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Tuifly-Chef gibt Mitarbeitern Standort-Garantie

Neuordnung Fluggeschäft Tuifly-Chef gibt Mitarbeitern Standort-Garantie

Eine Standort- und Tarifgarantie bei der geplanten Neuordnung des Fluggeschäfts hat die Geschäftsführung des Ferienfliegers Tuifly hat den Mitarbeitern gegeben. Geschäftsführer Jochen Büntgen versicherte in einem Brief, dass Hannover der Sitz der Gesellschaft bleibe.

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Quelle: dpa/Symbolbild

Hannover. In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief an die Mitarbeiter betonte Geschäftsführer Jochen Büntgen am Dienstag: "Gerüchte über eine Verlagerung des Sitzes der Gesellschaft sind falsch; Tuifly ist eine deutsche Gesellschaft, die auch in Zukunft weiter am Standort Hannover operieren wird." Büntgen, der nach diesen Angaben in einem möglichen neuen Verbund die operative Führung übernehmen würde, betonte zudem: "Unser Unternehmen Tuifly soll auch in einem möglichen neuen Verbund als Gesellschaft erhalten bleiben."

Damit würden bestehende Tarifverträge unberührt bleiben, hieß es weiter. Entscheidungen seien bisher nicht getroffen, zunächst würden zeitnah intensive Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern geführt. Wörtlich heißt es in der Erklärung: "Stimmen, die behaupten, Tuifly solle "abgewickelt werden" oder es solle eine "Bad Bank" gegründet werden, sind falsch." Am Freitag war bekanntgeworden, dass Tuifly in eine neue Dachholding mit einer anderen Airline integriert werden soll. Arbeitnehmervertreter fürchten Job-Verluste - am Tuifly-Sitz in Hannover fanden daher am Dienstag Krisensitzungen statt, zu denen am Nachmittag Tuifly-Aufsichtsratschef Henrik Homann erwartet wurde. Nach Medien-Berichten könnten allerdings die 41 Flieger aus dem Reich des Touristik-Konzerns Tui in einer neuen Holding-Gesellschaft aufgehen, die möglicherweise in Österreich angesiedelt wird.

Am Wochenende und auch am Dienstag waren viele Urlaubsflüge von deutschen Flughäfen verspätet gestartet. Für viele Fluggäste der Gesellschaften Tuifly und Air Berlin hat die Reise auch am Dienstag vereinzelt mit stundenlangen Verspätungen begonnen. Tuifly begründete die Beeinträchtigungen des Flugbetriebs mit kurzfristigen Krankmeldungen ihrer Flugzeugbesatzungen.

dpa

Fragen und Antworten

Was befürchten die Beschäftigten?

Vor allem bei den Beschäftigten der Tuifly schrillen die Alarmglocken. Letztlich steht der gesamte Standort Hannover mit seiner Verwaltung und den Besatzungen der Jets auf dem Spiel. "Manche haben die blanke Angst in den Augen", sagt ein Gewerkschafter. Wenn die Tuifly-Flugzeuge mit der Air-Berlin-Tochter Niki in einem neuen Ferienflieger aufgehen würden, würde einiges von der rechtlichen Konstruktion abhängen, über die noch keine Klarheit besteht. Als Mehrheitseigner soll Medien zufolge eine Stiftung österreichischen Rechts geplant sein, die mit der Niki auch über einen Flugbetrieb (AOC) in der Alpenrepublik verfügen würde. Deren Tarifbedingungen liegen aus historischen Gründen deutlich unter denen bei der Air Berlin oder der Tuifly. Das wirtschaftliche Sagen bei der neuen Gesellschaft hätte der Air-Berlin-Finanzier Etihad.

Warum Österreich?

Der zweite deutschsprachige EU-Staat mit attraktiven Flugrechten vor allem nach Osteuropa entwickelt sich immer mehr zum gelobten Land deutscher Luftverkehrsmanager. Vorreiter war die Lufthansa nach der Übernahme der Austrian Airlines (AUA). Über einen zwischenzeitlichen Betriebsübergang auf die Tochter Tyrolean gelang es dem Konzern, die alten AUA-Kollektivverträge auszuhebeln und geringere Bedingungen durchzusetzen. Bei Niki waren lange Zeit nur Leiharbeitskräfte an Bord, so dass die Gewerkschaft Vida bei den nun üblichen Direktanstellungen sehr niedrige Gehälter akzeptieren musste. Bei der Etablierung des europaweiten Lufthansa-Billigfliegers Eurowings spielt ebenfalls eine österreichische Stiftung eine Rolle, die Eigentümer der Gesellschaft Eurowings Europe in Wien ist. Sie betreibt im Eurowings-Verbund eine wachsende Zahl von Flugzeugen, die nicht nach deutschem Tarifrecht besetzt werden müssen. Die Verhandlungen zu einem eigenen Kollektivvertrag mit der Gewerkschaft Vida sind immer noch nicht abgeschlossen.

Welche Rolle spielen bislang die Gewerkschaften?

Sie können im Flugzeug-Monopoly nur reagieren und müssen abwarten, welche genauen Pläne von den Eigentümern der Fluggesellschaften umgesetzt werden. Man stehe im engen Kontakt mit Verdi, sagt der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Markus Wahl. Der VC-Vize und Tuifly-Aufsichtsrat Martin Locher hatte bereits in der vorvergangenen Woche erbitterten Widerstand gegen die Österreich-Pläne angekündigt. Auch Christine Behle von Verdi hat sich strikt gegen einen Verkauf der Tuifly gestellt. Eine Verantwortung für die zahlreichen Flugausfälle zu Wochenbeginn wegen fehlender Crews wollen die Gewerkschaften allerdings nicht übernehmen. "Damit haben wir nichts zu tun", sagt Wahl.

Warum fühlt sich die Ufo ausgebootet?

Die Kabinengewerkschaft Ufo ist sowohl bei der Air Berlin als auch bei der Tuifly nicht besonders stark vertreten, hat dort aber einige Mitglieder. Trotz etlicher Hakeleien im Lufthansa-Konzern fordert die Spartengewerkschaft eine engere Kooperation und kritisiert den von Verdi abgeschlossenen Kabinen-Manteltarifvertrag bei der Air Berlin. Der werde niemanden schützen, wenn der Flugbetrieb auf andere Gesellschaften übergehe, sagt Ufo-Tarifexperte Nicoley Baublies. Zielführender sei eine konzernübergreifende Zusammenarbeit zur Vermeidung von Entlassungen. So werde die Lufthansa im kommenden Jahr erneut tausende Flugbegleiter einstellen und könne so auch Arbeitsplätze für Beschäftigte der Air Berlin/Tuifly bieten.

Wie geht es weiter?

Die niedrigeren Tarifbedingungen in Österreich könnten die Eigentümer locken, dort neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Nach Angaben von Verdi sind die Löhne etwa bei der Airline Niki mehr als 20 Prozent niedriger als bei Tuifly. Gleichzeitig versichert die Geschäftsleitung in einem internen Schreiben, dass Tuifly auch in einem möglichen neuen Verbund als Gesellschaft erhalten bleibe und weiterhin am Standort Hannover operiere. Bei den wirtschaftlich eng verknüpften Gesellschaften Air Berlin und Tuifly geht es für die Beschäftigten um die Existenz, so dass VC und Verdi einen Krisenstab gegründet haben und Verhandlungen mit dem Management suchen. Ob sie dafür die Ufo und vielleicht auch grenzübergreifend die österreichische Vida mit einbeziehen, bleibt abzuwarten. Streiks scheinen in der angespannten Lage nicht ausgeschlossen.

dpa

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Flugausfälle bei Tuifly
Foto: Fast die Hälfte seiner Flüge musste Tuifly am Donnerstag wegen zahlreicher Crew-Krankmeldugen streichen.

Bei Tuifly haben sich zahlreiche Piloten und Flugbegleiter krank gemeldet. Der Arbeitgeber könnte das als wilden Streik gegen den geplanten Unternehmensumbau auffassen. Nur beweisen lässt sich das kaum. Und auch tun kann das Unternehmen dagegen kaum etwas.

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