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Niedersachsen Managergehälter: Land verschärft Kritik an VW-Chef
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Managergehälter: Land verschärft Kritik an VW-Chef
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00:33 29.03.2018
VW-Chef Matthias Müller. Quelle: dpa
Hannover

Die Vorstandsvergütung bei VW sorgt weiter für Ärger. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) kritisierte die jüngsten Äußerungen von VW-Vorstandschef Matthias Müller und warnte vor einem weiteren Imageverlust des Unternehmens. „Es fehlt offensichtlich die notwendige Sensibilität in einer für VW sehr schwierigen Phase“, sagte Althusmann, der für das Land im VW-Aufsichtsrat sitzt, der HAZ. „Man darf das nicht schönreden, nur weil der bilanzielle Gewinn 2017 gut ist. Ich hätte mehr Zurückhaltung erwartet."

Müller hatte in einem Interview die Begrenzung von Managergehältern auf rund fünf Millionen Euro pro Jahr mit den Verhältnissen in der DDR verglichen und die Einmischung von Politikern in die Geschäfte von VW kritisiert. Dafür war er bereits von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) öffentlich gerügt worden. 

„Wer bei VW im Vorstand sitzt, kann sich schlecht über Politiker beschweren, die einem ins Handwerk pfuschen“, sagte Althusmann. „Damit muss man zurechtkommen, denn Niedersachsen hält 20 Prozent der VW-Anteile. Ob es einem gefällt oder nicht.“

Eklat im Aufsichtsrat

 Auch der FDP-Fraktionsvize im Landtag und frühere VW-Aufsichtsrat, Jörg Bode, ist sauer über die Äußerungen von Müller. „Wer viel Geld in guten Zeiten verdienen will, muss in schlechten Zeiten auch mit weniger auskommen“, sagte Bode der HAZ. Das sei eine Gerechtigkeitsfrage. Bode kritsierte auch das Verhalten der Landesregierung bei diesem Thema. Die Abstimmung zwischen Weil und Althusmann im VW-Aufsichtsrat funktioniere nicht.

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In einer Sitzung des Aufsichtsrats vor vier Wochen hatte es offenbar einen Eklat wegen der Vorstandsvergütung gegeben. Dabei ging es nach HAZ-Informationen nicht um eine Neuausrichtung der Vergütung, sondern um die Höhe der variablen Leistungszulagen der Vorstandsmitglieder.

Althusmann soll es abgelehnt haben, in der Sitzung darüber abzustimmen, angeblich aus Mangel an Infomationen. Das ist insofern ungewöhnlich, als dass die 20 stimmberechtigten Mitglieder im VW-Aufsichtsrat fast immer einstimmig votieren. Ministerpräsident Weil dagegen, der als Mitglied im Präsidialausschuss vorab über die Themen der Aufsichtsratssitzungen informiert ist, hat dem Vernehmen nach zugestimmt. Haben Weil und Althusmann vor der Sitzung nicht über das Thema geredet? Offiziell wollte die Regierung die Vorgänge im Aufsichtsrat nicht kommentieren:  aus aktienrechtlichen Gründen. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch dementierte einen Eklat in der Sitzung.

Nach teilweise heftiger Kritik an den VW-Managergehältern in den vergangenen Jahren hatte der Konzern 2017 ein neues, kompliziertes Vergütungssystem eingeführt, das die Vergütung des Vorstandsvorsitzenden bei zehn Millionen Euro deckelt. Zur Grundvergütung von 5,5 Millionen Euro kommen Leistungszulagen, die aber bei Überschreiten des Gesamtbetrages wieder gekürzt werden können.

Von Marco Seng

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