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VW-Rückruf: "Jetzt wird's peinlich"

Hängepartie verärgert Autohändler VW-Rückruf: "Jetzt wird's peinlich"

Über zwei Millionen Autos der Marken VW, Audi, Skoda und Seat müssen in die Werkstätten - aber es geht einfach nicht voran mit dem Rückruf der manipulierten Diesel-Fahrzeuge. Auch die Autohändler sind zunehmend verärgert. Das Ganze sei „die peinlichste Geschichte, die man sich vorstellen kann“, sagt einer von ihnen. 

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Über zwei Millionen Autos der Marken VW, Audi, Skoda und Seat müssen in die Werkstätten.

Quelle: dpa

Hannover . Die Verzögerungen beim Rückruf der manipulierten Diesel-Fahrzeuge im VW-Konzern lassen die Nervosität in den Autohäusern wachsen. Inzwischen liege man fast sechs Wochen hinter dem Zeitplan, „jetzt wird es knapp“, sagte ein hochrangiger Handelsmanager der HAZ. Das Ziel, alle fast 2,5 Millionen betroffenen Autos in Deutschland noch in diesem Jahr in die Werkstätten zu rufen, sei in Gefahr. „Das Ganze ist die peinlichste Geschichte, die man sich vorstellen kann.“ Seit Wochen würden die Händler Werkstatt-Kapazitäten und zusätzliches Personal vorhalten, viele hätten sogar eine Urlaubssperre über Ostern verhängt – umsonst.

Volkswagen hatte ursprünglich Ende Februar mit der ersten großen Rückrufwelle starten wollen, die insgesamt rund 160 000 VW Passat mit 2,0-Liter-Diesel umfassen soll. Doch bis heute fehlt dazu die Freigabe des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA). Die Behörde teste derzeit noch immer die diversen Varianten, heißt es. VW muss die Software, die den Stickoxid-Ausstoß von weltweit elf Millionen Fahrzeugen manipuliert, löschen – ohne dass Motorleistung und Verbrauch sich ändern. Bei einem ersten kleineren Rückruf des Amarok von VW Nutzfahrzeuge Anfang des Jahres hatten Autotester nach dem Software-Update einen leicht erhöhten Verbrauch des Pick-ups festgestellt, was das KBA hellhörig werden ließ. Beschwerden von Amarok-Kunden soll es allerdings auch nach 10 000 Rückrufen so gut wie keine geben.

Gutachten erhöht Druck auf Autoindustrie

Nach dem VW-Abgas-Skandal drohen auch andere deutsche Diesel-Produzenten unter Druck zu geraten. Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags stellt fest, dass es grundsätzlich als illegal zu bewerten sei, wenn Dieselautos im Straßenverkehr die Grenzwerte für Schadstoffausstöße um ein Vielfaches überschreiten.

Abschalteinrichtungen, mit denen die Abgasnachbehandlungen bei Autos ausgeschaltet werden können, dürften nur in „technisch gerechtfertigten“ Ausnahmefällen, „punktuell“ und „vorübergehend“ eingesetzt werden, heißt es in dem Gutachten, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt. Auch Minustemperaturen rechtfertigen demnach kein dauerhaftes Eingreifen der Abschalteinrichtung.

Bei vielen Dieselfahrzeugen liegen die Schadstoffausstöße im Straßenverkehr deutlich höher als unter Prüfbedingungen im Labor. Hersteller bestreiten dies nicht und rechtfertigen sich mit den unterschiedlichen Einflussfaktoren auf der Straße. Bei niedrigen Temperaturen beispielsweise – in einem Fall ab zehn Grad Celsius – werden die Abgasnachbehandlungen bei vielen Diesel-Pkw zum Schutz des Motors heruntergefahren. Dadurch erhöhen sich die Ausstöße.

„Kein Wasserwerk käme auf die Idee, die Trinkwasserreinigung bei zehn Grad Außentemperaturen abzustellen und danach  den Verbrauchern nur noch schmutziges Wasser zu liefern“, erklärte Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionschef der Grünen im Bundestag. Die Autohersteller täten aber genau dies bei den Abgasen ihrer Autos. Die Grünen-Fraktion hatte das Gutachten in Auftrag gegeben. DW

Bei VW glaubt man, die verlorene Zeit noch aufholen zu können. „Im Grundsatz gehen wir davon aus, zeitlich noch nicht in Verzug zu geraten“, sagte ein Sprecher. Wann die ersten Passat-Fahrer nun tatsächlich in die Werkstätten gerufen werden, wollten weder der  Autobauer noch das KBA vorhersagen.

Der Skandal und seine schleppende Aufarbeitung bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Verkäufe in Deutschland. Nach vorgestellten KBA-Zahlen wuchs der deutsche Markt im ersten Quartal um 4,5 Prozent. Die Marke VW schrumpfte im gleichen Zeitraum jedoch um gut 4 Prozent. Im Monat März gingen die VW-Zulassungen sogar um mehr als 6 Prozent zurück, während der Gesamtmarkt stagnierte. Der Marktanteil fiel erstmals seit Jahren unter die Marke von 20 Prozent. Die ebenfalls vom Abgas-Skandal betroffenen Töchter Audi, Skoda und Seat konnten ihre Verkäufe dagegen deutlich steigern.

Auch die Konkurrenz profitiert von der VW-Schwäche. Ford und Opel legten im ersten Quartal zweistellig zu. Die Rüsselsheimer GM-Tochter erlebte nach eigenen Angaben sogar den besten Jahresstart seit fünf Jahren und erreichte einen Marktanteil von 7,5 Prozent.

Die Marke VW steckt derzeit mitten im Modellwechsel beim absatzträchtigen Geländewagen Tiguan. Das drückt die Verkäufe. Zudem halten sich Flottenkunden angesichts des Skandals mit Passat-Käufen zurück. Das macht sich konkret in Emden bemerkbar: Das für das Modell verantwortliche Werk will die Verträge von 250 Leiharbeitern deshalb nicht verlängern. Einen weiteren Stellenabbau konnte eine Sprecherin nicht ausschließen.

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Standort Emden
Volkswagen-Autoterminal am VW-Werk in Emden.

Volkswagen schließt einen weiteren Stellenabbau am Standort Emden nicht aus. Dort könnten in diesem Jahr Projekte der VW-Tochter Autovision auslaufen, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Wie viele Werkvertragsarbeiter davon betroffen sein könnten, lasse sich derzeit aber noch nicht sagen. 

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