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Unternehmen buhlen um die besten Azubis in Niedersachsen

Fachkräftemangel Unternehmen buhlen um die besten Azubis in Niedersachsen

Noch gibt es mehr Bewerber als freie Stellen - um die besten Schüler buhlen die Unternehmen allerdings schon.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover/Braunschweig. Hieß es in den vergangenen Jahren stets, die Schüler müssten sich anstrengen, so müssen sich nun auch die Unternehmen bemühen: „Firmen können nicht mehr einfach auf den Topkandidaten warten, sie müssen selbst attraktive Ausbilder werden“, sagt Sonja Kazma von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Derzeit sind in Niedersachsen noch rund 13 500 und in Bremen knapp 1100 offene Lehrstellen gemeldet. Das seien in Niedersachsen etwa 30,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch wenn die Zahl der Bewerber in Niedersachsen mit rund 17.300 noch über der Zahl der Ausbildungsplätze liege, so sei der Trend doch klar zu erkennen: Für die offenen Lehrstellen gibt es immer weniger Schüler. Eine Beobachtung, die auch Roderich Stinzing teilt: „Die Unternehmen sind sich dessen bewusst“, sagt der Geschäftsführer des Flensburger „Instituts für Talententwicklung“, das bundesweit die Fachmesse „Vocatium“ für Beruf und Studium organisiert. Er habe bereits Anfragen aus Spanien, wo die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist, Messen für den deutschen Markt zu veranstalten.

3500 Schüler aller Schultypen haben sich in Braunschweig zur „Vocatium“ angemeldet. Sie suchen für 2012 eine Stelle. In den Schulen haben sie sich vorbereitet und gezielt mit zwei bis vier Firmen einen Termin vereinbart. Auch Behörden wie die Bundesagentur für Arbeit und Organisationen wie die Handwerkskammern stehen bereit. Während die Messen früher vor allem den Schülern zur Orientierung dienten, nutzen immer mehr Firmen die Veranstaltung, um sich präsentieren zu können.

So ist auch Michaela Grüßing von der Drogeriekette Rossmann dabei. Dass das Unternehmen neben Einzelhandelskaufleuten auch Immobilienkaufleute, Fachkräfte für Logistik oder Wirtschaftsinformatiker ausbildet, das sei nicht jedem bekannt. „Wir bilden in 28 Berufen aus, dass wollen wir den Schülern hier nahe bringen“, begründet sie die Teilnahme an „Vocatium“.

„Es gibt zwar noch genug Bewerber, aber nicht mehr soviel, dass wir eine elegante Auswahl treffen können“, beschreibt ein Mitarbeiter der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) die Situation. Wie Roissmann, so haben auch PTB und der Kräuterlikörhersteller Jägermeister eine breitere Palette an Ausbildungsberufen zu bieten, als vielen im ersten Moment einfällt. „Da wir Alkohol herstellen, dürfen wir auch niemanden unter 18 Jahren einstellen“, beschreibt Isabelle Nawracala von Jägermeister die spezielle Situation des Unternehmens.

„Wir brauchen die Auszubildenden ganz dringend, gerade die kleinen und mittleren Betriebe merken den demografischen Wandel schon jetzt stark“, sagte Manfred Pohle von KIM, einem Zusammenschluss von mehreren mittelständischen Maschinenbau-Firmen.

Auch den sonst eher vernachlässigten Hauptschülern wenden sich Unternehmen und Kammern auf der „Vocatium“ stärker zu als in den Vorjahren: „Die Hälfte aller Auszubildenden im Handwerk sind Hauptschüler“, betont Klaus-Peter Thon von der Handwerkskammer Braunschweig. Insbesondere in den seit Jahren nicht so begehrten Berufen wie Bäcker oder Fleischer werde es immer schwieriger.

Sonja Kazma von der Bundesagentur für Arbeit bestätigt, dass im Bereich der Lebensmittelberufe noch viele Stellen offen sind. Bei den Klassikern - vom KFZ-Mechaniker bis zur Friseurin - sei es dagegen schwieriger eine Ausbildungsstelle zu ergattern. Kazma wünscht sich mehr Kompromissbereitschaft bei den jungen Leuten. Aber auch an die Meister appelliert sie: „Trotz schlechtem Zeugnis hat manch ein Kandidat einiges zu bieten“, sagt sie. Wenn es an der einen oder anderen Stelle noch hapern sollte, so könne auch die Arbeitsagentur helfen, zum Beispiel mit der Kostenübernahme für Nachhilfeunterricht.

dpa

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