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VW liefert Bulli mit Dieselmotor nicht mehr aus

Zu hohe Stickoxid-Werte VW liefert Bulli mit Dieselmotor nicht mehr aus

VW-Vertragshändler erhalten derzeit keine neuen Transporter mit Diesel-Motor. Die Fahrzeuge überschreiten offenbar die Grenzwerte bei Stickoxiden und werden deshalb derzeit nicht ausgeliefert.

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Wird derzeit nicht ausgeliefert: Der T6 mit Dieselmotor.
 

Quelle: Volkswagen

Hannover.   Wegen zu hoher Abgaswerte hat Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) die Auslieferung von Diesel-Varianten des Multivans T6 gestoppt. Man gehe Hinweisen nach, dass „bestimmte technische Werte“ der Bulli-Modelle mit Pkw-Zulassung nicht mit den Vorgaben der Behörden übereinstimmten, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag in Hannover. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sei darüber informiert.

Seit 60 Jahren rollt der VW-Bulli in Hannover vom Band – den runden Geburtstag hat die Nutzfahrzeug-Sparte 2016 gefeiert. Nach Angaben der Organisatoren kamen mehr als 35.000 Besucher zu einem Familienfest ins Werk.

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Bei der Flensburger Behörde hat man offenbar erwogen, für die betroffenen T6-Modelle einen Zulassungsstopp zu verhängen. VWN darf nun jedoch versuchen, das Problem so schnell wie möglich mit einem Update für die Abgasreinigung zu lösen. Vorerst werden die Multivans im Stöckener Werk weiter produziert – sie werden aber nicht mehr an Händler ausgeliefert. Das KBA wollte sich zu diesem Kompromiss nicht äußern.

Nach Angaben von VWN gibt es für den T6 zwei unterschiedliche Zulassungen: Für die Transporter-Variante gelte die sogenannte N1-Zulassung für Nutzfahrzeuge mit höheren Stickoxid-Grenzwerten. Diese Modelle dürfen 125 Milligramm NOx pro Kilometer ausstoßen und sind von dem Lieferstopp nicht betroffen. Die Bulli-Pkw-Modelle müssten bei der Pkw- (M1)-Zulassung niedrigere Grenzwerte von 80 Milligramm je Kilometer einhalten. Diese Marke wurde bei einem internen Test offenbar überschritten. Wann das aufgefallen ist, will VWN nicht sagen. 

Der Bulli ist das erfolgreichste Modelle der VW-Tochter. Es gibt ihn in als geschlossenen Transporter, mit Pritsche, als Personenwagen und als Wohnmobil. Seit Einführung der starken und sparsamen TDI-Motoren Ende der Neunziger Jahre wird der T6 überwiegend als Selbstzünder ausgeliefert. Der Bulli hat in allen Varianten den Zweiliter-Dieselmotor mit 84 bis 204 PS unter der Haube. Die Motoren sind mit einem SCR-Katalysator mit Harnstoff-Einspritzung („AdBlue") ausgerüstet.

Das älteste Modell: der Bulli-Prototyp von 1949.

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Im vergangenen Jahr hatte VWN die Produktion im Stöckener Werk aufgestockt, um der hohen Nachfrage nachzukommen. 2016 wurden 170.000 Modelle des T6 in Hannover produziert. Vom Diesel-Bulli mit Pkw-Zulassung hat VWN im vergangenen Jahr den Angaben zufolge knapp 70.000 Fahrzeuge hergestellt. Das Unternehmen wollte sich gestern weder dazu äußern, welche Motortypen oder Baujahre von den Abgasproblemen betroffen sind noch um wie viele Fahrzeuge es sich handelt. Auch was der Lieferstopp für die Kunden bedeute, können man nicht sagen, hieß es.

Der Lieferstopp trifft die Händler unvorbereitet. Sie wurden von Volkswagen nur sehr allgemein informiert. „Ich weiß nichts von dem Vorgang“, sagte der hannoversche VW-Händler Karl-Heinz Kahle am Freitag. Ein Lieferstopp sei für den Vertrieb eine Katastrophe: Wettbewerber würden in die Bresche springen. Außerdem gefährde ein solcher Schritt das Service-Geschäft und die Beziehungen zu den Kunden. Er verkauft nach eigener Aussage eine dreistellige Zahl von Bullis pro Jahr, darunter sowohl Modelle für Privatkunden als auch für gewerbliche Kunden.

Das ist der T6

1949 entstand der erste Prototyp für einen Transporter von VW, ein Jahr später lief die Serienproduktion an, und der Bulli – wie er liebevoll genannt wurde – avancierte schnell zum Lastenfahrzeug des Wirtschaftswunders. 

 1955 entstand ein eigenes Werk für die Produktion des T1 in Hannover-Stöcken. Der Bulli mauserte sich im Laufe der Zeit vom Handwerkerauto zum Lifestyle-Fahrzeug. Neben der Nutzfahrzeug-Variante gibt es heute den Multivan für Familien und den California als Campingmobil.

2015 ging die sechste Generation des Bulli im Werk Stöcken in Serie. Mehr als 500 verschiedene Varianten lassen sich zusammenstellen, denn als Großraumlimousine Multivan und Caravelle, als Nutzfahrzeug mit Kasten, Pritsche, Doppelkabine und Kombi sowie als California sind bereits die Karosserievarianten vielfältig. Zählt man die drei Ausstattungslinien (Trendline, Comfort-line, Highline), die zahlreichen Farbkombinationen inklusive der vier Zweifarblackierungen, die sechs Motorisierungen sowie die zwei Längen (4,89 und 5,29 Meter) hinzu, ist die hohe Zahl an verschiedenen Versionen schnell erreicht.

Die Nachfrage nach dem T6 war von Anfang an hoch: Im Mai 2016 gab es die ersten Sonderschichten in Stöcken für das Modell, die Produktion wurde aufgestockt.

Im Jahr 2016 wurden 172.884 Exemplare vom T6 in Stöcken gebaut, weitere 26.602 im polnischen Werk in Posen.

Von Jens Heitmann und Christian Wölbert

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