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Niedersachsen Wird die A39 Teststrecke für autonomes Fahren?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wird die A39 Teststrecke für autonomes Fahren?
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07:43 18.09.2015
Von Dirk Stelzl
Martin Winterkorn im Interview. Quelle: Peter Steffen
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Herr Winterkorn, was treibt Sie an, noch drei weitere Jahre als Vorstandschef von Volkswagen zu arbeiten?

Zuerst einmal muss ja noch der Aufsichtsrat eine entsprechende Entscheidung treffen. Aber grundsätzlich gilt für mich: Das ist der spannendste Job, den ich mir vorstellen kann. Unsere Branche und damit auch Volkswagen befinden sich mitten in einer digitalen Revolution. Wir sind dabei, die Weichen für das nächste Jahrzehnt zu stellen: technologisch, wirtschaftlich und was die Strukturen angeht. Das ist nicht weniger als die Neuerfindung von Volkswagen.

Der bisherige Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll Aufsichtsratschef werden. Wie kann man sich die künftige Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Herrn Pötsch vorstellen?

Diese Zusammenarbeit ist ja durch das Aktienrecht festgelegt. Da gibt es klare Regeln. Aber klar ist auch: Hans Dieter Pötsch und ich arbeiten seit Langem erfolgreich, professionell und vertrauensvoll zusammen. Ich sehe keinen Grund, warum sich daran in Zukunft etwas ändern sollte.

Gerade planen Sie eine neue Konzernstruktur. Welche Rolle wird die VW-Zentrale in Wolfsburg spielen?

Wir müssen und wir werden noch mehr Verantwortung in die Marken und Regionen übertragen. Aber ich sage auch: Dieser Konzern braucht auch in Zukunft eine leistungsfähige und starke Zentrale hier in Wolfsburg.

Wie sehen Sie das Werk Wolfsburg derzeit aufgestellt? Welche Rolle spielt es in Zukunft im Konzernverbund?

Das Werk Wolfsburg hat im Konzern eine technologische Vorreiterrolle. Mit dem Golf bauen wir hier seit mehr als 40 Jahren das erfolgreichste deutsche Auto. Zudem kommen mit dem Golf Sportsvan, dem neuen Tiguan und dem Touran weitere attraktive Modelle aus dem Werk Wolfsburg. Mit der Einführung der modularen Baukastenstrategie MQB haben wir in Wolfsburg entscheidende technologische Weichen für den gesamten Konzern gestellt. Schon heute ist das Werk Wolfsburg Vorreiter in Sachen Elektromobilität. In der Golf-Fertigung laufen sämtliche Antriebsformen der Golf-Familie auf einer Produktionslinie. Das heißt: Bei uns laufen Elektroautos Stoßstange an Stoßstange mit den klassischen Verbrennungsmotoren. Auch das verstehen wir hier in Wolfsburg unter Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit. Das Stammwerk des Konzerns rüstet sich konsequent für die Zukunft. So fließen bis 2019 insgesamt 5,3 Milliarden Euro an Investitionen in den Standort Wolfsburg. Das ist ein ganz klares Zeichen dafür, dass wir das Werk Wolfsburg in eine erfolgreiche Zukunft führen.

In Frankfurt wurde gerade der neue Tiguan vorgestellt. Welche Erwartungen haben Sie an dieses Auto?

Der neue Tiguan wird das SUV-Segment in weiten Teilen neu definieren. Nach mehr als 2,6 Millionen verkauften Exemplaren der ersten Generation bin ich überzeugt, dass auch der neue Tiguan diese außerordentliche Erfolgsgeschichte fortschreiben wird.

Das wichtigste Wolfsburger Modell bleibt natürlich der Golf. Wann wird der aktuelle Golf überarbeitet? Und welche Technologie wird im nächsten Golf VIII stecken?

Es wäre jetzt viel zu früh, sich schon über Neuheiten und Markteinführungsdaten zum Golf zu äußern. Sie können aber sicher sein, dass wir weiter mit ganzer Kraft daran arbeiten, unsere Technologieführerschaft - so wie bei allen anderen Modellen auch - auszubauen. Sie dürfen also gespannt sein, welche Überraschungen wir für unsere Produkte bereithalten.

Sie sehen die Autobranche in einer digitalen Revolution. Werden die Zukunftstrends bei Volkswagen von den Entwicklern in Wolfsburg vorangetrieben? Oder im VW-Labor im Silicon Valley?

Die Entwicklungs- und Freigabeverantwortung für neue Technologien liegt in Wolfsburg. Als globales Unternehmen scouten wir jedoch weltweit über unsere Entwicklungsstandorte nach neuen Technologietrends und sich wandelnden Kundenwünschen und -bedürfnissen in den Regionen. Die Technologieentwicklungen werden anschließend an verschiedenen Standorten, so auch im Silicon Valley, bis zu einem bestimmten Reifegrad vorangetrieben und anschließend in Wolfsburg bis zur Serienreife weiterentwickelt.

Ein großes Zukunftsthema ist die Elektromobilität, die VW auch am Standort Wolfsburg vorantreiben will. Wann gibt es die ersten E-Tankstellen auf den Mitarbeiterparkplätzen?

Volkswagen arbeitet intensiv daran, Mitarbeitern auf Parkplätzen Lademöglichkeiten zu bieten. In Wolfsburg zum Beispiel sammeln wir schon an 30 Säulen auf dem Werksgelände intern Erfahrungen. Im kommenden Jahr werden wir die ersten Ladesäulen auf den Mitarbeiterparkplätzen außerhalb des Werkzaunes aufbauen. Übrigens bieten wir schon heute Mitarbeitern, die mit einem Elektrofahrrad kommen, Lademöglichkeiten an unseren Abstellanlagen.

Die A 39 soll als Versuchsstrecke für automatisiertes Fahren freigegeben werden. Wann ist es so weit?

Wir begrüßen die Freigabe der A 9 (bei Ingolstadt; Anmerkung der Redaktion) als Versuchsstrecke für das vollautomatisierte Fahren. Dies kann jedoch, im Sinne eines fairen Wettbewerbs, nur ein Anfang sein. Nach unserem Verständnis sollten schon sehr bald weitere Autobahnabschnitte für das vollautomatisierte Fahren freigegeben werden. Wenn technologischer Fortschritt auch weiterhin aus Deutschland kommen soll, dann brauchen wir dafür die notwendigen Voraussetzungen und eine baldige Umsetzung.

Volkswagen will bis zum Jahr 2018 an die Weltspitze. Kann der VfL Wolfsburg das auch erreichen und irgendwann einmal die Champions League gewinnen?

Das wäre natürlich grandios. Wir sind mit dem VfL auf einem sehr guten Weg, und ich sehe die Entwicklung des Vereins und der Mannschaft sehr positiv. Die vergangene Saison mit dem Gewinn des DFB-Pokals und der Vize-Meisterschaft haben schon gezeigt, zu welchen Spitzenleistungen das Team des VfL Wolfsburg fähig ist. Mal sehen, wo das in Zukunft noch hinführen wird.

Interview: Florian Heintz

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