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Mega-Projekt mit Mini-Zeitfenster

VW Nutzfahrzeuge Mega-Projekt mit Mini-Zeitfenster

Mit dem großen Crafter-Transporter, der in gut einem Monat auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover Premiere feiern wird, wagt Volkswagen den bislang wohl schärfsten Großangriff auf den Mercedes Sprinter. Wie VW Nutzfahrzeuge in Polen eine Fabrik der Superlative aus dem Boden stampft – für den Crafter.

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„Die Kollegen brennen für diese Fabrik“: Der Bau des Werks im polnischen Wrzesnia kostet rund 800 Millionen Euro.

Quelle: VW

Hannover. Jens Ocksen gehört zu den Hünen unter den VW-Managern. Mit seinen 2,04 Metern Körpergröße fällt es dem Hannoveraner nicht bei jedem Konzernmodell leicht, Platz zu nehmen. In dem Auto, dessen Produktion der Ingenieur gerade vorbereitet, kann Ocksen sogar aufrecht stehen. „Der Crafter“, sagt er, „ist eben eine andere Nummer.“ In jeder Hinsicht.

Mit dem großen Transporter, der in gut einem Monat auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover Premiere feiern wird, wagt Volkswagen den bislang wohl schärfsten Großangriff auf den Mercedes Sprinter. Lange fühlte man sich wohl damit, dass Daimler den VW Crafter auf seinen Sprinter-Produktionsbändern gleich mitbaute. Bis schließlich VW-Patriarch Ferdinand Piëch die Losung ausgab, man solle nicht länger die Konkurrenz reich machen – und überhaupt könne VW so etwas doch selbst viel besser.

Geboren war ein Mega-Projekt mit Mini-Zeitfenster. Binnen vier Jahren musste die hannoversche Marke VW Nutzfahrzeuge (VWN) ein neues, komplett eigenständiges Modell entwickeln und dafür auch noch ein eigenes Werk bauen. Dabei stellt der teils mehr als sieben Meter lange und mehr als 2,50 Meter hohe Crafter, den es in knapp 60 Grundvarianten geben wird, die Produktion ohnehin schon vor im Wortsinn große Herausforderungen.

So ist in den vergangenen Monaten in der polnischen Heide bei Wrzesnia, gut 40 Kilometer östlich von Posen, ein Bau der Superlative entstanden. 800 Millionen Euro nimmt der Konzern für das Werk in die Hand – die größte Einzelinvestition eines ausländischen Konzerns in Polen. 220 Hektar hat sich VW Nutzfahrzeuge dafür gesichert – das entspricht der doppelten Fläche des hannoverschen Stammwerks. Eine Million Kubikmeter Erde mussten bewegt, mehr als 4000 Betonpfähle gut 20 Meter tief in die Erde gerammt werden. Allein die Fabrikhallen erstrecken sich auf 850 Metern Länge und 400 Metern Breite. Die Lackiererei zählt zwölf Tauchbecken mit je 2000 Litern Fassungsvermögen.

Nach dem Berliner Flughafen soll das Werk eine der größten Baustellen Europas gewesen sein – nur mit wesentlich schärferen Vorgaben an die Einhaltung der Zeitpläne. Im November 2014 war Grundsteinlegung, in diesem Herbst soll bereits die Serienfertigung starten. „Wir haben gesagt: Wir können das schaffen“, umschreibt es Ocksen mit Anleihen bei Angela Merkel. „Jetzt stehen wir kurz davor.“ Vor allem ein warmer Winter in der heißen Phase, als mehr als 3500 Beschäftigte auf der Baustelle waren, hat ihm in die Karten gespielt. Wrzesnia ist drauf und dran, sogar die im Konzern mit Werksneubauten besonders schnellen Chinesen zu schlagen.

Inzwischen werden die ersten Vorserienmodelle produziert, gut 1000 Beschäftigte sind bereits an Bord. Wenn der Standort einmal unter Volllast arbeitet, sollen es 3000 sein. 100.000 Crafter kann die Fabrik dann im Jahr produzieren. Das wären doppelt so viele wie VWN bislang jährlich verkauft.

Gut 140 Planer aus Hannover und Wolfsburg hat Ocksen in die Kleinstadt an der Autobahn Berlin-Warschau gelockt, die bei den Preußen noch Wreschen hieß. Das Gros des Managements zog er aber aus dem benachbarten Posen ab, wo VWN mit mehr als 7000 Beschäftigten den VW Caddy, Varianten des hannoverschen Transporters und Gießereiteile produziert. Probleme, die Mitarbeiter für das Vorhaben zu begeistern, hatte der Vorstandschef von VW Posen nicht. „Das Projekt ist eine Chance, die man nur einmal im Leben erhält“, sagt Ocksen. „Die Kollegen brennen für diese Fabrik.“ Neue Beschäftigte zu finden, bereitet dem Konzern keine Probleme. In der Datenbank habe man knapp 40.000 Bewerber, berichtete der Unternehmenschef. Gerade sei VW von der Gewerkschaft Solidarnosc zum besten Arbeitgeber Polens gewählt worden. Zudem zahle der Konzern überdurchschnittliche Löhne. „Vor uns liegt nur noch der Bergbau.“

Ohnehin habe sich Volkswagen Posen längst zu einem eigenständigen kleinen Konzern mit einem hohen Anteil heimischer Führungskräfte entwickelt, sagt Ocksen. Man sei weit entfernt davon, eine verlängerte Werkbank von Wolfsburg oder Hannover zu sein. Schon heute baut Posen fast so viele Fahrzeuge wie das hannoversche Transporter-Werk.

Wenn die Crafter-Produktion erst einmal angerollt ist, wird die Mehrheit der VWN-Produktion aus Polen kommen. Wenn es nach dem Management geht, kann der Anteil gern noch weiter steigen. Das Werksgelände in Wrzesnia bietet noch reichlich Platz für zusätzliche Produktionsstraßen.

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