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Unternehmen kritisieren zu hohe Produktionskosten

Niedersachsens Wirtschaft Unternehmen kritisieren zu hohe Produktionskosten

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat in seiner Standortanalyse für Niedersachsen ein Bruttoinlandsprodukt errechnet, das pro Kopf fast 3500 Euro unter dem Bundesschnitt liegt. Die Abhängigkeit von der Autoindustrie ist ein Grund für die Investitionsschwäche im Land. Immer mehr Unternehmen verlagern Tätigkeiten ins Ausland.

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Golf-Produktion in Wolfsburg: Die heimische Industrie steht und fällt mit der Autokonjunktur.

Quelle: afp

Hannover . Die Industrie gilt als wichtigster Wachstumsmotor einer Volkswirtschaft: hohe Wertschöpfung, weltweite Absatzchancen, lukrative Löhne. Gerade in den Jahren nach der Finanz- und Wirtschaftskrise hat Deutschland von seinem vergleichsweise hohen Industrieanteil profitiert – schnell zogen die Geschäfte wieder an, die Krise war nur eine kurze Episode.

Niedersachsen hat davon ebenfalls profitiert. Mit Volkswagen wuchsen die Zulieferer. Die heimische Industrie steht und fällt mit der Autokonjunktur. Andere Zweige des produzierenden Gewerbes muss man mit der Lupe suchen. Die Nahrungsmittelbranche ist der nächstgrößte Wirtschaftszweig – mit entsprechend geringer Wertschöpfung. Das erklärt, warum das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seiner Standortanalyse für Niedersachsen ein Bruttoinlandsprodukt errechnet hat, das pro Kopf fast 3500 Euro unter dem Bundesschnitt liegt.

Die Abhängigkeit von der Autoindustrie ist ein Grund für die Investitionsschwäche im Land. Gerade die Zulieferer sind längst international tätig. Erst verlagerten sie einfachste Tätigkeiten in Niedriglohnländer, um im Preiskampf mithalten zu können. Dann kam der Zwang dazu, den Autoherstellern ins Ausland zu folgen. Dort ergänzte die Auslandsfertigung die heimische Produktion.

Doch das scheint allmählich ausgereizt zu sein. Die Verlagerung aus Kostengründen rückt wieder in den Vordergrund. Nur, dass diesmal auch komplexere Produktionen ins Ausland abwandern. Prominente Beispiele dafür sind Verlagerungen von Continental aus Salzgitter und Gifhorn oder von Bosch aus Hildesheim. Es gebe diverse solcher Restrukturierungsprojekte im Markt, sagte unlängst Conti-Chef Elmar Degenhart. Die Deutschen mögen sich im warmen Licht des Wachstums sonnen, das derzeit noch durch die Binnenwirtschaft getragen wird. Aber: „Die Industrie hat längst in einen ganz anderen Gang geschaltet.“

So überrascht es nicht, dass auch die IW-Umfrage in Niedersachsen einen verstärkten Trend zum Gang ins Ausland ausmacht. Am häufigsten nannten die Befragten dabei die günstigeren Produktionskosten im Ausland als Motiv – noch vor dem Erschließen neuer Märkte. Dabei ist es nicht unbedingt das Lohnkostenargument, das die Firmen bewegt, außerhalb Deutschlands zu investieren. Immer öfter werden auch die hohen Energiekosten als Argument gegen die Expansion in der Heimat angeführt.
Damit droht der Kapitalstock des Landes, also der Wert der Maschinen und Anlagen, weiter aufgezehrt zu werden. Seit 2004 sei diese Kennzahl, die viel über die Modernität und Wettbewerbsfähigkeit der Produktion aussagt, in Niedersachsen rückläufig, rechnen die IW-Forscher vor. Weil die Unternehmen jedoch erfolgreich am Markt agierten und wüchsen, sei der Rückgang des Kapitalstocks „nicht Ausdruck einer Unternehmensschwäche, sondern vielmehr Ausdruck einer Schwäche des Standorts Niedersachsen“. Gleichzeitig leide das Land in der Metall- und Elektroindustrie heute schon stärker unter dem Fachkräftemangel als andere Regionen.

Nur da, wo das Know-how sitzt, wo Forschung, Entwicklung und die Fertigung hochkomplexer Produkte angesiedelt sind, da droht bislang kein Abzug. Doch auch hier wollen die Unternehmen inzwischen Zugeständnisse sehen. Wie der französische Zulieferer Faurecia, der in Stadthagen künftig doppelt so viele Entwickler 40 Stunden in der Woche arbeiten lassen darf wie die Konkurrenz, damit er in den Ausbau seiner Sitz-Entwicklung investiert. Noch zuspitzen wird sich die Situation mit der Digitalisierung der Fabriken, der „smarten“ Produktion, auch „Industrie 4.0“ genannt.

Sie bietet die Chance, Produktion an den heimischen Standorten zu sichern. Es ließen sich sogar „neue Vorsprünge im Wettbewerb mit den Schwellenländern erarbeiten“, heißt es in der IW-Studie. Hierfür seien aber Investitionen in die Technologie und in Forschung und Entwicklung notwendig. Deshalb müsse Deutschland die Forschung in Unternehmen wieder stärker fördern. Der Staat trägt hierzulande 3,4 Prozent der Forschungsausgaben der Wirtschaft – in den USA ist der Anteil fast dreimal so hoch.

IW-Chef Michael Hüther übergibt die Standortanalyse Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil auf einem „Investitionsgipfel“ am Montag in Hannover.

Investieren oder nicht? Drei Beispiele aus Niedersachsen

Abbau in Gifhorn

Continental hat in Niedersachsen zuletzt das Werk in Salzgitter geschlossen, der Standort in Gifhorn (Bild) wird radikal ausgedünnt. 700 Stellen fallen in Gifhorn weg, in Salzgitter sind rund 200 Beschäftigte betroffen. In beiden Fällen war die heimische Produktion nicht mehr wettbewerbsfähig, der Konzern verlagert sie nach Osteuropa. „Nicht nur, dass unsere Energie- und Personalkosten auf Rekordhöhen angelangt sind, die Politik schränkt auch die unternehmerische Flexibilität immer weiter ein“, kritisiert Conti-Chef Elmar Degenhart. Er warnt: „In der nächsten Krise wird uns das in Form geringerer Beschäftigung auf die Füße fallen.“ Im Gegenzug für den Stellenabbau gibt Conti für das Werk in Gifhorn eine Bestandsgarantie bis zum Jahr 2025.

Neues Zentrum

Der Autositz-Spezialist Faurecia wird in Stadthagen für gut 25 Millionen Euro ein neues Entwicklungszentrum bauen. Längst ist aus der Fabrik ein Forschungsstandort geworden, von den 900 Beschäftigten arbeiten nur noch 70 im Produktionsbereich – und auch sie fertigen nur Vorserien. Obwohl am Standort vor allem für die deutschen Premium-Autobauer entwickelt wird, war die Investition hart umkämpft. Erst nachdem die IG Metall einwilligte, den Anteil der Beschäftigten mit 40-Stunden-Woche von tarifvertraglich vereinbarten 18 auf 33,5 Prozent steigen zu lassen, soll das Geld nun fließen. In der Entwicklung müssten die Beschäftigten länger und flexibler arbeiten können – mit entsprechendem Mehrverdienst, sagt Personalchef Rupertus Kneiser.

Mehr Platz

Der hannoversche Mittelständler Viscom hat gerade investiert – und zwar gut 7 Millionen Euro in einen Neubau (Bild), um Platz für Produktion und die kundenspezi­fische Anpassung seiner Maschinen zu schaffen. Obwohl Viscom den Großteil seiner Erlöse im Ausland erwirtschafte, sei eine Produktion dort „keine Option“, sagt Mitgründer Martin Heuser. „Wir brauchen die Fachkenntnisse der heimischen Mitarbeiter.“ So gehen die Maschinen zur Leiterplattenprüfung bis heute von Hannover aus zu den Abnehmern in China oder in den USA. Das allerdings könne man sich vor allem deshalb leisten, weil Viscom vergleichsweise kleine Stückzahlen fertige und nahezu jedes Modell für den jeweiligen Kunden feinjustiert werden müsse, heißt es bei dem Unternehmen.

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