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VW eröffnet neue Flaggschiff-Filiale in Hannover

Autohandel VW eröffnet neue Flaggschiff-Filiale in Hannover

Es gibt fraglos bessere Zeiten, um ein neues VW-Autohaus zu eröffnen. Der Abgas-Skandal war noch weit, als sie an der hannoverschen Podbielskistraße einen Neubau planten - direkt gegenüber des traditionsreichen, aber kleinen Alt-Standorts und gleich neben der Niederlassung von Daimler.

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„Die Hersteller wollen ihre Standorte absichern“: Hausherr Mike Altmann (Mitte), Roland Stöckigt, Chef von VW-Immobilien (links) und Rainer Schroll, Geschäftsführer der Porsche Holding, bei der Eröffnung des neuen VW-Autohauses an der Podbielskistraße.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Es gibt fraglos bessere Zeiten, um ein neues VW-Autohaus zu eröffnen. Der Abgas-Skandal war noch weit, als sie an der hannoverschen Podbielskistraße einen Neubau planten - direkt gegenüber des traditionsreichen, aber kleinen Alt-Standorts und gleich neben der Niederlassung von Daimler. Mag die VW-Konzernspitze derzeit das Büßerhemd bevorzugen - im Vertrieb wissen sie noch, die Feste zu feiern, wie sie fallen. Also: Abendgarderobe angezogen, das Drei-Gänge-Menü wartet.

Gut 250 Gäste hatte die Volkswagen Automobile Hannover - gesellschaftsrechtlich so etwas wie die Ur-Enkelin des Wolfsburger Konzerns - am Donnerstag zur „Gala-Eröffnung“ eingeladen. Am 15. Februar startet das Haus dann ins Tagesgeschäft. Der Neubau setzt Maßstäbe: 21 Millionen Euro Investitionen, mit 11 000 Quadratmetern mehr als doppelt so groß wie das alte Haus gegenüber, eigene Lackiererei, Waschanlagen, zweistöckiges Teilelager, Blockheizkraftwerk, komplette Elektromobilitätsausrüstung. „Mit diesem Betrieb können wir neue Maßstäbe in Sachen Kundenzufriedenheit setzen“, sagt Geschäftsführer Mike Altmann.

Was außerhalb der Branche kaum jemand weiß: Altmann steht an der Spitze einer regionalen Handelsgröße, die sechs Autohäuser umfasst, 620 Menschen beschäftigt und im vergangenen Jahr immerhin 11 000 Autos verkauft hat. Traditionsreiche Händler wie Bischoff & Hamel in Döhren oder Marquardt in Langenhagen gehören zu Altmanns Reich. Seit der Übernahme des Hauses an der „Podbi“ von Petermax Müller 1999 hat VW nach und nach zugekauft. Der Hersteller ist in Hannover längst sein größter Händler - und der Bau an der Podbielskistraße sein neues Flaggschiff.

Mit der Strategie befindet sich VW in bester Gesellschaft. BMW und Daimler unterhalten in der Landeshauptstadt ebenfalls große Niederlassungen, genauso wie die VW-Tochter Audi. Letztere muss übrigens an dieselbe Zwischenholding berichten wie Altmann. „Die Hersteller wollen ihre Standorte in den Großstädten absichern“, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR). Es gehe ihnen um Marktanteile, nicht um Gewinne. „Was die Häuser tatsächlich verdienen, weiß man ohnehin nicht so richtig.“ Eigene Handelstöchter ließen sich leichter quersubventionieren.

Das vom Eigentümer geführte Autohaus ist schon seit Langem auf dem Rückzug. Im Neuwagengeschäft müssen die Unternehmen gewaltige Geldsummen bewegen, ohne dass unterm Strich Nennenswertes für sie übrig bleibt. Die wichtigste Ertragsquelle ist das Werkstattgeschäft. Doch das wird durch ständige neue Vorgaben der Hersteller und die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeuge immer schulungs- und kostenintensiver. So überleben die unternehmergeführten Häuser entweder, indem sie selbst durch Zukäufe zu kleinen Handelskonzernen wachsen - wie Hannovers größter freier VW-Händler Kahle, der gerade zwei Häuser eines insolventen Kollegen in Wunstorf und Neustadt übernommen hat. Oder sie finden für sich eine ertragreiche Nische wie das Lindener Traditionshaus Gessner & Jacobi, das vor allem Flotten- und Gewerbekunden bedient.

Dass sich die Autobauer mit ihren Niederlassungen auf die Metropolen konzentrieren, ist keine Überraschung. Hier gibt es eine hohe Kundenfrequenz, hier gilt es, Eindruck zu machen. Das mühsame Geschäft in der Fläche überlässt man lieber den Selbstständigen. Daimler hat gerade fast jedes zweite seiner 160 konzerneigenen Häuser abgestoßen - darunter auch neun Häuser mit 600 Beschäftigten in Niedersachsen. Die gingen aber wiederum an große Familienbetriebe mit mehreren Filialen. Die haben den konzerneigenen Läden zumindest bei den Personalkosten etwas voraus, gibt Dudenhöffer zu bedenken. Die Autobauer müssten auch das Personal in den Autohäusern nach Tarif bezahlen - die Selbstständigen dagegen nicht unbedingt.

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