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VW-Patriarch Ferdinand Piëch wird 80 Jahre alt

Geburtstag VW-Patriarch Ferdinand Piëch wird 80 Jahre alt

Der langjährige VW-Patriarch Ferdinand Piëch wird am Ostermontag 80 Jahre alt. In seiner Familie hatte es Piëch nicht gerade leicht. Nun sieht er zu, wie eine neue Generation das Unternehmen VW übernimmt.

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Ferdinand Piëch.

Quelle: Julian Stratenschulte/Archiv

Hannover. Zum 75. half noch Selbstironie. „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu“, schrieb Ferdinand Piëch auf die Einladung zum großen Geburtstagsempfang.

Schon der 78. war schwierig. Früher habe sich die Großfamilie versammelt, erzählte Ursula Piëch damals einem Bekannten. Aber jetzt: Schweigen im Walde. Eine Woche vor seinem Geburtstag war ihr Mann „auf Distanz“ zu VW-Chef Martin Winterkorn gegangen und hatte die Verwandtschaft düpiert wie nie. Die Folgen schienen seine Frau zu erstaunen.

Eine beispiellose Karriere

Am Montag braucht es Diplomaten. Das Lebenswerk ist zu groß, um zum 80. Geburtstag Ferdinand Piëchs ihm selbst zu folgen und es klein zu machen. Man wird anrufen, Post wird kommen aus Wolfsburg, Hannover, Stuttgart und entlegeneren Stationen einer beispiellosen Karriere. Und die meisten Absender werden es versuchen wie die Volkswagen AG: Ein „vernünftiges Maß“ müsse man im Umgang mit dem einstigen Übervater finden, heißt es dort.

Ferdinand Piëch wird am Ostermontag 80 Jahre alt - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Es ist Respekt zu zollen für den Weg des Auto-Konzerns vom Sanierungsfall zum Weltmarktführer. Und es ist Distanz zu wahren nach den egomanen Ausfällen jüngster Zeit. „Volkswagen und der Automobilstandort Deutschland haben ihm viel zu verdanken“, heißt das dann offiziell. „Sein Lebenswerk ist gekennzeichnet von mutigem Unternehmertum und technologischer Innovationskraft.“ Stimmt - trifft es aber unzureichend. Der Jubilar selbst hat einmal gesagt, er habe nicht mehr Talent als viele andere. „Aber vielleicht mehr Fanatismus.“

In der Familie isoliert

Nichts davon passt auf Hans Michel Piëch. Der fünf Jahre jüngere Bruder kommt zu der späten Ehre, als „neuer starker Mann“ zu gelten. Ferdinand Piëch, offenbar zermürbt von der weitgehenden Entmachtung im Unternehmen und der Isolation in der Familie, hat ihm den größten Teil seiner Beteiligung an der Porsche SE - und damit indirekt am VW-Konzern - verkauft. Rund eine Milliarde Euro sind die 14 Prozent an der Börse wert. Details zur Finanzierung oder genauen Verteilung der Anteile in der Familie sind nicht bekannt. Wichtig ist vor allem: Die Gewichtsverhältnisse zwischen den Porsches und Piëchs bleiben unangetastet. Entscheiden können ohnehin nur alle gemeinsam.

Die Familienbande nicht abreißen zu lassen ist die stille Leistung Hans Michel Piëchs. Der Strafrechtler mit Kanzlei in bester Wiener Lage sitzt zwar seit Jahren in den Aufsichtsräten von Porsche und VW, fiel dort aber durch nichts außer Ruhe auf. Dafür organisierte er im Hintergrund das Familiengefüge und kittete auch mal die vom Bruder hinterlassenen Scherben. Der meinte zwar schon seit Jahren, Altersmilde bei sich zu erkennen, weiß aber auch: „Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt.“

"Man kann sich seine Familie nicht aussuchen"

Ferdinand Piëchs Alleingang gegen Winterkorn trieb den jüngeren Bruder aus dem Schatten. Mit einem seiner seltenen Interviews signalisierte er den Führungsanspruch im Piëch-Clan. Wolfgang Porsche, 73-jähriger Sprecher des anderen Familienzweigs, teilt das Image Hans Michel Piëchs: freundlich, honorig, ruhig, diplomatisch. Wenn es aus ihm herausbricht, muss es weit gekommen sein: „Man kann sich seine Familie nicht aussuchen“, sagte Porsche auf Fragen nach seinem Cousin Ferdinand.

Die neue Doppelspitze im VW-Porsche-Universum hat nichts mit den Konstellationen früherer Jahre gemein. So wie Vorstandschef Matthias Müller nichts vom Herrschaftlichen seines Vorgängers Winterkorn ausstrahlt, haben die beiden Aufseher nichts vom Genialischen Ferdinand Piëchs. Beide tragen an dem Ruf, die Rollen nicht auszufüllen, in die sie hineingerutscht sind.

Mehr Einfluss der Jüngeren

So richten sich die Blicke bereits auf die nächste Generation. VW-Kenner trauen Ferdinand Oliver Porsche am meisten zu. Der 56 Jahre alte Sohn des Designers FA Porsche sitzt seit 2009 im VW-Aufsichtsrat und gilt bei anderen Mitgliedern dort als der mit Abstand kompetenteste Familienvertreter. Bei den Piëchs läuft in der nächsten Generation viel auf Hans Michels Tochter Julia Kuhn-Piëch zu. Die 36-jährige Juristin saß bereits kurz im VW-Aufsichtsrat - räumte aber bald den Platz für Hans Dieter Pötsch, damit der Vorsitzender des Kontrollgremiums werden konnte. Öffentlich sichtbarster Vertreter der vierten Generation ist der 43-jährige Daniell Porsche: Zur Verbindung von Antroposophie und Unternehmertum hat er schon manches Interview gegeben.

Keine Chance in ruhigen Zeiten

Diverse Vertreter der jungen Generation schnuppern ins Unternehmen hinein, sitzen in Aufsichtsräten von Tochtergesellschaften oder Vorständen von Stiftungen. Eine stille Einrichtung dieser Art ist die zusammen mit der Arbeitnehmerseite geführte Salzach-Stiftung. Schon seit Jahren nutzt sie der VW-Betriebsrat, um die künftigen Vertreter des Mehrheitsaktionärs einzubinden. Ins Konzernmanagement drängt es aber offenbar niemanden. „Wir greifen nicht ins operative Geschäft ein“, hat Hans Michel Piëch jüngst klargestellt. Da sei sein Bruder eben anders.

Der beobachtet die Lage von Salzburg aus und mag an seine ersten VW-Tage denken. Das Unternehmen war der Pleite nah, und nur deshalb ließ man gerade ihn ran, den Schwierigen: „In normalen, ruhigen Zeiten hätte ich wohl nie eine Chance bekommen.“

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