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Niedersachsen Thomas Sedran löst Eckhard Scholz als VWN-Chef ab
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Thomas Sedran löst Eckhard Scholz als VWN-Chef ab
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17:02 10.07.2018
Thomas Sedran: Der bisherige Leiter der VW-Konzernstrategie wird neuer VWN-Chef in Hannover Quelle: dpa
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Hannover

Führungswechsel bei Hannovers größtem Arbeitgeber: Thomas Sedran löst Anfang September Eckhard Scholz als Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) ab. Scholz verlasse das Unternehmen „auf eigenen Wunsch“, teilte Volkswagen am Dienstag mit. Der Wechsel kommt nicht überraschend. Schon seit Wochen kursieren Gerüchte über einen Abschied von Scholz.

Warum er seinen Posten aufgibt, das deutete der scheidende Chef in einem Brief an die Belegschaft nur vage an: Volkswagen stehe vor einer „Zeitenwende“, auf die sich das Unternehmen organisatorisch, personell und konzeptionell einstellen müsse. Er habe deshalb den Konzern gebeten, ihn von seinen Pflichten zu entbinden. Die Beweggründe werde er nach dem Werksurlaub „gern persönlich erläutern“. Er sei „im Herzen ein Nutzi geworden“, der Abschied falle ihm schwer.

In Unternehmenskreisen war zu hören, dass das Verhältnis zwischen Scholz und VW-Chef Herbert Diess seit Längerem angespannt sei. Zum Beispiel habe die von Diess geführte Marke VW Pkw eine Studie für einen Bulli mit Elektroantrieb entwickelt und damit die Hannoveraner düpiert, die eigentlich für die Fahrzeugklasse zuständig sind. Später stieg Diess zum Konzernchef in Wolfsburg auf und wurde dadurch auch Scholz’ Chef. Seitdem fürchte dieser um seine „Beinfreiheit“, hieß es.

Eine Rolle dürfte auch die geplante Kooperation zwischen VW und Ford bei der Entwicklung von Nutzfahrzeugen spielen. Diese wurde in Wolfsburg vorangetrieben und im Juni von Thomas Sedran statt von Scholz verkündet – obwohl die „strategische Zusammenarbeit“ aktuell in erster Linie die Hannoveraner betrifft.

Als neuer VWN-Chef kann Sedran die Kooperation nun auch umsetzen. Der Ökonom ist für VW-Verhältnisse ein Außenseiter: Er kam erst 2015 nach Wolfsburg, als Leiter des neu geschaffenen Bereichs Konzernstrategie. In dieser Funktion verantwortete er Entscheidungen für den langfristigen Aufbau von Elektro-Kompetenz. Zuvor hatte er unter anderem als Berater gearbeitet und die kriselnde Marke Opel als Interims-Chef geführt. In Wolfsburg gilt er als relativ leise auftretender Analytiker.

Aus Sicht der hannoverschen Arbeitnehmervertreter muss Sedran sich seinem Vorgänger zum Vorbild nehmen. Scholz habe leidenschaftlich für die Marke und den hiesigen Standort gekämpft, schrieb die Betriebsratsvorsitzende Bertina Murkovic an die Belegschaft. „Diesen Einsatz und dieses Engagement brauchen wir auch von seinem Nachfolger!“

Rekordergebnisse unter Scholz

Der Ingenieur Scholz stemmte in seinen sechs Jahren als VWN-Chef zahlreiche Großprojekte und führte die Marke zu Rekorden in Produktion, Absatz und Gewinn. Der vielleicht wichtigste Meilenstein war der Abschluss eines „Zukunftspaktes“ im Jahr 2016. Darin einigten sich Scholz und der Betriebsrat auf den Abbau von bis zu 1500 Stellen in Hannover – ohne Kündigungen – und auf weitere Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität. Scholz gilt unter Betriebsräten als harter, aber verlässlicher Verhandlungspartner.

Weitere Großprojekte unter Scholz waren der Modellwechsel beim Bulli vom T5 zum T6 und der Bau einer neuen Fabrik für das Modell Crafter in Polen. Auf die Nachfrage nach Elektro-Transportern reagierte VWN – wie die anderen großen Marken – allerdings spät. Erst Ende 2017 lieferten die Hannoveraner erste Exemplare des E-Crafter an Testkunden. Die Deutsche Post war mit ihrem „Streetscooter“ schneller unterwegs. „Die Post hat uns den Spiegel vorgehalten“, sagte Scholz vor einigen Monaten.

Von Christian Wölbert und Jens Heitmann

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