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Niedersachsen China kontert Trump
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15:43 06.07.2018
Die US-Wähler jubeln Präsident Donald Trump auch nach der Verhängung weiterer Strafzölle zu. Quelle: dpa
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Washington/Peking

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist eskaliert. Nachdem US-Präsident Donald Trump Sonderabgaben von 25 Prozent auf Einfuhren aus China im Wert von 34 Milliarden Dollar verhängt hatte, konterte Chinas Zoll am Freitag umgehend mit eigenen Sonderzöllen auf Einfuhren aus den Vereinigten Staaten in ähnlichem Umfang. Man sehe sich zum „notwendigen Gegenangriff“ gezwungen, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums in Peking. Die USA hätten „den größten Handelskrieg in der Wirtschaftsgeschichte“ eingeläutet.

Von Chinas Strafzöllen sind landwirtschaftliche Produkte wie Sojabohnen, Fisch, Schweinefleisch, Rindfleisch, Molkereiprodukte betroffen. Die Regierung in Peking zielt damit auf die Wählerschaft von Trump im ländlichen Raum. Höhere Zölle werden aber auch auf Autos erhoben. Darunter leiden vor allem deutsche Autobauer wie Daimler und BMW, die den größten Automarkt in China auch von ihren Werken in den USA aus beliefern. Daimler gab bereits eine Gewinnwarnung. Fast jeder fünfte BMW, der in China verkauft wird, kommt aus den USA.

Trump zeigte sich von dem Konter aus der Volksrepublik unbeeindruckt – und hat bereits eine weitere Eskalation angedroht. Zunächst kämen die Zölle für Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar zum Einsatz, sagte der Präsident. „Und dann haben wir weitere 16 (Milliarden) in zwei Wochen“, fügte er hinzu. „Und dann sind wir, wie bekannt ist, auf weitere 200 Milliarden eingestellt, und nach den 200 Milliarden sind wir auf 300 Milliarden eingestellt.“

Die jetzt verhängten Zölle treffen nach chinesischen Angaben zu 59 Prozent ausländische Unternehmen, die in China aktiv sind. Betroffene US-Firmen kritisierten die Strafzölle auch als „kontraproduktiv“. „Es gibt keine Gewinner in einem Handelskrieg“, sagte der Vorsitzende der US-Handelskammer in China, William Zarit. Die 900 in China tätigen US-Unternehmen litten unter unfairen Wettbewerbsbedingungen – aber wachsende Spannungen behinderten ihre Tätigkeiten in China. Beide Seiten sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren, forderte Zarit.

Ökonomen befürchten, dass sich der Konflikt zwischen China und den USA zu einem unkontrollierbaren Handelskrieg auswächst. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die betroffenen Handelsvolumina derzeit zwar noch als zu klein an, als dass dies allein zu größeren Problemen für die Weltwirtschaft führen könnte. Eine weiter rotierende Eskalationsspirale können jedoch die Märkte spürbar verunsichern, hieß es.

Ein ausgewachsener Konflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften mit Strafzöllen auf den gesamten Handel könnte nach Schätzungen von Experten das Wachstum in beiden Ländern in diesem Jahr um 0,2 oder 0,3 Prozentpunkte verringern – und im nächsten Jahr um einen halben Prozentpunkt.

 

Von Andreas Landwehr und Michael Donhauser

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