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Lässt sich eine Diesel-Schmiede zum Elektro-Pionier umbauen?

VW-Werk Salzgitter Lässt sich eine Diesel-Schmiede zum Elektro-Pionier umbauen?

Das VW-Motorenwerk in Salzgitter muss einen drastischen Wandel bewältigen: Dort werden viele Dieselmotoren gebaut. Die Zukunft liegt allerdings woanders: Deshalb hoffen sie auf Batterieproduktion, neue Komponenten sowie die Brennstoffzelle.

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Rund 7300 Mitarbeiter arbeiten in dem Werk, doch in diesem Jahr fallen rund 150 Stellen weg. Der Bau von Boots- und Industriemotoren wird aufgegeben.

Hannover. Im VW-Werk Salzgitter treffen die Autowelten aufeinander. Knapp 1,6 Millionen Verbrennungsmotoren sind hier im vergangenen Jahr gebaut worden - doch so wird es nicht bleiben. „Wir sind diesellastig am Standort“, sagt Werkleiter Christian Bleiel, der auch das VW-Geschäftsfeld Motor leitet. „Es ist eine strategische Aufgabe, das zu ändern.“ Also läuft gleichzeitig die Vorbereitung auf die Zukunft mit Elektroantrieb. Langfristig geht es für Salzgitter um alles: „Das Ziel ist, dass es diesen Standort auch in 15 Jahren noch gibt“, sagt Bleiel.

Im Konzern gilt das Motorenwerk als Paradebeispiel für den VW-Zukunftspakt: Kosten drücken, in Zukunftstechnologie investieren und dabei die Arbeitsplätze erhalten. „Die Belegschaft zieht mit, weil sie weiß, dass die Beschäftigung gesichert ist“, sagt Betriebsratschef Andreas Blechner.

Trotzdem fallen in diesem Jahr gut 150 der mehr als 7000 Arbeitsplätze in Salzgitter weg, und auf längere Sicht werden wohl nur 5000 bis 6000 Stellen bleiben. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter von 46 Jahren ist dabei Hilfe und Herausforderung zugleich: Es schafft Spielraum für Altersteilzeit, fordert aber auch neue Wege beim Einsatz älterer Mitarbeiter.

Feilschen um jeden Cent

So wurde eine „Ergonomielinie“ mit Roboterunterstützung eingerichtet. Das vom Betriebsrat forcierte Projekt hat auch für Bleiel Modellqualität: Die Software für die Roboter wurde in Salzgitter entwickelt. So können auch Mitarbeiter mit körperlichen Einschränkungen produktiv eingesetzt werden.

Produktivität ist für den im weltweiten Vergleiche teuren Standort alles. Um jeden Cent wird gefeilscht, in Hunderten Workshops wurde die Produktion optimiert. Die verschiedenen Teams analysierten selbstständig jeden ihrer Handgriffe, nahmen Werkstücke unter die Lupe, minimierten Ausfallzeiten. Mal ist das Ergebnis eine selbstgebaute Vorrichtung in der Turbolader-Montage, die einen Handgriff spart - und mehr Motoren pro Schicht ermöglicht. Mal ist es Feinschliff an einem Werkzeug, der in der Nockenwellenfertigung 15 000 Euro im Jahr spart. Es summiert sich: Insgesamt sanken die Kosten der Motorenfertigung im vergangenen Jahr um 8 Prozent.

Gleichzeitig sichere Salzgitter seine Position mit Innovation, sagt Bleiel. Ein neuer 1,5-Liter-Benzinmotor mit Zylinderabschaltung geht gerade in Produktion. Die Verbrenner werden noch lange das Werk prägen - doch die Zeitenwende kündigt sich an. Der Bau von Boots- und Industriemotoren wird mangels Wirtschaftlichkeit aufgegeben. Ein Dreizylinder-Diesel wird auslaufen. Das Werk musste geplante Produktionsmengen an billigere Standorte abgeben. Eine Halle zeigt schon viel freie Fläche.

Pilotanlage soll bis 2020 in Salzgitter stehen

Dort soll die Zukunft einziehen. Auch wenn die Deutschen beim Kauf von Elektroautos zögern - diese Fahrzeuge werden kommen. So hat die Entwicklungsabteilung in Salzgitter ihr Know-how in eine kleine Wasserpumpe für E-Motoren gesteckt. Sie sei billiger, kompakter und leiser als die Modelle der Zulieferer, sagt Bleiel. Und sie soll in Salzgitter gebaut werden.

Der nächste Schritt ins E-Zeitalter wäre die Produktion von Batteriezellen. Experten streiten, ob das in Deutschland wirtschaftlich machbar ist, doch Bleiel ist sicher: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir bei der Zellfertigung noch Innovationssprünge sehen werden.“ Bis 2020 soll in Salzgitter eine Pilotanlage stehen.

Deutlich weiter entfernt ist eine Brennstoffzellenproduktion, doch auch hier entwickeln die Salzgitteraner industrietaugliche Lösungen. „Das begeistert die ganze Fabrik“, sagt Bleiel. Und Betriebsrat Blechner, der vor allem für die Batteriefertigung massiv Druck macht, verbreitet Aufbruchstimmung: „Wir können hier der Pionier in Europa sein.“

Mehr als 56 Millionen Motoren bisher produziert

Das Werk in Salzgitter wurde 1970 für die Limousine K 70 errichtet. Das Auto floppte. Sein Motor – der erste wassergekühlte bei VW – war ein Erfolg. Bisher wurden in Salzgitter mehr als 56 Millionen Motoren produziert. Täglich sind es bis zu 7000 Otto- und Dieselmotoren in über 200 Varianten. Die Fabrik mit 7300 Mitarbeitern ist das Motorenleitwerk bei VW. Neben den Großserienmaschinen wird hier auch der 16-Zylindermotor für Bugatti montiert.

Der Zukunftspakt soll die Marke VW – die wichtigste im Konzern – wirtschaftlich und technologisch zukunftsfähig machen. Dazu gehören höhere Erträge und gleichzeitig massive Investitionen in Elektromobilität, Vernetzung und neue Dienstleistungen. Der damit verbundene Abbau Tausender Stellen soll ohne Kündigungen gelingen. Die Beschäftigungsgarantie gilt bis 2025.

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