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VW bringt Niedersachsens Wirtschaft in Bedrängnis

Unsicherheit bei Zulieferern VW bringt Niedersachsens Wirtschaft in Bedrängnis

Die Aufträge für die heimische Autoindustrie sind bei den Zulieferern um fast ein Fünftel eingebrochen. Zudem müssen viele Leiharbeiter gehen - im VW-Werk in Emden wurden am Mittwoch die Verträge von 250 Leiharbeitern nicht verlängert.

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„Extreme Vorsicht“: IHK-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Der Sparkurs bei Volkswagen bereitet der niedersächsischen Wirtschaft massive Probleme: Im Januar sind die Aufträge für die heimische Autoindustrie, wozu neben den Herstellern auch Teile der Zulieferer zählen, um fast ein Fünftel eingebrochen. Das geht aus Daten hervor, die das Landesamt für Statistik am Mittwoch vorgelegt hat. Danach sind vor allem die Bestellungen aus dem Inland eingebrochen - um 34 Prozent. Ein größeres Minus hat die Branche in Niedersachsen nur mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 erlitten. Die Industrie insgesamt liegt dadurch im Januar acht Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Unsicherheit bei Zulieferern

„In der Branche ist eine extreme Vorsicht und Zurückhaltung festzustellen“, umschrieb es unlängst IHK-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage. Unter den Zulieferern herrsche eine große Unsicherheit über das Ausmaß der Krise bei Volkswagen, sagte der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt. Sowohl die Kammer als auch der Arbeitgeberverband haben in ihren jüngsten Umfragen dazu deutliche Signale erhalten. Laut IHK will jeder dritte Zulieferer 2016 sein Investitionsbudget zusammenstreichen. Und Niedersachsen-Metall rechnet erstmals seit 2009 wieder mit einem Personalabbau in der heimischen Industrie.

Im VW-Werk im ostfriesischen Emden wurde das gestern für 250 von 1300 Leiharbeitern bereits sehr konkret. Volkswagen will ihre Verträge nicht mehr verlängern, wie Werksleiter Frank Fischer am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung vor 4000 Beschäftigten mitteilte.

Effektüberlagerung bei VW im Januar

Im Januar haben sich bei Volkswagen und damit für die ganze Branche gleich mehrere Effekte überlagert. Der Autobauer, der in Niedersachsen allein gut 120 000 Menschen beschäftigt, hatte die weihnachtlichen Werksferien an vielen Standorten weit in den Januar ausgedehnt - aus Sorge, der Skandal um manipulierte Diesel könnte sich auf den Absatz auswirken. Deshalb sei VW bei den Orders zuletzt auch deutlich zurückhaltender gewesen, hieß es in der Branche. Allerdings war der Vergleichsmonat im Vorjahr auch besonders gut für VW gewesen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Wolfsburger seit Monaten ihr bereits 2014 aufgelegtes Effizienzprogramm verschärfen und inzwischen erste Erfolge ernten. Viele Dienstleistungsverträge stehen auf dem Prüfstand, die Teilevielfalt wurde merklich zusammengestrichen. Beim Golf gibt es inzwischen „nur“ noch 43 statt bislang 117 unterschiedliche Lenkräder oder 259 statt 341 Vordersitz-Varianten. Wenn der Großkunde Wildwuchs zurückschneidet, merken das auch die Zulieferer.

Absatz der Kernmarke VW Pkw stabilisiert sich

Der Absatz der Kernmarke VW Pkw scheint sich indes zu stabilisieren. Im Februar sind ihre Zulassungen in Deutschland um 4,3 Prozent gestiegen. Sie schlug sich allerdings deutlich schlechter als der Gesamtmarkt, der um 12 Prozent zulegte. Im Januar hatte VW Pkw sowohl in Deutschland als auch in Westeuropa Rückgänge zu verzeichnen gehabt.

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