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Werden hier Werksarbeiter um ihren Lohn geprellt?

Video-Enthüllung in Schlachterei Werden hier Werksarbeiter um ihren Lohn geprellt?

Ein Video aus einer großen Schlachterei in Niedersachsen legt den Verdacht nahe, dass Werkvertragsarbeiter um einen Teil ihrer Einkünfte gebracht werden. Zu sehen sind osteuropäische Werkvertragsarbeiter, die in der Kantine eines großen Betriebs Schlange stehen und der Reihe nach Papiere unterschreiben –Anscheinend ohne zu wissen, worum es geht. 

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„Was du unterschreibst, musst du nicht wissen“: Ein Ausschnitt aus dem Video.

Quelle: Screenshot

Oldenburg. Die Bilder sind verwackelt, heimlich aufgenommen mit dem Handy. Der Film zeigt Menschen in Arbeitskleidung, angeblich Zerleger und Schlachter. Das Filmmaterial legt den Verdacht nahe, dass Werkvertragsarbeiter um einen Teil ihrer Einkünfte gebracht werden. Es sind osteuropäische Werkvertragsarbeiter, die in der Kantine eines großen Schlachthofs vor einem Tisch Schlange stehen und der Reihe nach Papiere unterschreiben.

Auf dem Video sind rumänische und ungarische Worte zu hören, aufgenommen am 22. März in Essen/Oldenburg. Zeigen die Bilder, wie ein berüchtigter Subunternehmer aus Cloppenburg seine Arbeiter um einen Teil ihres Lohnes prellt? Den Verdacht hegt Daniela Reim von der Beratungstelle für mobile Beschäftigte, die sich im Auftrag des Landes um die faire Behandlung osteuropäischer Arbeiter kümmert.

Fragt man Daniela Reim, zeigt das Video einen neuen Weg, den Lohn der Zerleger zu drücken. Zu sehen sind in einigen Ausschnitten Schecks, die von den Arbeitern auf der Rückseite unterschrieben werden, ohne dass sie die Vorderseite gesehen haben. Beim sogenannten Indossament überträgt der Berechtigte das Recht auf Auszahlung des Schecks auf jemand anderen. Daniela Reim ist sicher: „Diese Schecks erscheinen auf den Lohnabrechnungen als Vorschuss“ – obwohl die Arbeiter das Geld nie bekommen haben wollen. Dasselbe passiere auch in den Räumen eines weiteren Schlachthofs in Garrel.

„Sie unterschreiben aus Angst“

Der Unternehmer bestreitet das: „Wir können versichern, dass Vorschüsse die auf den Lohnabrechnungen ausgewiesen wurden, auch zu diesem Zweck ausgezahlt worden sind.“ Er ist mit seinen Firmen eine der großen Nummern im Geschäft mit den billigen Arbeitskräften für Schlachthöfe in Niedersachsen. Warum die Arbeiter in dem Video Schecks unterschreiben, beantwortet der Ungar auf mehrfaches Nachfragen nicht.
Auf den Bildern schieben zwei Frauen – sie werden Nicoleta und Dolma genannt – den Arbeitern die Papiere zur Unterschrift hin. Es geht alles sehr schnell. Die Männer und Frauen haben kaum Zeit zu registrieren, was sie da unterzeichnen – das ist womöglich sogar der Sinn. „Sie unterschreiben aus Angst“, sagt Daniela Reim. „Aus Angst, dass sie ihren Job verlieren, wenn sie nicht unterschreiben.“ Und wenn sie nachfragen, worauf sie da ihre Unterschriften setzen? „Dann wird ihnen gesagt: Das musst Du nicht wissen, das ist nicht wichtig.“

Ist es natürlich schon. Hat Betreuerin Reim recht, kosten ihre Signaturen die Arbeiter mehrere Hundert Euro im Monat, die auf ihren Lohnzetteln als „Vorschuss“ vom Netto-Verdienst abgezogen werden. „Ich vermute, es sind Unterschriften, dass sie irgend etwas bekommen haben“, mutmaßt auch der Rechtsanwalt Johannes Brinkhus. Wird so der Mindestlohn von 8,60  Euro umgangen?

205 Stunden Arbeit für je 4,25 Euro Stundenlohn?

Der Jurist aus Bakum im Kreis Vechta führt eine Reihe von Klagen von Werkvertragsarbeitern gegen den Cloppenburger Subunternehmer. Immer geht es um „Vorschüsse“, die vom Lohnzettel abgezogen wurden, die aber die Arbeiter nie bekommen haben wollen. „Teilweise leisten die Arbeiter Blankounterschriften“, sagt Brinkhus. Zu sehen ist auf dem Video, wie einer ein fast vollständig verdecktes Papier unterschreibt.
Der HAZ liegen Lohnzettel mehrerer Firmen des Subunternehmers vor. Aus 1237 Euro Nettoverdienst in einem Fall wird abzüglich eines angeblichen Vorschusses ein Auszahlungsbetrag von 872  Euro – bei 205 Stunden Arbeit macht das gerade einmal 4,25 Euro Stundenlohn. Darf man so rechnen?

Unaufgefordert meldet sich ein Sprecher des Schlachthofs bei der HAZ, der sich sonst für Angelegenheiten zwischen Subunternehmern und Schlachtern nicht zuständig fühlt, da die Werkvertragsarbeiter nicht bei ihm angestellt sind. Der Begriff „Vorschuss“ sei missverständlich, sagt er. Dahinter würden sich Leistungen verbergen, die der Subunternehmer berechnen dürfe: etwa der Transport der Arbeiter von der Unterkunft zum Schlachthof. Damit widerspricht er dem Subunternehmer. Hatte der nicht erklärt, es handele sich um gezahlte Vorschüsse? Es ist wirklich intransparent.

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