euro. Als Hauptgrund dafür nannte die Tui den Absturz des Pfund-Kurses: Ein Großteil der Kosten – etwa für die Hotels in den Zielgebieten – entstehe in Euro und Dollar.

Trotz der politischen Turbulenzen in London hofft die Tui darauf, dass es Ende März 2019 nicht zu einem „harten Brexit“ kommt – also zu einem Ausscheiden der Briten aus der EU ohne vertragliche Regelungen für die Zukunft. Ein solches Szenario könnte insbesondere für die Fluggesellschaften des Konzern zu einem Problem werden: EU-Fluglinien müssen zu mehr als 50 Prozent Eigentümern aus der Europäischen Union gehören – diese Quote würde der Konzern wegen seines russischen Großaktionärs Alexej Mordaschow und diverser britischer Finanzinvestoren unterschreiten. Tuifly & Co. könnten damit den Zugang zum europäischen Luftraum verlieren.

Im Geschäftsbericht wird der Brexit als „aktives Hauptrisiko“ eingestuft – der Konzern betreibe aber „weiterhin Lobbyarbeit“ bei Regierungen und Aufsichtsbehörden, „um die anhaltende Bedeutung eines liberalisierten und deregulierten Luftverkehrsmarkts in Europa und den Schutz der Flugangebote für Verbraucher in beiden Regionen zu betonen“, heißt es dort. Die Erfolgsaussichten wollte Joussen nicht bewerten: Man bereite sich auf „verschiedene Szenarien“ vor, sagte er lediglich. Nach heutigem Stand seien die Risiken beherrschbar.

Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich der Tui-Chef daher zuversichtlich. Der Konzern wolle sein operatives Ergebnis 2018/19 erneut mindestens um 10 Prozent steigern – die Bereiche Hotels und Kreuzfahrten blieben die Wachstumssäulen: Die Buchungen für Häuser in der Türkei und Nordafrika zögen wieder deutlich an, hieß es. Die spanischen Hotel seien weiter gut ausgelastet. Während die Buchungen und Preise für die Wintersaison den Angaben zufolge noch leicht unter Vorjahresniveau liegen, zeichnet sich für den Sommer bereits ein besseres Geschäft ab.

Von Jens Heitmann

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