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Niedersachsen Tupperware gibt es bald auf dem Wochemarkt
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Tupperware gibt es bald auf dem Wochemarkt
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00:16 08.06.2017
Das Geschäft mit den Plastikwaren funktioniert über Verkaufspartys - doch bei der Suche nach Gastgebern stößt Tupperware offenbar an Grenzen.
Hannover

Bisher war dies unumstößlich: Die Haushaltswaren der Firma Tupperware gibt es in Deutschland nur bei den berühmten Verkaufspartys. Doch jetzt schlägt der Hersteller von Schüsseln, Schabern und Hackern neue Wege ein: Auf Wochenmärkten, in Einkaufsstraßen und Supermärkten will das Unternehmen bis Ende Juli für sich werben - vor allem, um neue Gastgeber für die Tupperpartys zu gewinnen. Dort bietet das Unternehmen auch eine begrenzte Produktauswahl zum Verkauf an.

Mit der bundesweiten Aktion will Tupperware „neue Käuferschichten finden“, wie Michael Raffel aus dem Marketing des Unternehmens sagt. Dass die Plastikwaren in Deutschland bisher lediglich auf Verkaufspartys in privaten Wohnzimmern erhältlich waren, hat vor allem einen Nachteil: „Das Unternehmen Tupperware ist daher schlecht erreichbar“, sagt Raffel. „Wir haben ja keine Läden.“

Das Geschäft mit der Plastikware funktioniert nur, wenn es genügend Verkaufspartys gibt. Jede davon braucht einen Gastgeber. In dessen Wohnzimmer preist der sogenannte Partymanager die Produkte an. Inzwischen müsse sich das Unternehmen nach neuen Veranstaltern umsehen, sagt Raffel. Diese sollen wiederum Gäste einladen, die bisher noch keine Tupperparty besucht haben. So will man neue Kunden gewinnen. Zusätzlich steigt auf diesem Weg auch die Zahl der Partys insgesamt.

Reger Wechsel bei den Partymanagern

Die Verkaufsparty ist die beliebteste Form im sogenannten personenbezogenen Vertrieb. Nach Angaben des Bundesverbands Direktvertrieb Deutschland (BDD) haben 72 Prozent der eigenen Mitglieder im vergangenen Jahr auf diesem Weg ihre Waren verkauft. Andere Formen sind der Hausbesuch eines Vertreters, der etwa einen Staubsauger verkaufen will, oder Lieferdienste, die regelmäßig Konsumgüter wie tiefgekühlte Lebensmittel nach Hause liefern. Unternehmen, die den Großteil ihrer Waren auf Verkaufspartys an den Endkunden brachten, hätten ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent steigern können, teilt der BDD mit.

Fast so bekannt wie die von Tupperware sind die Verkaufspartys der Firma Vorwerk für das Küchengerät Thermomix. Nur der Name ist anders: „Erlebniskochen“ nennt Vorwerk die Veranstaltung. Die Nachfrage sei groß, berichtet Sprecherin Claudia Blum. Der Umsatz mit dem Thermomix sei 2016 in Deutschland um 7 Prozent auf 385 Millionen Euro gestiegen. Bei Vorwerk gilt das gleiche Prinzip wie bei den Tupperpartys: Ein Gastgeber lädt Freunde ein, ein Vertreter stellt das Produkt vor und hofft am Ende auf viele Verkäufe. Weltweit hat Vorwerk 45 500 Repräsentanten, jeden dritten in Deutschland.

Tupperware hat auch mit einem regen Wechsel bei den Partymanagern zu kämpfen. „Viele machen das nur ein halbes Jahr“, sagt Raffel. Die meisten Vertriebler arbeiteten nebenberuflich und hätten dafür ein Gewerbe angemeldet. Hauptberufliche Partymanager gebe es auch, diese seien aber deutlich in der Unterzahl. Die Gastgeber werden mit einem Produktgeschenk gelockt, die Partymanager erhalten eine Provision - knapp ein Viertel des Umsatzes.

In anderen Ländern ist Tupperware schon länger von seinem strikten Kurs abgewichen, seine Plastikgefäße ausschließlich auf Verkaufspartys anzubieten. In China gibt es nach Firmenangaben etwa 5600 Studios, in denen die Produkte ausliegen. Sie sollen als Treffpunkt für Verkäufer und Kunden dienen, Waren werden vorgeführt und getestet. In Zukunft soll es auch in Deutschland derartige Tupperware-Studios geben.

Von Nils Oehlschläger

Chronologie: Tupperware und die Partys

 1939: Earl S. Tupper gründet die Tupper Plastics Company.
1946: Aus der Tupper Plastics Company wird die Tupperware Company. Auch die erste strapazierfähige Plastikschale kommt auf den Markt. In den Geschäften wird diese jedoch kaum gekauft.
1948: Verkäuferin Brownie Wise entwickelt das Modell der Tupperpartys. Auf ihnen präsentiert Wise anschaulich, wie die Plastikbehälter funktionieren. Die Ware ist nun ausschließlich im Direktvertrieb erhältlich.
1951: Die Verkaufspartys ziehen inzwischen überall viele Hausfrauen an. Die ersten „Tupperladies“ werden rekrutiert. Brownie Wise wird Leiterin der Verkaufsabteilung und Vizepräsidentin von „Tupperware Home Parties“.
1958: Gründer Earl S. Tupper störte sich am Ruhm von Brownie Wise und feuerte sie. Monate später verkauft er sein Unternehmen und zieht sich in den Ruhestand zurück. Tupperware-Produkte werden weiterhin auf den beliebten Verkaufspartys veräußert.
1962: Tupperware Deutschland wird gegründet.
1996: Die Tupperware Brands Corporation geht an die Börse.

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