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Niedersachsen Unternehmer fordern mehr Solidarität mit VW
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Unternehmer fordern mehr Solidarität mit VW
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00:20 04.10.2015
VW sieht sich nach dem Abgas-Skandal mit Forderungen von vielen Ländern konfrontiert. Die Unternehmerverbände Niedersachsen haben nun zur Solidarität mit dem Wolfsburger Konzern aufgerufen. Quelle: PAUL J. RICHARDS
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„Bei aller notwendigen und richtigen Aufklärung des Skandals: Das Unternehmen muss als wichtiger Faktor unserer Wirtschaft unterstützt werden“, sagte UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller der HAZ. Sollte der Konzern noch größeren Schaden nehmen, drohe das Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft zu haben. Die Landesregierung dürfe sich in diesen Tagen „nicht nur in die Ecke der Kritiker stellen“, sondern müsse sich ihrer Verantwortung als Eigentümer bewusst sein. Vor allem Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte die Vorgänge in Wolfsburg zuletzt scharf kritisiert.

Neue Zahlen zum möglichen Ausmaß des Schadens für VW kamen indes von Autoexperten der norddeutschen Landesbank (Nord/LB). Sie rechnen mit Gesamtkosten von 30 Milliarden Euro, die auf den Konzern zukommen könnten - Rückrufe, Strafen und Schadensersatzforderungen zusammengerechnet. VW müsse das Geschäft in den USA, wo der Skandal öffentlich wurde und die Kernmarke ohnehin nur Verluste einfahre, generell hinterfragen, sagte Nord/LB-Analyst Frank Schwope. „Ein Komplettausstieg der Marke Volkswagen-Pkw in den USA sollte in Erwägung gezogen werden“, forderte er. Auch eine Trennung von ganzen Marken sprach Schwope an. Den möglichen Verkaufserlös für Bentley, Bugatti, Lamborghini und den Motorradhersteller Ducati bezifferte er auf 5 bis 10 Milliarden Euro. Durch einen Verkauf der Lastwagenbauer MAN und Scania ließen sich 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen.

Inzwischen nehmen immer mehr staatliche Behörden den Skandal genauer unter die Lupe. In Australien gab man sich „sehr besorgt über die potenziellen Verbraucher- und Wettbewerbsnachteile“. Jeder Verstoß gegen Umweltgesetze könne eine Strafe von bis zu 1,1 Millionen australischen Dollar (692.000 Euro) nach sich ziehen - pro Auto. Seit 2009 wurden in Australien nach Schätzungen rund 50.000 VWs mit Dieselantrieb verkauft. Rumänien will von Volkswagen Nachzahlungen wegen möglicherweise zu Unrecht erlassener Steuern fordern.

Um mehr Zeit für die Aufarbeitung des Abgas-Skandals zu gewinnen, sagte VW eine für den 9. November geplante außerordentliche Hauptversammlung ab. Trotz Bedenken soll nun doch der bisherige Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden. Nachfolger von Pötsch wird der Vorstandsvorsitzende der VW-Finanztochter, Frank Witter, wie VW am Donnerstag nach einer Sitzung des mächtigen Aufsichtsratspräsidiums mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigte gestern, dass der abgetretene Konzernchef Martin Winterkorn doch nicht unter Betrugsverdacht steht. Oberstaatsanwältin Birgit Seel entschuldigte sich für „Irritationen“, die durch eine Pressemitteilung entstanden seien.Noch am Montag hatte Seel mitgeteilt, gegen Winterkorn werde wegen des Verkaufs von Diesel-Autos mit manipulierten Abgaswerten ermittelt. Gestern erklärte die Oberstaatsanwältin, es bestehe noch kein Anfangsverdacht gegen den früheren VW-Chef. „Herr Winterkorn kommt derzeit also nicht ernsthaft als Beschuldigter in Verdacht“, sagte Seel der HAZ. Es werde aber weiter geprüft, ob ein solcher Anfangsverdacht vorliege. Der Fall reiht sich ein in eine lange Liste peinlicher Vorfälle in der Justiz in Niedersachsen.

VW braucht Zeit.

Von Lars Ruzic und Karl Doeleke

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