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Im Unternehmen Connox gibt es keinen Chef

Neue Organisationsformen Im Unternehmen Connox gibt es keinen Chef

In den Räumen von Connox am Aegidientorplatz wirkt vieles nicht normal. Das junge Unternehme erprobt neue Organisationsformen. Auch viele andere Konzerne sind interessiert. 

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Bei Connox haben fast alle Mitarbeiter einen Laptop und keine festen Abteilungen mehr.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Auch andere Dinge fallen auf: Als Erstes wundert man sich über das Alter der Mitarbeiter. Kaum jemand sieht aus, als wäre er älter als 30. Außerdem fallen die blanken Schreibtische auf: Abgesehen von Laptops, Bildschirmen und Tastaturen sind sie leer - keine Zettel, keine Zeitschriften, kein Krimskrams. Die Absicht dahinter erklärt Thilo Haas, der Gründer des Online-Händlers für Designermöbel: „Das Konzept der leeren Tische ermöglicht unseren Mitarbeitern, immer dort zu arbeiten, wo sich ihr Kreis gerade befindet.“ Denn bei Connox gibt es keine Abteilungen und auch keine Abteilungsleiter mehr. Stattdessen gibt es „Kreise“.

Unternehmen Connox erprobt neue Organisationsformen - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Bei diesen Kreisen handelt es sich um Teams, in denen Mitarbeiter sich eigenverantwortlich um eine Aufgabe kümmern, zum Beispiel um den Newsletter oder die Startseite des Online-Shops. Jeder Mitarbeiter kann „Rollen“ in mehreren Kreisen übernehmen. Viele wechseln deshalb mehrmals pro Woche den Platz. Krimskrams würde dabei nur stören.

Haas und sein Mitgründer Kristian Lenz führten die Struktur 2015 ein. Damit sind sie bundesweit einer der Vorreiter bei der „Holacracy“ oder „Holokratie“, wie das System in der Fachliteratur heißt. Im Alltag genutzt wird es bislang vor allem von Start-up-Unternehmen wie Soulbottles aus Berlin und relativ kleinen Firmen wie Connox. Aber auch die ersten Konzerne sammeln Erfahrungen: Die Deutsche Bahn lässt einige Abteilungen holokratisch arbeiten.

Der Unternehmensberater Dennis Wittrock berichtet von stetig steigendem Interesse an den neuen Arbeits- und Organisationsformen. Im Herbst werde er Holokratie-Workshops in zwei Dax-Konzernen durchführen. Firmen aus allen möglichen Branchen hätten bewiesen, dass Holokratie funktioniert.

Die Connox-Gründer entschieden sich für den Ansatz, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können. „Die klassische Pyramidenstruktur ist extrem träge“, sagt Haas. Dort müsse ein Mitarbeiter, wenn er eine Idee habe, zunächst seinen Chef überzeugen. Dieser müsse dann oft noch andere Abteilungen begeistern.

„So könnten wir keinen Erfolg haben. In unserer Branche prasseln ständig Impulse auf uns ein“, sagt er. Zum Beispiel führe Facebook alle zwei Wochen ein neues Format für Online-Werbung ein. Haas beschreibt seine Kreise als „kleine Start-ups, die autark arbeiten“. Im Kreis für den Newsletter zum Beispiel arbeiten Experten für Marketing, Programmieren und Kundenservice. „Dieses Team hat alles, was es für seine Aufgabe braucht, es muss sich nirgends rückversichern“, betont der Gründer. In jedem Kreis sitzt ein „Lead Link“, der Mitstreiter rekrutieren darf. Er achtet auch darauf, dass die anderen Mitglieder ihre Arbeit erledigen. „Tut jemand das nicht, kann der Lead Link ihn ersetzen“, sagt Haas.

Weisungsrechte und Personalverantwortung haben die Lead Links allerdings nicht. Alle Personalgespräche führen die beiden Gründer und einige weitere, darauf spezialisierte Kollegen.

Die Sache mit dem Gehalt

Aber wie zufrieden sind die Mitarbeiter? Natürlich wünsche sich manch einer klare Anweisungen statt Eigenverantwortung, räumt Haas ein. Bei Connox habe es aber seit der Umstellung kaum Abgänge gegeben. Auch die fünf ehemaligen Teamleiter seien noch alle an Bord.

Der Berater Dennis Wittrock glaubt, dass junge Menschen das eigenverantwortliche Arbeiten „sehr attraktiv“ finden. Trotzdem sei die Holokratie ein „zweischneidiges Schwert“: Denn wer sich im Anschluss wieder bei einem hierarchischen Unternehmen bewerbe, könne keinen wohlklingenden Titel wie „Head of XY“ vorweisen.

„Wir haben keine Pyramide, in der man aufsteigt, sondern Kreise, in denen man sich bewegt“, sagt Thilo Haas. Trotzdem müssten sich die Mitarbeiter weiterentwickeln und könnten Gehaltssprünge machen. „Über das Gehalt entscheidet die Kompetenz, nicht die Hierarchiestufe.“ Von der Arbeit seiner Kreise ist Haas jedenfalls begeistert. „Wir wachsen schneller, wir haben eine super Reaktionsquote.“ 2015 hatte Connox 40 Mitarbeiter, heute sind es 110. Auch der Umsatz hat sich mehr als verdoppelt. „Der Erfolg gibt uns recht“, sagt Haas.

Der Erfolg von Connox

Connox ist einer der größten Online-Shops für Designermöbel und Wohnaccessiores. Die beiden Gründer, Thilo Haas und Kristian Lenz, gingen gemeinsam in Burgdorf zur Schule. Beim zehnjährigen Abiturtreffen fassten sie "fast schon als Schnapsidee" den Plan, in die Online-Branche einzusteigen, erinnerte sich Haas. 2005 ging ihr Shop ins Netz, mit einem Sortiment aus fünf Produkten. 

Anders als die meisten Start-ups schafften sie den Durchbruch ohne Fördermittel oder Investorengeld. Mittlerweile hat Connox 110 Mitarbeiter, der Jahresumsatz soll bis 2021 auf 50 Millionen Euro steigen. Dabei setzt Haas vor allem auf Software und Datenanalyse. 

"Im E-Commerce ist der erfolgreich, der technologisch am besten ist. Die Handelskompetenz wird eher weniger wichtig", sagt der 45-Jährige.

von Christian Wölbert

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