Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Auto-Auswahl schrumpft wegen neuer Abgastests
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Auto-Auswahl schrumpft wegen neuer Abgastests
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:39 01.06.2018
VW-Werk in Wolfsburg: Der Hersteller rechnet mit Zwangspausen in der Produktion Quelle: dpa
Hannover

Autohersteller müssen aufgrund neuer Vorschriften für Abgastests ihr Angebot vorübergehend verkleinern. Marken wie VW, Audi, BMW und Porsche nehmen einzelne Modelle oder Modellvarianten aus dem Programm. Zumindest bei VW hat das Auswirkungen auf die Mitarbeiter: Die Marke rechnet mit „Auslastungslücken“ ab August und will deshalb mit dem Betriebsrat ein angepasstes „Produktionsprogramm“ vereinbaren. In einigen Werken wird also voraussichtlich die Zahl der Schichten zeitweise reduziert.

Die Ursache ist der neue Abgastest WLTP. Vom 1. September muss jeder in der EU verkaufte Neuwagen nach diesem Verfahren zugelassen sein. Hersteller müssen bis zum Stichtag auch bestehende Modelle, die unter dem alten NEFZ-Verfahren zugelassen sind, erneut zertifizieren. WLTP führt zu realistischeren Angaben bei Spritverbrauch und Emissionen.

Mehr als 260 Varianten

Die Neuzulassung stellt die Hersteller vor Probleme: Erstens sind Prüfstände von Testdienstleitern wie TÜV oder Dekra bis September ausgelastet. „Es gibt wegen WLTP erhebliche Engpässe bei Rollenprüfständen“, sagte ein Sprecher des Autoverbands VDA. Zweitens können nicht alle Modellvarianten im neuen Verfahren die Grenzwerte zum Beispiel für Feinstaub einhalten – die Hersteller müssen technisch nachbessern.

Für VW sind nach eigener Auskunft die Prüfstände das Hauptproblem. „Die Herausforderung sind in erster Linie die vielen Messungen, nicht die technischen Lösungen“, sagte ein Sprecher. Der Konzern verfüge über mehr als 260 Motor-Getriebe-Varianten. Einige davon würden aufgrund der zeitaufwendigen Messungen „vorübergehend nicht verfügbar sein“. Die größten Auswirkungen gebe es am Standort Wolfsburg. Was das für die Schichtplanung heißt, will man demnächst mit dem Betriebsrat besprechen.

Weniger angespannt scheint die Lage bei Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN). Man erwarte „keine gravierenden Auswirkungen auf Produktionsvolumen und damit auch Beschäftigung“, sagte ein Sprecher der hannoversche Marke. VWN werde „für alle geplanten Serienvarianten“ die Emissionsvorgaben erreichen. Für Aufbauhersteller – also für andere Firmen, die Modelle umbauen – stellten die Grenzwerte jedoch „eine große Herausforderung dar“.

Porsche, Audi, BMW streichen vorübergehend Modelle

VW arbeitet unter anderem mit den Testdienstleistern TÜV Nord, TÜV Süd und ATE-EL in Luxemburg zusammen. Der TÜV Nord erklärte, die eigenen Prüfstände seien „seit Monaten an der Kapazitätsgrenze“. Man könne aber alle nachgefragten Prüfungen durchführen. Laut VDA sind Labore auch aufgrund der Messungen für Software-Updates, die ältere Diesel sauberer machen sollen, stark ausgelastet.

BMW hatte bereits vor Monaten angekündigt, mehrere Modelle mit Benzinmotor vorübergehend aus dem Angebot zu nehmen, zum Beispiel die 7er-Limousine. Die Autos benötigen künftig einen Partikelfilter, um den Grenzwert für Feinstaub einzuhalten. Auch Audi meldete nun, dass einzelne Typen nicht bestellt werden können. Es gebe „Übergangsfristen“ zwischen dem Auslaufen alter Modelle und dem Verkausstart WLTP-zertifizierter Nachfolger. Zu den Auswirkungen auf die Produktion könne man aber noch nichts sagen. Porsche nimmt aktuell keine Bestellungen für Benziner mehr entgegen, das soll aber keine Auswirkungen auf die Beschäftigung in den Werken haben, erklärte ein Sprecher.

Im WLTP-Test absolvieren Autos mehr Kilometer auf dem Prüfstand, werden stärker beschleunigt und fahren schneller. Außerdem werden erstmals auch Messungen auf der Straße durchgeführt. In den meisten Fällen führt das dazu, dass die Verbrauchsangaben im Vergleich zum alten NEFZ-Test steigen.

Von Christian Wölbert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bauen in Deutschland ist sehr teuer. Damit dies nicht so bleibt, schließt die Wohnungswirtschaft einen Vertrag mit neun Baufirmen. Ziel ist eine Kostenersparnis durch Standardisierung und Vorfertigung.

01.06.2018

Carbonriemen ersetzen in immer mehr Fahrrädern die Kette, doch nun nimmt Continental sein Modell aus Sicherheitsgründen vom Markt. Die Riemen waren in einigen Fällen gerissen, Radfahrer hatten sich verletzt.

31.05.2018

In Hannover-Limmer ist der 100.000ste VW California vom Band gelaufen. In der Fertigung sucht man Roboter vergebens, stattdessen trifft man Küchenbauer und Faltdachexperten.

28.05.2018