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VSM aus Hannover hat sich als Weltmarktführer behauptet

Trotz Krise VSM aus Hannover hat sich als Weltmarktführer behauptet

Mit Schleifbänder für die Bearbeitung von Metallen ist das hannoversche Unternehmen VSM in der ganzen Welt erfolgreich – und trotz der Finanzkrise konnte sich der Traditionsbetrieb international behaupten.

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Heutige Schleifmittel haben mit Sandpapier nichts mehr zu tun: Die mit Spezialkörnern beschichteten Bahnen (oben) werden zu rund 1000 verschiedenen Produkten mit unterschiedlichen
Breiten zerschnitten.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Was haben haushohe Schiffsschrauben und künstliche Hüftgelenke gemeinsam? Ihren letzten Schliff verdanken sie einem Produkt aus Hannover. Die Vereinigten Schmirgel- und Maschinen-Fabriken sorgen mit ihren Produkten überall in der Welt dafür, dass alles glatt läuft. Spezialisiert haben sich die Hannoveraner dabei auf biegsame Schleifbänder zur Bearbeitung von Metallen – ob Autoteile, Äxte oder Handygehäuse. Dort sind sie die Weltmarktführer. Gut 70 Prozent der Produktion wird exportiert.

Die Kunden kennen den börsennotierten Traditionsbetrieb unter dem Kürzel VSM; in Hannover und dort vor allem im Stadtteil Hainholz, wo das Unternehmen seit der Gründung vor 147 Jahren seinen Sitz hat, spricht man hingegen nur von „der Schmirgel“. Deren Chance, sagt Alleinvorstand Bernhard von Heyl, liege in der Nische. Gemütlich einrichten könne man es sich dort aber nicht: „Unser Markt ist kein ruhiger, der ist durchaus umkämpft.“

Doch bei den großen Konkurrenten von VSM wie den Mischkonzernen 3M oder Saint Gobain macht die Schleifsparte jeweils nur einen untergeordneten Teil des Geschäfts aus. So schafften es die Hannoveraner, die sich ja nur auf diesen einen Bereich konzentrieren müssen, ihre Kunden individuell zu betreuen und mit neuen Produkten immer wieder die Konkurrenz auszustechen, wie von Heyl erläutert.

VSM beliefert keine Baumärkte. Einfache Dutzendware ist nicht das Geschäft der Hannoveraner. Kunden sind Industriebetriebe in aller Welt, die besonders hohe Anforderungen an ein Schleifmittel stellen. Überraschenderweise ist aber eine absolute Spiegelglätte nicht immer das Ziel der Bemühungen. Vielmehr gehe es darum, den Oberflächen zu einer „genau definierten Rauigkeit“ zu verhelfen, erklärt von Heyl. Beispielsweise sei es im Automotor erwünscht, dass zwischen Kolben und Zylinderwand eine Ölschicht Halt findet.

Mit dem guten, alten Sandpapier haben die rund 1000 verschiedenen Schleifprodukte von VSM nichts mehr zu tun. Ohnehin wurde auch früher meist kein Sand benutzt, sondern das natürlich vorkommende Gestein Schmirgel. Heute nutzt VSM wegen ihrer Langlebigkeit synthetische Mineralien oder oft kleinste Keramikkörner, die beim Schleifen zwar irgendwann zerbrechen können, aber selbst dann noch scharfe Kanten haben und weiter schleifen. Und anstelle von Papier sind es längst reißfeste Gewebebänder, die sich beim Schleifen den Formen des jeweiligen Werkstücks gut anpassen können.

Bleibt als letzter Bestandteil noch der Klebstoff, mit dem Schleifkörner und Trägermaterial eine feste Bindung eingehen. Leim oder Kleister waren gestern, heute trägt man bei VSM Kunstharze auf, die halten besser – auch bei hoher Beanspruchung. Von Heyl ist stolz darauf, dass das Unternehmen – im Gegensatz zu mancher Konkurrenz – alle Bestandteile seiner Produkte selbst herstellt. Er nennt das eine „hohe Wertschöpfungstiefe“. So habe man auch die komplette Kontrolle über die Produkte. Und das sichere mit die Weltmarktführerschaft – und die weltweit rund 700 VSM-Arbeitsplätze, davon knapp 400 in Hannover.

Die Herstellung geschehe ausschließlich in Hannover, erläutert Personalchef Fritz Kelle. Die bis zu 1,60 Meter breiten und 200 Meter langen Schleifmittelbahnen werden gerollt und zu verschiedenen Werken, etwa in die USA oder nach Ungarn, geschickt, wo sie „konfektioniert“ werden – also in die Größen zugeschnitten, die die Kunden haben wollen. Meist sind es Bänder oder Rollen in verschiedenen Breiten, aber auch Schleifscheiben stellt VSM her.

In Hannover-Hainholz ist das Unternehmen fest verwurzelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Stadt zu 80 Prozent zerstört war und Bomben auch die Produktionsanlagen der VSM nahe der Bahnlinie zerstört hatten, waren es die Beschäftigten, die „ihre Schmirgel“ eigenhändig wieder aufbauten. So konnte die Produktion bereits am 5. Oktober 1945 – nur fünf Monate nach Kriegsende – wieder aufgenommen werden.

Dabei sei „die Schmirgel“ für viele Mitarbeiter eher eine „Liebe auf den zweiten Blick“, räumt Kelle ein. Manche sahen ihren Job dort anfangs mehr als Sprungbrett zu anderen Arbeitgebern, seien dann aber mit den Jahren doch zu überzeugten VSMlern geworden und mögen nun von „ihrer Schmirgel“ nicht mehr lassen. Kelle wünscht sich mehr davon und wirbt für die anspruchsvollen Arbeitsplätze, die VSM zu vergeben hat. Gerade erst seien 15 Zeitarbeiter fest übernommen worden.
Das Geschäft, sagt von Heyl, laufe zurzeit „glücklicherweise“ gut. Zuletzt kam der Konzern auf 112,7 Millionen Euro Umsatz und knapp 9 Millionen Euro Überschuss. „Wir haben mal gedacht, dass wir Prognosen machen können, mussten im Krisenjahr 2009 aber erkennen, dass wir in Wahrheit nur die Vergangenheit in die Zukunft hochrechnen.“ Jetzt sei man auf dem Weg zurück in eine „Normalität“. Wie genau die aussehe, könne er aber noch nicht sagen.

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