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Niedersachsen Verdacht auf Steuertrickserei bei Salzgitter
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Verdacht auf Steuertrickserei bei Salzgitter
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00:19 09.10.2014
Der Konzern weist die Vorwürfe zurück. „Salzgitter vertritt die Auffassung, sämtliche Zahlungen zutreffend behandelt zu haben“, erklärte ein Unternehmenssprecher am Montag.
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Hannover

Der Stahlkonzern Salzgitter steht im Verdacht, bei Geschäften im Iran und in Nigeria gegen Steuergesetze verstoßen zu haben. Steuerfahnder hätten Anhaltspunkte dafür, dass der Konzern Beratern für die Anbahnung von Geschäften in diesen Ländern zwischen den Jahren 2005 und 2009 Provisionen von insgesamt mehr als 100 Millionen Euro gezahlt habe, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Die Ausgaben könnten zumindest teilweise in Steuererklärungen falsch deklariert worden sein.

Das Unternehmen bestätigte entsprechende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Steuerfahnder hatten im Frühjahr Büros in der Konzernzentrale in Salzgitter, bei der Tochter Peiner Träger und bei der Handelstochter Salzgitter Mannesmann in Düsseldorf durchsucht. Dabei hatten die Ermittler zunächst angeblich steuerrechtlich unzulässige Rückstellungen bei Tochtergesellschaften in den Jahren 2006 bis 2009 im Blick. Im weiteren Verlauf ergaben sich offenbar Anhaltspunkte für den Verdacht, dass die Handelstochter Provisionen unzutreffend als steuermindernde Betriebsausgaben gebucht haben könnte.

Der Konzern weist das zurück. „Salzgitter vertritt die Auffassung, sämtliche Zahlungen zutreffend behandelt zu haben“, erklärte ein Unternehmenssprecher am Montag. Das Unternehmen habe die Ermittlungsbehörden von Beginn an unterstützt, „um transparent und nachvollziehbar zur Aufklärung der Sachverhalte sowie ihrer steuerlichen Anerkennung beizutragen“.

Zur Anbahnung seiner internationalen Geschäfte setze der Konzern einerseits auf die eigene Werks- und Trading-Vertriebsorganisation – man bediene sich aber auch „dritter nicht konzernzugehöriger Vermittler“, sagte der Salzgitter-Sprecher. Diese Vermittler erhielten „geschäftsübliche Vermittlungsprovisionen“. Bei Großprojekten könnten Provisionen von wenigen Prozent allerdings leicht mehrere Millionen Euro erreichen: „Das sind so hohe Beträge, weil das Grundgeschäft so hoch ist.“

Von offizieller Seite will sich niemand zu den Anschuldigungen äußern. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig lehnt einen Kommentar unter Verweis auf das Steuergeheimnis ab. Die Landesregierung in Hannover hält sich ebenfalls zurück. Niedersachsen ist mit 26,5 Prozent an der Salzgitter AG beteiligt und hat mit Finanzminister Peter-Jürgen Schneider einen prominenten Vertreter im Aufsichtsrat, der von 2003 bis 2013 Personalvorstand des Konzerns war.

Die Salzgitter-Aufsichtsräte sollen die nach außen getragene Gelassenheit der Unternehmensführung nicht teilen. Der Konzern habe inzwischen externe Anwälte hinzugezogen, um Gutachten zu den strittigen Punkten zu erarbeiten, hieß es. Sollte sich der Verdacht der Ermittler bestätigen und sollten Steuernachzahlungen drohen, müsste der Konzern Rückstellungen bilden, die das Ergebnis belasten. Im ersten Halbjahr 2014 verzeichnete der Konzern einen Verlust von 16 Millionen Euro.

von Jens Heitmann und Jan Schwartz

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