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Bietet Utz Claassen für Air Berlin?

Unternehmer aus Hannover Bietet Utz Claassen für Air Berlin?

Der hannoversche Unternehmer Utz Claassen hat angeblich Interesse an der insolventen Fluglinie Air Berlin bekundet und will einen „möglichst großen Anteil“ der Jobs der Airline retten. Experten sind allerdings skeptisch.

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Der Verkauf von Air Berlin soll bald besiegelt werden: Am 21. September will der Gläubigerausschuss offenbar entscheiden. Bietet Utz Claassen mit?

Quelle: Wolfgang Kumm

Hannover. Der hannoversche Investor Utz Claassen will angeblich in den Bieterwettbewerb um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin einsteigen. Nach Informationen des Magazins „Der Spiegel“ hat Claassen in einem Schreiben an den Air-Berlin-Sachwalter Lucas Flöther erklärt, dass er „einen möglichst großen Anteil der Arbeitsplätze“ sichern wolle. Dafür habe er „hochpotente und hochseriöse internationale Investoren“ angesprochen, mit denen er „freundschaftlich verbunden“ sei. Claassen war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Flöther wollte keine Informationen zu Air-Berlin-Interessenten herausgebe.

Branchenkenner bezweifeln allerdings, dass Claassen Air Berlin sanieren könnte. „Sogar Etihad ist das nicht gelungen. Wie soll das jemand schaffen, der bislang kein sichtbares Amt in dieser Branche hat?“, sagte der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. Er appellierte an Claassen, die potenziellen Investoren zu nennen. „Alles, was im Hintergrund ist, hilft nicht weiter.“ Aus Gewerkschaftskreisen war zu hören, dass Fluglinien wie die Lufthansa oder Easyjet die Bestandteile von Air Berlin effizienter verwerten könnten als andere Unternehmer.

Viel Erfahrung als Manager

Claassen ist Mehrheitsaktionär und Vorsitzender des Aufsichtsrates bei der hannoverschen Medizintechnikfirma Syntellix. Außerdem lehrt er als Honorarprofessor an der Leibniz-Universität. Zuvor führte er als Vorstandschef den Energiekonzern EnBW, den Göttinger Laborspezialisten Sartorius und die Erlanger Solar Millennium. Schlagzeilen löste zuletzt sein Streit mit dem Unternehmer und früheren Geschäftspartner bei Syntellix, Carsten Maschmeyer, aus.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad seine finanzielle Unterstützung beendet hatte. Dem „Spiegel“ zufolge will der Gläubigerausschuss am 21. September über die Zukunft von Air Berlin entscheiden. Die zweitgrößte deutsche Airline verhandelt mit dem Marktführer Lufthansa über den Verkauf von Unternehmensteilen. Als Interessenten gelten auch Condor, der britische Billigflieger Easyjet und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, auch wenn dieser sich die Air-Berlin-Daten derzeit nicht näher anschauen will. Kaufinteressenten haben bis zum 15. September Zeit, ihre Angebote abzugeben.

Arbeitnehmervertreter kämpfen um eine Übernahme möglichst vieler der mehr als 8000 Beschäftigten durch den oder die jeweiligen Käufer. Am Montag gibt es dazu ein Treffen mit den Regierungschefs der Bundesländer mit den größten Air-Berlin-Standorten Berlin und Düsseldorf - mit dem Berliner Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Beide Politiker machen sich für die Lufthansa als Käufer von Air Berlin stark.

Laut „Spiegel“ würde Easyjet möglicherweise auch Beschäftigte aus Verwaltung und Technik übernehmen. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sind in der Air-Berlin-Zentrale rund 1200 Verwaltungsmitarbeiter tätig. Im Bereich Technik arbeiten in Berlin 700 Beschäftigte und in Düsseldorf 220.

Auch der hannoversche Tui-Konzern ist an den Gesprächen um Air Berlin beteiligt. Denn 14 Flugzeuge und rund 700 Angestellte der Tui-Tochter Tui Fly sind im Auftrag der Air-Berlin-Tochter Niki im Einsatz. Die Kooperation hilft den Hannoveranern, ihre Flotte besser auszulasten.

Von Christian Wölbert und Burkhard Fraune

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